Falschflieger über Dortmund und Massen wohl auch ein Corona-Phänomen

dzFluglärm

Dass Flugzeuge bei Start und Landung auf anderen Routen ausgemacht werden als gewohnt, wird der Luftaufsicht nicht nur aus Unna und Dortmund gemeldet. Die Erklärungsansätze dafür überraschen.

Unna

, 22.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrfach haben Anwohner des Dortmunder Flughafens geschildert, dass sie große Verkehrsflugzeuge auf anderen Routen über ihren Häusern ausgemacht haben als gewohnt. Der Flughafen selbst und auch die Aufsichtsbehörde in Münster sind der Sache nachgegangen und haben dafür Radarspuren der Deutschen Flugsicherung angefordert. Jetzt liegt ein Ergebnis vor, das gleich wieder neue Fragen aufwirft.

„Wir nehmen die Beschwerden der Anwohner rund um den Flughafen Dortmund ernst und haben deshalb die Deutsche Flugsicherung beauftragt, die Flugbewegungen mittels Radar-Auswertung zu untersuchen“, erklärt nun Diana Seibert-Tombült von der Bezirksregierung in Münster. „Konkret sollte ermittelt werden, ob die Fluglärmbeschwerden auf einen erhöhten Fluglärm durch eine Veränderung der vorgegebenen beziehungsweise festgelegten Abflugstrecken zurückzuführen sind.“

Die Antwort auf diese Frage lautet zunächst: Nein.

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„Es gab bei den Streckenführungen keine Veränderungen, weder bei den Abflugstrecken vom Flughafen Dortmund aus noch bei den Anflugstrecken zu diesem hin“, so die Sprecherin der Aufsichtsbehörde. „Die vorgegebenen und festgelegten Flugstrecken bei Abflügen aus Dortmund wurden von den abfliegenden Maschinen in allen Fällen korrekt eingehalten. In keinem einzigen Fall gab es eine Abweichung von tatsächlich geflogener Flugstrecke gegenüber vorgegebener Flugstrecke. Auch bei der DFS selbst war – hinsichtlich ihrer Aufgabe der Verkehrslenkung der abfliegenden Flugzeuge – der Betrieb komplett regulär.“

Beschwerden auch an anderen Flughäfen

Diese Auswertung bestätigt die Deutsche Flugsicherung auch gegenüber unserer Redaktion. „Alle Flüge wurden regelkonform durchgeführt und es gab keine Abweichungen oder Auffälligkeiten. Es konnten auch keine Verstöße seitens der Luftfahrzeugführer oder zu frühe Freigaben durch unsere Fluglotsen erkannt werden“, erklärt DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

Allerdings weist sie auf eine zusätzliche Beobachtung hin: Meldungen, nach denen die Flugzeuge bei Start oder Landeanflug veränderten Routen folgen würden, erhalte die DFS auch von anderen Flughäfen.

„Da wir im Moment noch von einigen anderen Standorten ähnliche Beobachtungen geschildert bekommen, können wir es uns nur mit der momentanen Situation im Luftverkehr erklären“, verweist Kristina Kelek auf etwaige Zusammenhänge mit der Corona-Pandemie. „Es ist jetzt schon seit Monaten relativ wenig los am Himmel, und wenn dann an bestimmten Tagen doch mal wieder etwas mehr geflogen wird, wird es als auffällig wahrgenommen und kann auch ungewöhnlich erscheinen.“

Erst Corona-Ruhe, dann Wizz-Offensive

In Unna war der Wechsel vielleicht noch etwas drastischer: Kurz nach der dem ersten „Lockdown“, in dem der Flugverkehr in Dortmund drastisch eingebrochen war, begann die wichtigste Fluggesellschaft am Standort mit einer Angebotsoffensive, in der Zug um Zug neue Verbindungen eingeführt wurden.

Aber „gefühlte Routenabweichungen“ als Erklärung für die mehrfach ausgemachten Falschflieger – ob dieser Ansatz dazu geeignet ist, Zweifel in Massen zu zerstreuen, bleibt abzuwarten. Die Siedlungsstruktur und markante Landmarken sollten eigentlich eine gewisse Objektivität zulassen, solange ein Flugzeug noch nah am Boden ist. So hat ein Massener, dessen Haus nah an einem Feld steht, eindringlich beschrieben, wie ein startender Verkehrsflieger schon kurz nach dem Abheben über sein Dach hinweg nach Norden geschwenkt sei, während der übliche Flugweg in 200 Metern Entfernung über das Feld vor seiner Tür hinweg an ihm vorbei geführt hätte.

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