Fachkräftemangel beim DRK: Stadt muss mehr Personal für Rettungswagen einstellen

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Neue Gesetze erzeugen Druck auf das System der haupt- und ehrenamtlichen Rettungskräfte. In Unna führen sie dazu, dass der Rettungsdienst für die Krankenkassen teurer wird.

Unna

, 21.11.2018, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Unna arbeitet beim Rettungsdienst mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) zusammen. Rettungswagen (RTW) sind entweder besetzt mit städtischem oder DRK-Personal. Zum 1. Januar muss das DRK einen Rettungswagen an die Stadt übergeben. Der Hilfsdienst braucht personelle Entlastung.

Übersicht: Rettungsmittel

Stadt Unna zuständig für insgesamt neun Fahrzeuge

An der Feuer- und Rettungswache an der Florianstraße stationiert sind drei Rettungswagen und ein Krankentransportwagen, an den Unnaer Krankenhäusern insgesamt zwei Notarzteinsatzfahrzeuge. Ein weiterer Rettungswagen steht an der neuen Rettungswache Nord (Alte Heide/Hammer Straße). Hinzu kommen je ein Rettungswagen in Fröndenberg und Holzwickede. Ab dem 1. Januar 2019 besetzt das DRK noch drei dieser Fahrzeuge, die Stadt mit Angestellten bzw. Beamten sechs.

Das Rote Kreuz kann ab dem Jahreswechsel einen von vier RTW nicht mehr besetzen. Das hat verschiedene Gründe. Juristisch umstritten ist, ob Städte wie Unna die Dienstleistung Rettungsdienst freihändig an gemeinnützige Hilfsorganisationen wie das DRK vergeben dürfen. In anderen Kommunen gab es schon Klagen privater Krankentransportdienste, die sich auf das EU-Vergaberecht berufen. Die Städte berufen sich auf die sogenannte Bereichsausnahme, wonach auf eine europaweite Ausschreibung verzichtet werden könne, wenn es um Katastrophen- und Zivilschutz sowie Gefahrenabwehr geht. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs dazu steht noch aus. So lange herrscht eine gewisse Unsicherheit. In Unna gibt es deswegen inzwischen nur noch vierteljährliche Verträge mit dem DRK als Rettungsdienstpartner, wie Olaf Weischenberg, Leiter des Bereichs Feuerschutz und Rettungswesen, erläutert.

Fachkräftemangel im Rettungsdienst

Gleichzeitig haben Hilfsorganisationen wie das DRK mit einer weiteren neuen Gesetzgebung zu tun: In einem Rettungswagen mussten bisher ein Rettungsassistent und ein Rettungssanitäter mitfahren. Der Rettungsassistent erwarb seine Qualifikation durch eine berufsbegleitende Weiterbildung. Die gibt es aber nicht mehr. Der Gesetzgeber habe den Rettungsassistenten durch den Notfallsanitäter ersetzt, der wiederum eine dreijährige Ausbildung absolvieren muss. Von diesen Fachkräften seien faktisch zu wenige vorhanden, wie Michael Strecker vom DRK-Ortsverein Unna erklärt.

Einsatzkräfte begehrt

Hinzu kommt: Im Rahmen des aktuellen Rettungsdienstbedarfsplans wurde in Unna-Nord eine zusätzliche Rettungswache geschaffen. Auch dafür ist Personal nötig. Auf dem Markt der Rettungsdienstfachkräfte herrscht also ein hoher Druck. Strecker berichtet von Abwerbungen, gar von „Kannibalismus“ in anderen Städten, da sich Arbeitgeber das Personal streitig machten. Das soll in Unna nicht passieren, und das DRK wolle diesen Druck nicht an seine Mitarbeiter weitergeben. Gleichzeitig kann das DRK Angestellten nur noch wenig Arbeitsplatzsicherheit bieten, da die Stadt aufgrund der EU-Problematik nur noch Drei-Monats-Verträge abschließen kann.

Rettungsdienst wird für Krankenkassen teurer

Insgesamt herrscht also beim DRK Personalmangel, die Stadt muss deswegen zehn neue Stellen im Rettungsdienst schaffen, damit alle Fahrzeuge besetzt werden können. Stadt und DRK berichten von guter Zusammenarbeit und einer einvernehmlichen Absprache. „Wir geben den Rettungswagen in gute Hände“, sagt Strecker. Diese Hände sind aber auch etwas teurer. Die Stadt bezahlt ihre Mitarbeiter nach öffentlichem Tarif, den ein „kleiner DRK-Ortsverein“ (Strecker) nicht bieten könne. Die Gesamtkosten für den Rettungsdienst für Unna, Fröndenberg und Holzwickede steigen von 6,28 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 7,38 Millionen Euro im kommenden Jahr. Die Besetzung mit Stadtpersonal ist ein Grund für diese Steigerung, die letztlich die Krankenversicherung bezahlen müssen.

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