Fake News: Frau von nächtlichem Polizeibesuch überrascht

dzJustiz

Die Polizei wird gerufen, eine Frau will angeblich betrunken Auto fahren. Zudem soll sie Bargeld gestohlen haben. Die Beamten sind schnell vor Ort. Dort stellt sich die Situation anders dar.

von Jana Peuckert

Unna

, 29.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom nächtlichen Polizeibesuch völlig überrascht, hatte eine Frau im Bademantel am 29. März gegen 0.25 Uhr der Polizei die Tür geöffnet. Die Beamten waren zuvor vom Freund der Frau alarmiert worden, dass diese sich betrunken ans Steuer gesetzt hätte und von Unna nach Warstein fahren würde.

Außerdem habe sie ihm 1700 Euro in bar gestohlen. Ein Alkoholtest bei der Frau ergab jedoch 0,00 Promille. Und von dem Geld fehlte auch jede Spur. Somit wendete sich das Blatt.

»Dass sie nüchtern war, hätte ich nicht gedacht.«

Die Frau wurde zum Opfer und der Anrufer sah sich im Amtsgericht Unna dem Vorwurf der falschen Verdächtigung gegenüber. „Dass sie nüchtern war, hätte ich nicht gedacht“, gab der 54-Jährige im Gericht an. Sie sei bei ihm gewesen und immer wieder kurz im Schlafzimmer verschwunden, wo sie ein paar Flachmänner gebunkert habe. Als sie dann losgefahren sei, habe er sie nur schützen wollen und deshalb die Polizei gerufen.

Bargeld im Beatles-Notenbuch

Was die 1700 Euro angehe, die hätte er kurz darauf in einem Notenbuch der Beatles gefunden. „Ich hatte es zu gut versteckt.“ Das mache nur der Alkohol. Davon hatte der Angeklagte in der vermeintlichen Tatnacht reichlich intus – mehr als 2 Promille.

Während der Verhandlung nahm der Fall eine kuriose Wendung. Die Frau hatte der Polizei gegenüber angegeben, am besagten Tag gar nicht beim Unnaer gewesen zu sein. Diese Aussage wurde durch die Tatsache, dass der Motor des angeblich genutzten Fahrzeug völlig kalt war, untermauert. Mit diesem Fakt konfrontiert, geriet der Angeklagte ins Grübeln und dann zu dem Schluss: „Dann habe ich es wohl geträumt, weil ich zu viel getrunken habe. Das ist nur der scheiß Alkohol.“

Alkohol bestimmt das Leben

Dass der ihm schon viele Jahre das Leben schwer macht, zeigte ein Blick ins Vorstrafenregister: acht Verurteilungen, davon vier wegen Trunkenheitsfahrten. Bezüglich der falschen Verdächtigung ging der Richter aufgrund des Promillewertes von verminderter Schuldfähigkeit aus und verurteilte den Unnaer zu einer Geldstrafe von 500 Euro.

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