Wie das Lebenszentrum seine Mitarbeiter bei der Pflege ihrer Angehörigen unterstützt

dzFamilie und Beruf

Wenn Eltern krank oder pflegebedürftig werden, braucht es verständnisvolle Arbeitgeber. Das Lebenszentrum Königsborn geht hier einen besonderen Weg - und hat sich damit beim Wettbewerb „Pluspunkt Familie“ beworben.

Unna

, 15.08.2019, 12:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Anruf, der von einer Sekunde auf die andere das ganze Leben verändert: Die Mutter ist gestürzt und braucht nun Unterstützung. Plötzlich steht man als Angehöriger vor einem Berg aus Anträgen, Pflege-Gutachten und Dokumenten, von denen man bis dato nie gehört hatte, die schlagartig aber essenziell sind.

Jetzt weiterarbeiten wie bisher und im Job 100 Prozent zu geben, fällt schwer. Ein Arbeitgeber, der dann Freiräume gewährt, schafft Luft. Im Lebenszentrum Königsborn ist das selbstverständlich. Hinzu kommt seit vier Monaten ein zusätzliches Angebot.

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„Elder Care“ heißt das, was Stefanie Padberg und Roger Trost seit vier Monaten ihren Kollegen anbieten. Beide sind Angestellte im Lebenszentrum, er Sozialarbeiter, sie Qualitätsmanagerin - doch beide haben noch etwas anderes, wovon ihre Kollegen jetzt profitieren können: Padberg und Trost kennen sich aufgrund ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn bestens mit Pflegegutachten und Unterstützungsanträgen aus. Und genau damit helfen sie nun ihren Kollegen, wenn die plötzlich einen pflegebedürftigen Angehörigen haben.

Der Wettbewerb

„Pluspunkt Familie“

  • Mit „Pluspunkt Familie“ würdigt das Bündnis für Familie im Kreis Unna in diesem Jahr zum fünften Mal regionale Unternehmen für ihre herausragenden familienfreundlichen Angebote.
  • In diesem Jahr bewerben sich 22 Unternehmen und Institutionen um den Titel als familienfreundliches Unternehmen.
  • Bis Ende September werden Vertreter vom Bündnis für Familie, der Kreisverwaltung Unna, dem Jobcenter Kreis Unna, der Arbeitsagentur und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna die Firmen besuchen und Informationen über das jeweilige familienorientierte Firmenengagement als Grundlage für die Juryentscheidung sammeln.
  • Die von der Jury als familienfreundliches Unternehmen ausgewählten Bewerber werden mit ihren guten Beispielen am 5. November im Kreishaus ausgezeichnet. Die Preisträger erhalten für ihr Unternehmen jeweils eine Plakette und eine Urkunde.

„Es ist ein ganz logischer Prozess, dass die Zeit, in der die eigenen Kinder langsam erwachsen werden und keine Betreuung im engeren Sinne mehr brauchen, oft die Zeit ist, in der wiederum die eigenen Eltern mehr Unterstützung brauchen und vielleicht auch plötzlich pflegebedürftig werden“, sagt Michael Radix, Geschäftsführer des Lebenszentrums.

„Tritt diese Situation ein, haben wir nun die Möglichkeit, dass unsere Mitarbeiter sich an zwei Kollegen wenden können, die ihnen bei allen Fragen rund ums Pflegesystem helfen können“, so Radix.

Dass der Bedarf an einem solchen Angebot groß ist, kann Stefanie Padberg vier Monate nach Projektstart bestätigen. „Ich habe mittlerweile fünf Beratungen durchgeführt, die alle sehr unterschiedlich waren. Einmal war ich auch bei einer Pflegebegutachtung dabei. Das mache ich natürlich nur, wenn derjenige es auch wünscht“, erzählt Padberg.

In diesem Fall war sie sehr willkommen: Die ältere Dame, Angehörige einer Kollegin von Padberg, bedankte sich anschließend bei ihr: „Sie sagte, dass sie sehr froh war, dass ich dabei gewesen bin, weil sie große Angst vor diesem Termin gehabt hätte.“

„Man muss von jetzt auf gleich funktionieren und das in einem Bereich, mit dem man in aller Regel vorher nie etwas zu tun hatte.“
Martina Kintrup

Eine Pflegebegutachtung oder allein das Ausfüllen von Unterstützungsanträgen stelle viele Menschen vor Probleme, weiß Stefanie Padberg. „Die meisten Menschen hatten bisher nie etwas damit zu tun.“ Wie zeitaufwendig die Organisation des Alltags für einen pflegebedürftigen Angehörigen sein kann, erführen die meisten Menschen erst, wenn der Fall tatsächlich eintrete.

Das weiß auch Martina Kintrup von der Unternehmenskommunikation: „Man muss von jetzt auf gleich funktionieren und das in einem Bereich, mit dem man in aller Regel vorher nie etwas zu tun hatte. Wir haben viele dieser Kernkompetenzen jedoch im Haus und da liegt es nahe, sie auch unseren Mitarbeitern zugute kommen zu lassen.“

Bewerbung beim Wettbewerb „Pluspunkt Familie“

Diese gegenseitige Unterstützung untereinander habe auch bisher schon stattgefunden, betont Kintrup, nun habe man dieses Angebot unter dem Angebot „Elder Care“ aber standardisiert. „Wir informieren darüber auch ausführlich im Intranet, damit alle Kollegen Kenntnis davon haben.“

Mit „Elder Care“ hat sich das Lebenszentrum Königsborn nun auch beim Wettbewerb „Pluspunkt Familie“ beworben. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs, der sich an alle Unternehmen im Kreis Unna richtet, steht die Familienfreundlichkeit von Unternehmen. Gute Beispiele, wie Familie und Beruf vereinbar sind, werden bei einer Preisverleihung am 5. November im Kreishaus präsentiert - „Elder Care“ dürfte da auf großes Interesse stoßen.

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