Fachwerkhaus am Kirchplatz fault nicht nur unter dem Dach

dzDenkmalpflege

Der Zustand des alten Fachwerkhauses zwischen Altem Markt, Kirchplatz und Krummfuß ist womöglich schlechter als bislang angenommen. Auch die außen liegenden Holzbalken sind angegriffen.

Unna

, 19.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der starke Kontrast zwischen schwarz gestrichenen Fachwerkbalken und den weißen Gefachen dazwischen ist typisch für die ältesten Teile der Stadt. Die klassische Fachwerkoptik findet sich etwa im Nicolaiviertel, aber auch an einem Gebäude am Kirchplatz, das Denkmalfreunden zunehmend Sorge bereitet.

Denn was im Kontrast zum Schwarz der Fachwerkbalken hervorsticht, ist inzwischen nicht nur das Weiß der Ausfachung. Am Fußende eines der vertikalen Balken leuchtet blankes, ungestrichenes Holz hervor, weil sich der Pfosten in Luft auflöst.

An dieser Ecke der Fachwerkkonstruktion fehlt schon einiges an Material. Das Holz des Ständers ist morsch.

An dieser Ecke der Fachwerkkonstruktion fehlt schon einiges an Material. Das Holz des Ständers ist morsch.

Eigentümer: Es bröselt überall

Hauseigentümer Jörn Gurlitt kennt den Schaden bereits und erklärt zudem, dass er umfassender ist als auf den ersten Blick ersichtlich. „Wer genauer hinschaut, sieht: Es zerbröselt überall.“

Was nun zu tun ist, ist allerdings eine Frage, auf die Gurlitt keine einfache Antwort weiß. Das Gebäude ist ein Zankapfel, hat zuletzt schon das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen beschäftigt. In dem Streit zwischen Gurlitt und der Stadt Unna gibt es hauptsächlich um die morsche Dachkonstruktion, die nun auf Weisung der Stadt notdürftig abgestützt wurde. Dass auch der Rest der Holzkonstruktion leidet, war dabei noch nicht einmal ein Thema.

„Der Stadt sind alle Fakten bekannt“

Gurlitt betont, seine Erkenntnisse zum Zustand des Gebäudes stets mit dem Rathaus geteilt zu haben. „Der Stadt Unna sind alle Fakten bekannt. Welche Schlüsse sie daraus zieht, weiß ich allerdings nicht.“ Bevor er irgendetwas unternimmt, möchte er erst klare Aussagen haben.

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Dass das Haus von heute auf morgen einstürzen könnte, ist nach seiner Einschätzung nicht zu befürchten. „So schnell zerfällt ein Eichenbalken nicht. Das Haus ist zudem im Innern mehrfach umgebaut worden, auch mit Betondecken und Eisenträgern. Wie die Lasten abgeleitet werden, müsste ein Gutachter untersuchen.“

Ein Anschauungsstück der Baugeschichte

Das Gebäude mit der Adresse Markt 2/3 zählt zu den ältesten Fachwerkgebäuden in der Innenstadt. Nach Einschätzung des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen ist es von besonderer bauhistorischer Bedeutung. Strengere Vorschriften zum Brandschutz, wie sie in Unna als Reaktion auf den verheerenden Stadtbrand 1723 erlassen wurden, ließen sich anhand der Bauweise gut veranschaulichen.

Im Streit zwischen Eigentümer Gurlitt und der Stadt ging es um den Umgang mit dem Dach, dessen Konstruktion stark beschädigt ist. Gurlitt hatte einen in der Form veränderten Neubau vorgeschlagen, während die Stadt eine Sanierung verlangt.

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