Routiniert: Gabi Thiesmann spritzt den Impfstoff unter der Haut, Alfons Kittl zuckt noch nicht mal. Der eigentliche Impfvorgang geht sekundenschnell. Für das erste Blutströpfchen gab es noch ein Pflaster - das war's. © Martin Krehl
Pandemie

Falscher Wohnort: Harsche Kritik an Organisation von Astrazeneca-Impfungen

Die Impfungen mit frei gewordenen Astrazeneca-Dosen waren schnell ausgebucht. Im Kreis Unna gibt es nun aber Kritik an der unterschiedlichen Vorgehensweise der Kommunen bei der Organisation.

Die Frau war glücklich. Soeben hatte sie einen Termin für eine Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin in Unna ergattert. Sie sollte zu den 640 Menschen gehören, die eine der Dosen bekamen, die frei geworden waren, nachdem Menschen unter 60 Jahren nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden durften.

Dass die Frau nicht in Unna lebt, sondern im benachbarten Holzwickede, sollte sich noch als ein großes Problem herausstellen. Denn obwohl der Termin zunächst bestätigt wurde, sagte die Stadt Unna der Frau später ab mit der Begründung, sie wohne nicht in Unna. Das sorgt bei der Frau auch Tage nach dem geplatzten Termin noch für Ärger – zumal sie in Holzwickede nicht mehr zum Zuge kam.

Stadt Unna kontaktiert mehrere Falsch-Anmelder

„Wir haben uns an die Vorgabe des Kreises gehalten“, erklärt Unnas Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Der Impfstoff sei für Menschen aus Unna vorgesehen gewesen, die zwischen 60 und 79 Jahre alt sind. „Das haben wir auch klar kommuniziert.“ Diesen Hinweis hatte wohl nicht nur die Holzwickederin überlesen. Laut Ueberfeld gab es mehrere Fälle, in denen die Stadt Kontakt zu Anmeldern aufnahm und sie an ihre jeweils zuständigen Behörden weiterverwies.

Die Holzwickederin ärgert sich aber vor allem über das unterschiedliche Vorgehen von Städten und Gemeinden. „Ich habe eine Freundin aus Schwerte, die ohne Probleme in Dortmund geimpft werden konnte.“ Auch in Holzwickede seien nicht nur Menschen aus der Gemeinde geimpft worden.

Kritik an Holzwickeder Informationspolitik

Die Kritik der Frau richtet sich auch gegen die Holzwickeder Verwaltung. Diese hatte erst am Dienstag, 6. April, im Laufe des Nachmittags bekanntgegeben, dass man sich für die Impfung am 16. April anmelden könne – und das auf der Homepage der Gemeinde. „Welcher normale Mensch guckt denn auf die Seite der Gemeinde?“, fragt die Frau und vermutet, dass vor allem die Menschen erfolgreich Termine gebucht hätten, die einen guten Draht ins Rathaus haben.

Unsere Redaktion hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Anmeldemöglichkeit auf unserer Internetseite hellwegeranzeiger.de berichtet – wer erst am Mittwoch aus der gedruckten Tageszeitung davon erfuhr, war fast ausnahmslos zu spät dran. „Meine Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Menschen, die die Impfungen mit ihrem Einsatz erst möglich machen“, betont die betroffene Holzwickederin. „Die Organisation ist aber eine Katastrophe.“ Geimpft ist die Frau bis heute nicht, sie muss auf eine weitere Chance warten.

Termine für weitere Geburtsjahrgänge

Von Freitag (16. April, 8 Uhr) an können auch Menschen der Geburtsjahrgänge 1944 und 1945 Impftermine vereinbaren. Die Terminbuchung erfolgt online über www.116117.de sowie unter Tel. 116 117 oder (0800) 116 117 02.

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Redaktion Unna
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