Essen verbindet Kulturen – Initiative Weltoffen hat neuen Treffpunkt in Unna

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Die Initiative Weltoffen hat jetzt eine Heimat: Mitten in der Innenstadt gibt es ab sofort einen Anlaufpunkt für geflüchtete wie einheimische Menschen. Doch zuvor wanderte ein NPD-Aufkleber in den Müll.

Unna

, 09.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was für ein Trubel in dem kleinen Ladenlokal an der Gerhart-Hauptmann-Straße: Die Initiative Weltoffen lud am Samstagmittag zu einer Neueröffnung ein, die Ehrenamtliche und Flüchtlinge gemeinsam auf die Beine gestellt hatten.

Es mag banal klingen, doch eine alte Weisheit machte am Samstag häufiger die Runde: Essen verbindet Kulturen. Die köstlichsten Speisen hatten Menschen aus Afghanistan und Syrien, aus Eritrea oder der Türkei zubereitet – Gäste aus vieler Herren Länder schmeckten sich quer durch sämtliche Spezialitäten.

»Das wird ein zweites Zuhause für viele werden.«
Elias Nassour

Und das Sprichwort stimmt: Die afghanischen Kartoffelfladen regten zum Gespräch über Omas ganz ähnlich schmeckenden Reibeplätzchen an und Spekulationen, ob es nun Spinat oder etwas anderes in dem Blätterteig sei, erfüllten die winzige und proppevolle Küche.

Über das Kommen und Gehen am Tag der inoffiziellen Einweihung des neuen Treffpunkts, dem ersten festen Domizil der Initiative, durften sich die Mithelfer Maria Bastian ebenso wie Elias Nassou mächtig freuen.

Denn damit war eine Phase, in der es wochenlang ums Organisieren und Anpacken ging, endlich abgeschlossen. Aus einer „dunklen Räuberhöhle“, wie es jemand beschrieb, ist ein freundlicher Laden geworden.

Ein Büro für Beratung und ein heller Raum zur Begegnung

Dort wird künftig ein Büro, das bei behördlichen Dingen hilft, ebenso seinen Platz finden wie ein heller Raum dazu einladen, bei einer Tasse Kaffee oder Tee ins Gespräch zu kommen.

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Treffpunkt für geflüchtete und einheimische Menschen

  • Der Treffpunkt der „Initiatve Weltoffen – Integration fördern“ ist an der Gerhart-Hauptmann-Straße 14 zu finden.
  • Angebote sind zum Beispiel ehrenamtliche Beratung, niederschwellige Sprachförderung, Hausaufgabenbetreuung.
  • Es gibt Internet- und Computerzugang, eine Spielecke für Kinder, ein Schwarzes Brett und ein Geben-und-Nehmen-Regal.
  • Eine offizielle Eröffnung folgt noch am Donnerstag, 20. Februar.
  • Das Ladenlokal ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet; zusätzlich gibt es Bürozeiten montags, mittwochs und freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr.
  • Kontakt ist möglich unter Tel. (0 23 03) 9 29 02 97 oder E-Mail an mail@weltoffen-unna.de.

„Auch Einheimische“, betont Maria Bastian. Denn gelingende Integration setze ja das Kennenlernen fremder Kulturen voraus. So sieht es auch Elias Nassou. Der Libanese lebt seit August 2017 in Unna, ist aus seinem politisch instabilen Heimatland geflohen.

Auf den Treffpunkt der Initiative Weltoffen setzt er große Stücke. „Das wird ein zweites Zuhause für viele werden“, hofft der junge Mann. Bisher hatten die Ehrenamtlichen die Flüchtlinge in ihren Wohnungen aufgesucht – ein Riesenaufwand und ein Hindernis, auch untereinander in Kontakt zu kommen.

Renovierung des Ladenlokals mit öffentlichen Mitteln ermöglicht

An der Gerhart-Hauptmann-Straße wird das künftig ermöglicht. Da werden Libanesen auf Syrer, Iraner auf Iraker treffen. „Die Konflikte lassen wir draußen“, sagt Elias Nassou schmunzelnd, der an diesem Mittag viel gefragt ist.

Die Renovierung ist übrigens mit öffentlichen Mitteln ermöglicht worden. Beim Aufräumen kam auch ein NPD-Aufkleber in dem Altbau zum Vorschein.

Der landete sofort im Müll. Damit habe das Ladenlokal doch wohl ein gutes Ende gefunden. „Ein viel besseres, ein viel besseres“, antwortet jemand und naschte einen zweiten Kartoffelfladen aus Afghanistan.

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