Von wegen Risikogruppe: Fahrsicherheitstraining macht Senioren in Unna fit fürs Autofahren

dzVerkehr

Immer mehr Fahrzeuge, immer größerer Stress: Was den durchschnittlichen Autofahrer schon nervt, kann für Senioren am Steuer ein echtes Problem sein. Mit einem neuen Angebot will die Kreisverkehrswacht da helfen.

Unna

, 06.11.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind 71, 84 oder noch älter: Wer sich an diesem Novembertag im Fahrsicherheitszentrum an der Rudolf-Diesel-Straße eingefunden hat, fährt seit mindestens 40 Jahren Auto. Jede Menge Erfahrung also, die vorhanden ist. Erfahrung - und Unsicherheit. Denn immer wieder heißt es: Senioren sind eine Risikogruppe im Straßenverkehr, von verbindlichen Nachtests ab einem gewissen Alter ist die Rede. Und plötzlich werden selbst routinierte Autofahrer unsicher, weil sie angeblich zu einer Risikogruppe gehören. Genau dieser Unsicherheit will die Kreisverkehrswacht Unna begegnen.

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Kontakt und Infos

Fahrsicherheitstrainings für Senioren

Die Fahrsicherheitstrainings werden von der Kreisverkehrswacht Unna angeboten. Informationen über Termine und zu Preisen gibt es telefonisch unter (02307) 94 42 55 oder per Mail an info@kreisverkehrswacht-unna.de

Ein Fahrsicherheitstraining nur für Senioren - im Kreis Unna ist das eine Premiere. „Das hier ist ein Pilotprojekt. Wir wollen Abhilfe schaffen, dass Senioren nicht mehr nur negativ als Autofahrer dargestellt werden, sondern dass sie selbstbewusst und sicher Auto fahren“, erklärt Manfred Grod, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht die Idee hinter dem Projekt.

Die trifft ganz offensichtlich einen Nerv: Zum ersten Training haben sich zehn Teilnehmer angemeldet, für weitere Termine gibt es bereits Wartelisten. „Es hat sich so viel im Straßenverkehr verändert, seit ich den Führerschein gemacht habe. Da möchte ich sicher sein, wenn ich fahre“, beschreibt eine Teilnehmerin Anfang 70 ihre Motivation. Natürlich sind es überwiegend Frauen, die das Training besuchen.

Von wegen Risikogruppe: Fahrsicherheitstraining macht Senioren in Unna fit fürs Autofahren

Bevor es losgeht, gibt Manfred Grod von der Kreisverkehrswacht Tipps zum richtigen Sitzen im Auto. © Anna Gemünd

„Männer glauben, sie können Auto fahren. Die kommen eher selten zu einem solchen Training.“
Manfred Grod, Gechäftsführer Kreisverkehrswacht

„Männer glauben, sie können Auto fahren. Die kommen eher selten zu einem solchen Training“, schmunzelt Manfred Grod. Und auch die Biologie spielt eine Rolle bei dem Frauenüberschuss: „Die Männer sind in aller Regel diejenigen, die als Erstes gehen. Und da sie meistens diejenigen waren, die immer alle Fahrten gemacht haben, müssen plötzlich Frauen wieder Auto fahren, die das 30 oder 40 Jahre nicht mehr gemacht haben“, weiß Fahrlehrer Markus Hainer.

Ein Verkehrsring, der Samstagmittag komplett leer war, weil um 13 Uhr die Geschäfte schlossen - wer damals Autofahrer war und heute immer noch fährt, ist purem Stress ausgesetzt. Das bestätigen auch die Teilnehmer des Trainings. „Es wird immer öfter gehupt und überholt. Und das Blinken scheint völlig aus der Mode gekommen zu sein“, beklagt sich eine Teilnehmerin.

Vier Stunden Zeit haben sie und die anderen Teilnehmer während des Trainingstages nicht nur um all ihre Fragen zu neuer Technik, geänderten Straßenverkehrsvorschriften und dem richtigen Verhalten im Falle eines Unfalls zu stellen: Für die Senioren geht es auch raus aufs Gelände. Das ist in diesem Fall der Übungsplatz am Fahrsicherheitszentrum „Move“. Richtiges Bremsen, richtiges Lenken und ein Test auf der sogenannten „Gleitfläche“ stehen für die Teilnehmer auf dem Programm.

Von wegen Risikogruppe: Fahrsicherheitstraining macht Senioren in Unna fit fürs Autofahren

Fahrlehrer Markus Hainer gibt den Senioren per Funkgerät Anweisungen, wie sie sich auf dem Übungsplatz zu verhalten haben. © Anna Gemünd

Alles Übungen, die auch in Fahrsichertrainings mit jüngeren Fahrern durchgeführt werden - mit einem Unterschied. „Die jungen Fahrer glauben, sie können eh schon alles und gehen dementsprechend cool in die Übungen. Bei den älteren Fahrern ist viel mehr Besonnenheit und auch Respekt dabei. Denn sie haben einfach schon viel öfter Erfahrungen gemacht, wie es sich beispielsweise in einem Auto auf glatter Fahrbahn anfühlt, wenn es ins Rutschen kommt“, sagt Grod.

Das spiegelt sich auch in der Verkehrsunfallstatistik des Kreises Unna für das Jahr 2018 wider. Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Senioren (65+ Jahre) ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 15 Prozent gesunken. Dies stellte den zweitniedrigsten Wert innerhalb von fünf Jahren dar.

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