Wer in Unna das Bürgermeisteramt anstrebt, kommt am Wahlkampfthema Verkehr nicht vorbei. Westtangente? Eine Fahrradspur auf dem Ring? Die Meinungen der Kandidaten sind teils ähnlich, teils gegensätzlich.

Unna

, 08.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Unna hat diverse Verkehrsprobleme, allen voran sicher Lärm und Stau. Was Lösungen angeht, gibt es sehr ähnliche, aber auch unterschiedliche Meinungen und Ideen. Mobilität dürfte ein zentrales Wahlkampfthema für die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten werden. So wollen sie das Rad in Unna neu erfinden.

Dirk Wigant (l.) wird sehr wahrscheinlich der CDU-Bürgermeisterkandidat für Unna, offiziell nominiert ist er allerdings noch nicht. Bei den anderen Bewerbern steht es bereits fest: Frank Ellerkmann (FDP), Katja Schuon (l. SPD) und Claudia Keuchel (Bündnis 90/Die Grünen).

Dirk Wigant (l.) wird sehr wahrscheinlich der CDU-Bürgermeisterkandidat für Unna, offiziell nominiert ist er allerdings noch nicht. Bei den anderen Bewerbern steht es bereits fest: Frank Ellerkmann (FDP), Katja Schuon (l. SPD) und Claudia Keuchel (Bündnis 90/Die Grünen). © Montage: Marcel Drawe

Umgehungsstraßen: Fast alle halten daran fest

Wie können Innenstadtstraßen und damit die Menschen von der Verkehrslast befreit werden? Eine schon ältere Antwort soll das Umgehungsstraßenprojekt „OW IIIa“ sein. Von Dortmund kommend, soll der Verkehr nördlich an Massen vorbeigeführt werden. Parallel zur A1 soll die Straße nach Norden zum Kamen-Karee führen: die Westtangente als Verlängerung des bereits ausgebauten Schwarzen Wegs. Das Konzept liegt seit Jahrzehnten in der Schublade. Die Landesregierung hatte zuletzt angekündigt, die Planungen wieder aufzunehmen, wenn die Personalkapazitäten ausreichen.

Die Kreuzung an der Hochstraße soll einmal Teil der Umgehungsstraße Westtangente werden. Drei von vier Bürgermeisterkandidaten sind für dieses Straßenbauprojekt.

Die Kreuzung an der Hochstraße soll einmal Teil der Umgehungsstraße Westtangente werden. Drei von vier Bürgermeisterkandidaten sind für dieses Straßenbauprojekt. © UDO HENNES

Soll die Stadt Unna wie bisher hinter dieser Planung stehen? Ja, meint SPD-Bürgermeisterkandidatin Katja Schuon. Sie sieht die Umgehungsstraßen als wichtigen Beitrag zur Innenstadt-Entlastung und will sich dafür stark machen, dass die Planung vorangetrieben wird. Ihr FDP-Kontrahent Frank Ellerkmann sieht es genauso. Er sei für jede Umgehungsstraße, die den Verkehr entzerrt und dazu beiträgt, Durchgangsverkehr aus bewohnten Gebieten herauszuhalten. Die CDU, die ihren Bürgermeisterkandidaten noch offiziell bestimmen muss, hat dieselbe Haltung zur Umgehungsstraße und betonte kürzlich noch, die Planung müsse vorangetrieben werden.

Wenig überraschend gibt es auch die Gegenposition, in Grün: Es sei nicht richtig, eine solche Umgehungsstraße zu bauen, sagt Claudia Keuchel. Damit würden Acker- und Naturschutzflächen durchschnitten. Und eine Problemlösung sieht Keuchel in der Schaffung neuer Verkehrsflächen auch nicht, eher das Gegenteil: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“

Radverkehr fördern, aber wie?

Mehr umweltfreundlichen Verkehr auf zwei Rädern: In diesem Wunsch sind sich alle bisher positionierten Kandidaten einig. Um das Fahrrad als Verkehrsmittel noch populärer zu machen, schlägt SPD-Kandidatin Schuon unter anderem den Ausbau des Radwegenetzes vor, ein Pflege- und Instandsetzungsteam für Radwege, für mehr Sicherheit auch eine deutliche Trennung von Geh- und Radwegen sowie Kontrollen und strengeres Vorgehen des Ordnungsamts gegen Parken auf diesen Wegen. Und auf dem Verkehrsring könnte eine Spur für Radfahrer eingerichtet werden, so Schuon.

Dies sei schon lange eine Forderung der Grünen, meint Claudia Keuchel. Zu diskutieren wäre, ob eine Fahrrad- oder eher eine Elektroauto- oder Busspur eingerichtet werden sollte.

