Fahndung über Schulen: Unnaer soll Nichte missbraucht und Bilder ins Netz gestellt haben

dzErmittlungserfolg

Ein 45-jähriger Mann aus Unna sitzt in Untersuchungshaft. Er soll seine damals sechs bis sieben Jahre alte Nichte sexuell missbraucht und Aufnahmen davon über das Internet verbreitet haben.

Unna

, 12.09.2019, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tat ist grausam, der Festnahme gingen intensive Ermittlungen voraus. Ein 45-jähriger Mann aus Unna ist am Dienstag, 10. September, festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Der Unnaer sei des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Herstellung von kinderpornografischen Schriften dringend verdächtig, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Donnerstag mit.

Vorwurf: Eigene Nichte missbraucht

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), eine Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft, das Bundeskriminalamt (BKA) und die Kreispolizeibehörde Unna hatten gemeinsam ermittelt – und dabei auch die sogenannte „Schulfahndung“ angewendet.

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Der 45-jährige deutsche Staatsangehörige aus Unna steht im Verdacht, in den Jahren 2016 bis 2018 seine in diesem Zeitraum sechs- bis siebenjährige Nichte mehrfach, darunter auch schwer sexuell missbraucht und Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs über das Internet Dritten zugänglich gemacht zu haben.

Die Aufnahme der Ermittlungen sei aufgrund eines Hinweises auf neues, mutmaßlich in Deutschland hergestelltes kinderpornografisches Material im Darknet erfolgt, teilt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Nachdem die vorgeschalteten polizeilichen Ermittlungen sowie Auswertungen des Hinweismaterials ergebnislos verlaufen waren, leitete die Behörde am 10. September eine bundesweite, zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsfahndung an Schulen ein. Im Zuge dieser sogenannten „Schulfahndung“, die vom BKA koordiniert wird, wurden Lehrkräften an Grundschulen nichtpornografische Bilder des Opfers gezeigt.

Lehrer erkennen das Opfer

Die Hinweise zweier Lehrkräfte führten noch am selben Tag zur eindeutigen Identifizierung des Opferkindes und anschließend des Beschuldigten. Ebenfalls am Dienstag wurde die Wohnung des 45-Jährigen durchsucht. Dabei stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger, sicher. Der Beschuldigte wurde dann am Mittwoch der Haftrichterin am Amtsgericht Unna vorgeführt, die gegen ihn die Untersuchungshaft angeordnet hat.

Fahndung über Schulen: Unnaer soll Nichte missbraucht und Bilder ins Netz gestellt haben

Die sogenannte „Schulfahndung“ setzt darauf, dass Lehrerinnen und Lehrer „ihre“ Schulkinder als mögliche Opfer wiedererkennen. © picture alliance / dpa

Behörden setzen auf „Schulfahndung“

Der aktuelle Ermittlungserfolg verdeutlicht aus Sicht der beteiligten Behörden erneut, wie wichtig das Instrument der zielgruppenorientierten Öffentlichkeitsfahndung in Form der „Schulfahndung“ bei der Identifizierung von Opfern sexuellen Missbrauchs und der Ermittlung von Tatverdächtigen ist.

Schulfahndung

Kurze Wege in NRW

  • Die „Schulfahndung“ wird seit 2013 praktiziert. Sie wird nur unter sehr strenger Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit und der Wahrung der Persönlichkeitsrechte angewendet.
  • Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) stellt nur nichtpornografische Bilder zur Verfügung und setzt darauf, dass Lehrerinnen und Lehrer die Opfer wiedererkennen.
  • Das Vorgehen in den einzelnen Bundesländern ist unterschiedlich. Während in anderen Bundesländern Polizeibeamte zu Schulen gehen und die Bilder etwa in Lehrerkonferenzen zeigen, werden die Bilder den Schulen in NRW über einen Server des Landesministeriums für Schule und Bildung zur Verfügung gestellt.
  • Nach einem entsprechenden Hinweis können sich Lehrkräfte die Bilder anschauen und darauf reagieren.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt bedanken sich bei allen im Rahmen der Schulfahndung beteiligten Lehrerinnen und Lehrern für die geleistete Unterstützung.

Der 45-Jährige wird sich, sollte sich der Verdacht erhärten, vor dem Landgericht Dortmund verantworten müssen, erklärte ZIT-Pressesprecher Christian Konrad Hartwig. Noch aber stehe man am Anfang der Ermittlungen.

Kein Zusammenhang zu Strafprozess

Der Fall steht in keinem Zusammenhang mit einem Strafprozess, der in der nächsten Woche am selben Gericht beginnt. Dabei wird einem 72-Jährigen aus Unna vorgeworfen, über Jahre hinweg seine Enkelin missbraucht zu haben. Eine Verbreitung von kinderpornografischem Material steht in diesem Fall allerdings nicht im Raum.

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