Mit vielen Bildern: Unnas Stadtkirche öffnet Zeitkapsel nach 62 Jahren in der Turmspitze

dzEvangelische Stadtkirche

Im Zuge der Sanierungsarbeiten an Unnas Stadtkirche ist nun die Zeitkapsel geöffnet worden. 62 Jahre hatte sie zuvor in einer Kugel an der Turmspitze gelagert. Der Inhalt wurde gespannt erwartet.

Unna

, 09.07.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

62 Jahre ist es nun her, dass die Zeitkapsel der Evangelischen Stadtkirche geöffnet wurde - zuletzt im Jahr 1958, als Arbeiter das Kirchdach neu mit Kupferplatten eingedeckt hatten. Am Donnerstag war es nun wieder soweit: Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Turmhelm wurde die Kapsel wieder hervorgeholt - und unter den neugierigen Blicken der anwesenden Kirchenkreismitarbeiter geöffnet.

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11 Uhr war es, als Martin Meyer von der Dachdeckerfirma Prange das gut gehütete Kupferrohr aufflexte. Rund 62 Jahre hatte es in einer Kugel unter dem Kreuz an der Turmspitze gelagert. Die Verantwortlichen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Unna waren demnach mehr als gespannt auf den Inhalt der Röhre: „Aus unserer Generation weiß kaum jemand, was tatsächlich drin ist; wir haben nur Überlieferungen von Zeitzeugen aus der Gemeinde“, sagte etwa Gerti Volkery, Architektin des Kirchenkreises Unna.

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Zeitkapsel Stadtkirche

Im Zuge der Sanierungsarbeiten an Unnas Stadtkirche ist am 9. Juli 2020 die Zeitkapsel geöffnet worden. 62 Jahre hatte sie zuvor in einer Kugel an der Turmspitze gelagert. Der Inhalt wurde gespannt erwartet.
09.07.2020
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Pfarrerin Barbara Dietrich mit der Zeitkapsel.© Udo Hennes
Dachdecker Martin Meyer flext die Kapsel auf. © Udo Hennes
Pfarrerin Barbara Dietrich und Martin Meyer sichten die ersten Dokumente.© Udo Hennes
Zeitkapsel Stadtkirche Pfarrerin Barbara Dietrich Bauklempner Martin Meyer© Udo Hennes
Frühere Exemplare des Hellweger Anzeigers. © Udo Hennes
Frühere Exemplare des Hellweger Anzeigers. © Udo Hennes
Das älteste Dokument: Der Hellweger Bote von 1848.© Udo Hennes
Historie von Unnas Kirchen© Udo Hennes
Pfarrerin Barbara Dietrich liest die Kölnische Volkszeitung - auch damals wurde etwas Interessantes ausgeschnitten.© Udo Hennes
Unterschriften der damaligen Verantwortlichen© Udo Hennes
Zeitkapsel Stadtkirche© Udo Hennes
Weitere Fundstücke© Udo Hennes
Weitere Fundstücke© Udo Hennes
Die Verantwortlichen aus dem Kirchenkreis Unna schauen sich die Dokumente an.© Udo Hennes

Dokumente, Fotos und Zeitungsartikel

Pfarrerin Barbara Dietrich äußerte hingegen ganz bestimmte Inhaltswünsche: „Vielleicht ist dort ja Goldschatz oder eine Millionen versteckt“, sagte sie schmunzelnd, und verwies so auf das ausstehende Geld, das zur vollständigen Sanierung der Kirche benötigt wird. Tatsächlich aber kamen nach kurzer Zeit etliche Zeitungsdokumente, Fotos sowie eine Urkunde über die bisherige Geschichte des beliebten Unnaer Wahrzeichens zum Vorschein.

Mit Spannung erwartet: Der Moment, in dem die Zeitkapsel aufgeflext wird.

Mit Spannung erwartet: Der Moment, in dem die Zeitkapsel aufgeflext wird. © Udo Hennes

So etwa einige der ältesten Zeugnisse der Kapsel von 1862 - in in diesem Jahr wurde der nach schwerem Brand wieder errichtete Turm „mit Kuppel, Kreuz und Hahn bekrönt“, wie ein handschriftliches Dokument sowie eine Ausgabe des damaligen Hellweger Boten berichteten.

Bauleiter des Kölner Doms entwarf Turmgalerie der Stadtkirche

Für kurze Verwunderung der Anwesenden sorgte hingegen ein Exemplar der Kölnischen Volkszeitung unter sonst ausschließlich lokalen Dokumenten - konnte man doch nicht direkt zuordnen, warum Ereignisse aus dem Rheinland damals eine zentrale Bedeutung für Unna hatten. Architektin Gerti Volkery lieferte schnell die Auflösung: Friedrich Zwirner, Kölner Architekt und Dombaumeister, der unter anderem die Bauarbeiten am Kölner Dom leitete, hatte ebenfalls für Unna die typisch gotische Turmgalerie an der Stadtkirche entworfen. Diese Besonderheit sei einer der maßgeblichen Gründe, warum man sich auch bei der aktuellen Sanierung dazu entschlossen habe, die ursprüngliche Brüstung beizubehalten.

Ältestes Dokument in der Zeitkapsel: Der Hellweger Bote aus dem Jahr 1848.

Ältestes Dokument in der Zeitkapsel: Der Hellweger Bote aus dem Jahr 1848. © Udo Hennes

Von der letzten Öffnung der Kapsel im Jahr 1958 sind weitere Dokumente enthalten: Fotos, Ausgaben des Hellweger Anzeigers - für damals noch 30 Pfennig - und eine ausführliche Urkunde liefern Zeugnis über das, was Unna in den rund 100 Jahren nach Verstecken der Kapsel im Jahr 1862 bewegt hatte: Zwei Weltkriege, die Teilung Deutschlands in Ost und West, sowie die Gründung der selbstständigen Kirchengemeinde im Gemeindebezirk Massen.

Bald ein USB-Stick in der Zeitkapsel?

All diese Materialien sollen nun gesichert, ausgewertet und digitalisiert werden, bis die Einbettung aktueller Dokumente in die Zeitkapsel erfolgt, möglicherweise auch in digitaler Form. Bei dieser Überlegung kamen am Donnerstag jedoch schon die ersten Fragen auf: Wie verhält es sich mit der Haltbarkeit elektronischer Datenspeicher bei Temperaturschwankungen von -20 Grad bis 60 Grad? Ist ein USB-Stick in 100 Jahren überhaupt noch lesbar? Vorher werde die Zeitkapsel wahrscheinlich nicht geöffnet, sind sich alle Beteiligten sicher: So lange sollen die Sanierungsarbeiten an der Evangelischen Stadtkirche mindestens halten.

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Unnas Stadtkirche öffnet Zeitkapsel nach 62 Jahren

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