Schutzstreifen wie dieser gelten inzwischen nicht mehr als ideal für sicheres Fahrradfahren. Eine bauliche Trennung von Auto- und Fahrradfahrbahn schlagen Unnas Bürgermeisterkandidatinnen vor.

Schutzstreifen wie dieser gelten inzwischen nicht mehr als ideal für sicheres Fahrradfahren. Eine bauliche Trennung von Auto- und Fahrradfahrbahn schlagen Unnas Bürgermeisterkandidatinnen vor. © Udo Hennes

FDP-Kandidat Ellerkmann zweifelt, ob eine Fahrradspur am Ring sinnvoll wäre. Die Straße um die Innenstadt werde wohl kaum von Fahrradfahrern genutzt. Viel wichtiger sei es, Radfahrern gut nutzbare Wege durch die Innenstadt hindurch zu ermöglichen. Die Stärkung des ÖPNV, auch durch noch klügere Digitalisierung oder eine einfache Transportmöglichkeit für Fahrräder mit Bussen, könnte den Autoverkehr in der Stadt reduzieren. Dann, so Ellerkmann, könnte frei werdender Raum am jetzigen Ring vielleicht sogar ganz anders genutzt werden: zum Parken am Rand der Innenstadt.

Die Stadt autoarm oder ganz neu denken

„Die Zeiten, in denen man vor allem autogerecht plante, sind vorbei“, ist in Katja Schuons Positionspapier zu lesen. Unna brauche unter anderem autoreduzierte Wohngebiete mit kurzen Fußwegen, Nahversorgung und Anschluss an den ÖPNV. Nicht autofrei, denn das sei unrealisitisch, aber autoarm müsse die Innenstadt werden, auch um Aufenthaltsqualität zu gewinnen. Den Umbau des „Platzes am Morgentor“ sieht sie als bestes Beispiel für ein Konzept, nach dem Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt unterwegs sind.

Keine Autoverbote, sondern ein Nebeneinander aller Verkehrsarten, das sei auch eine liberale Position, die er vertreten werde, sagt Frank Ellerkmann. Er würde es allerdings eher befürworten, wenn die unterschiedlichen Verkehre voneinander getrennt werden, also eher nicht wie demnächst am Morgentor. Ellerkmanns Vision ist die einer Entflechtung in größerem Umfang. Denkbar sei die Schaffung von Parallelstraßen: eine für Autos, eine für Radfahrer. „Wir müssen da neu denken“, sagt Ellerkmann.

Mehr Radverkehr, Stärkung des ÖPNV, autoarme Innenstadt: Die Grünen-Kandidatin Keuchel meint: „Wenn die SPD bereit ist, urgrüne Verkehrsthemen zu unterstützen, liefern wir gern immer wieder Vorlagen.“ Das Radverkehrs-Zielnetz für Unna etwa warte schon lange auf seine Umsetzung. „Ich bin für Machen.“ Das Projekt Mühle Bremme mit dem dazugehörigen Verkehrskonzept ist für Keuchel allerdings ein Beispiel für Planung vor allem für den Autoverkehr. „Wir brauchen in Unna eine echte Verkehrswende, die ihren Namen auch verdient.“

Dirk Wigant: Verkehrskonzept statt Stückwerk

Bei der CDU ist es sehr wahrscheinlich, dass Dirk Wigant als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen wird. Offiziell muss der bisherige Beigeordnete noch vom Stadtverband gewählt werden. Er wolle sich daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht detailliert zu einzelnen Punkten äußern, erklärte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine grundsätzliche Haltung zum Thema Verkehr in Unna aber vertritt Wigant durchaus. Anstelle von „Stückwerk“ mit verschiedenen Maßnahmen müsse es in Unna wie in anderen Städten endlich ein Mobilitätskonzept geben. Daran müssten die Bürger beteiligt werden, so Wigant.

Zur Sache

Arbeit an Konzepten

Der Kommunalwahlkampf steht teils noch am Anfang, auch inhaltlich. An Wahlprogrammen wird noch gearbeitet, das gilt auch für die SPD. Sie beginnt ihre Positionierung, indem sie die Bürger befragt. Hintergrund: Den potenziellen Wählern sollen keine fertigen Konzepte vorgesetzt werden, sie sollen daran mitwirken. Eine erste Diskussionsveranstaltung der SPD dazu hatte Mobilität als Schwerpunktthema. Bei weiteren Terminen wollen die Genossen mit den Menschen über Sauberkeit und Sicherheit in der Stadt sprechen, über Bauen und Wohnen sowie über Bildung und Inklusion.
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