Familienpaten in Unna: eine tolle Erfahrung für beide Seiten

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Familienpaten sind Helfer, Vernetzer, Unterstützer und haben immer ein offenes Ohr. Seit 2005 läuft das Projekt in Unna. Doch es werden immer weniger ehrenamtliche Familienpaten.

von Charlotte Groß-Hohnacker

Unna

, 26.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie helfen im Alltag. Unterstützen, wenn der Partner fehlt, oder passen auf die Kinder auf, wenn die Eltern lange arbeiten müssen. Manche Familien suchen auch einfach nur Ersatzgroßeltern.

Ehepaar Bär – Familienpaten seit sieben Jahren

Seit sieben Jahren sind Sabine und Fred Bär schon Familienpaten von zwei Mädchen. Sie gehen zusammen schwimmen oder Fahrrad fahren. Rund drei bis vier Stunden unternehmen sie etwas zusammen.

Häufig sind die Mädchen auch bei ihnen zu Hause. Mal wird gespielt, ein anderes Mal im Garten gezeltet.

Info

So wird man Familienpate

Interessenten können sich beim Familienbüro in Unna melden. Dann werden sie zu einem Einzelgespräch eingeladen. Dazu muss ein Führungszeugnis vorgelegt werden, eine Erkundigung beim Jugendamt wird eingeholt und auch die Motivation des Interessenten wird überprüft. Ist der Bewerber geeignet für das Ehrenamt, sucht das Familienbüro eine passende Familie. Der Erstkontakt findet meistens bei der Familie Zuhause statt. Familie und Pate werden dabei von dem Familienbüro begleitet und mögliche Zielvereinbarungen werden formuliert. Das Familienbüro begleitet die Familie und ihren Paten auch die ganze Zeit über und steht jeder Zeit mit Rat und Tat und Versicherungsschutz zur Seite. Das Verhältnis kann jeder Zeit von beiden Seiten aus beendet werden. Nach den ersten sechs Monaten erfolgt das ersten Auswertungsgespräch. Dabei kann die Patenschaft verlängert werden. Normalerweise begleiten Familienpaten eine Familie für zwei bis drei Jahre.

Während der letzten sieben Jahre haben die beiden Paten schon eine Bandbreite an Aufgaben gemeistert. Das reicht von der Hilfe bei Hausaufgaben und von der Schule abholen bis hin zur Unterstützung beim Anträge-Ausfüllen.

In die Erziehung einmischen ist ein „No-go"

Paten sollten sich aber niemals in die Erziehung einmischen. „Die Familienpaten sollten auf gar keinen Fall versuchen, die Welt, in der die Kinder leben umzukrempeln“, meint Sabine Bär. Familienpaten sollen die Eltern schließlich ent- und nicht belasten. Die Zusammenarbeit soll den Kindern, aber auch den Paten vor allem eins machen: Spaß.

Inzwischen sind sie Freunde der Familie und Kinder. Doch trotzdem ist es wichtig, die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu finden.

Neue Erfahrungen für beide Seiten

Auf das Amt der Familienpatin ist Sabine Bär durch Bekannte gestoßen. Die 58-Jährige fand es gut, dass sie dabei etwas für Kinder vor Ort tun kann.

Ihr Mann Fred kam erst einige Zeit später hinzu. Er wurde von den Kindern selbst überzeugt, sagt er. „Die Kinder suchen sich selbst ihren Familienpaten aus! Entweder funktioniert es – oder eben nicht“, so der 59-jährige Eisenbahner. Man merke von Anfang an, ob die Familie zu einem passe.

Schulung

Ansprechpartner

In Unna ist Marie Sinner vom Familienbüro für die Familienpaten zuständig. Entweder kann man sich direkt bei ihr im Familienbüro im Rathaus (Zimmer 012) für die Schulung anmelden, oder telefonisch unter Tel. (02303)103513. Bis zum 13. September läuft die Anmeldefrist noch.

Auch ob es das richtige Ehrenamt sei, werde schnell deutlich. Bewerber sollten immer bedenken: die Arbeit als Familienpate endet eben nicht nach Dienstschluss.

Das Ehepaar hat selbst keine Kinder. Durch ihre Patenkinder können sie Erfahrungen mache, die sie sonst nie machen könnten.

Die beiden würden es jedem empfehlen, sich auch als Familienpate zu engagieren: „Die Arbeit tut einem auch selbst gut!“ Laut Ehepaar Bär müsse man am besten unvoreingenommen an die Sache rangehen und sich nicht verbiegen.

Projekt läuft seit 2005

Das Bündnis für Familien startete im Oktober 2005 das erste Familienpaten-Projekt. Auch in anderen Städten des Kreises sind die Paten aktiv. In Unna ist das Familienbüro für die Organisation und Vermittlung zuständig. Hier gibt es 15 aktive Familienpaten. Viele sind berufstätig, manche aber auch Rentner.

Claudia Kowaczek, Leiterin des Familienbüros, sagt über die aktuelle Lage: „Meistens gibt es mehr Familien als Paten. Hin und wieder ist das Verhältnis auch umgekehrt.“ Die Wartezeit auf einen Paten beträgt in Unna im Durchschnitt drei bis sechs Monate. Doch werden es immer weniger Familienpaten.

Schulung zum Familienpaten ab Oktober

Deshalb sucht das Familienbüro jetzt nach neuen Paten. Ab dem 1. Oktober findet eine neue Schulung in Unna, Bergkamen, Kamen und Werne statt. In sieben Einheiten werden verschiedene Inhalte rund ums Thema Familienpaten vermittelt.

Die Kurse bereiten die Fachberaterinnen der jeweiligen Städte selbst vor. In Unna sind das Claudia Kowaczek und Marie Sinner, die die Ansprechpartnerin für das Projekt ist.

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