Ex-Frau sagt im Missbrauchs-Prozess aus: „Auf dem Handy unseres Sohnes waren Pornobilder“

dzLandgericht Dortmund

Der Angeklagte aus Unna bezeichnet sich vor Gericht selbst als pädophil. Seine Ex-Frau sagt, ihr sei nie etwas aufgefallen. Doch dann habe ihr Sohn Pornobilder auf dem Handy gehabt.

Unna

, 24.03.2020, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schuldfrage ist bereits seit dem ersten Verhandlungstag geklärt. In seltener Eindringlichkeit hatte sich der 46-jährige Angeklagte aus Unna vor der 31. Strafkammer des Dortmunder Landgericht selbst als „pädophil“ bezeichnet. Der Mann gab zu, seine Nichte oftmals im Schlaf missbraucht und dabei gefilmt zu haben. „Ich erkläre mich in allen Anklagepunkten für schuldig. Es waren widerliche, furchtbare Taten“, waren die Worte des 46-Jährigen.

Geständnis gleich zu Prozessbeginn

Ziemlich sicher wird dieses Eingeständnis dafür sorgen, dass die Verhandlung deutlich schneller zu Ende gebracht werden kann als ursprünglich gedacht. Vor allem muss das betroffene Mädchen wohl nicht mehr im Gericht erscheinen und aussagen. Dennoch kommen die Richter nicht daran vorbei, wenigstens einige Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten zu vernehmen.

Am Montag sagte die Ex-Frau des 46-Jährigen aus. Etwas mehr als zwei Jahre lang war sie mit dem Mann verheiratet gewesen. Ihr Fazit fiel ernüchternd aus. „Er hat immer wieder den Job hingeschmissen“, beklagte sich die Zeugin. Das habe zwischendurch zu finanziellen Schwierigkeiten geführt, unter denen die Ehe selbstverständlich gelitten habe. Außerdem habe der Mann einfach viel zu viel Alkohol getrunken. Der 46-Jährige selbst hatte in seinem Geständnis von mindestens zehn Flaschen Bier pro Tag gesprochen.

„Er hatte immer Kinder um sich“

Anzeichen, die darauf hindeuteten, dass ihr Mann pädophil sein könnte, habe sie nie bemerkt, so die Zeugin weiter. Natürlich sei es auffällig gewesen, dass der Angeklagte auch nach der Trennung regelmäßig viele Kinder um sich gehabt habe. „Er war bei ihnen beliebt, denn sie durften ja auch alles bei ihm machen“, sagte die Zeugin den Richtern. Dass das Interesse des 46-Jährigen jedoch sexueller Art sein könnte, hätte sie sich nie vorstellen können.

Sohn hat kein eigenes Handy mehr

Irgendwann habe sie dann jedoch eine überaus merkwürdige Entdeckung gemacht. Auf dem Handy ihres gerade einmal acht Jahre alten Sohnes fanden sich mehrere Fotos - darunter auch Pornobilder von Frauen. „Es waren Fotos von Erwachsenen“, stellte die Zeugin klar. Dennoch habe sie in der Folgezeit sofort dafür gesorgt, dass ihr Kind kein eigenes Telefon in die Hand bekam. „Ich war sowieso dagegen gewesen, dass das Kind ein Handy bekommt“, so die Zeugin. „Jetzt hat er keins mehr und kommt trotzdem gut zurecht.“

Der Prozess gegen den 46-Jährigen wird fortgesetzt.

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