Pilzkrankheit bedroht Bäume im Bornekamp

dzEschensterben erreicht Unna

Eine weitere Baumart in Unna ist in Gefahr. Im Bornekamp treten Zeichen des Eschentriebsterbens auf. Bei Forstfachleuten weckt die Entwicklung traurige Erinnerungen.

Unna

, 24.07.2019, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Esche ist eine tolle Baumart, die uns fehlen wird. Das tut schon in der Seele weh“, sagt Matthias Müller, der für Unna zuständige Revierförster beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Vor drei bis vier Jahren dürfte das Eschentriebsterben in der Region angekommen sein. Seit zwei Jahren häufen sich die Fälle. Und nun erreicht das Eschensterben auch den Bornekamp.

Am Sackgassen-Ende nahe des ersten Teichs stehen zwölf dieser Bäume in Reihe auf einem Grünstreifen. Anwohnern war aufgefallen, dass einige Äste vertrocknete Blätter aufweisen oder ganz kahl sind. In einer Ersteinschätzung gehen die Stadtbetriebe von einem frühen Stadium des Eschensterbens aus.

Pilzkrankheit bedroht Bäume im Bornekamp

Das äußere Blätterdach wirkt noch geschlossen. Von unten besehen zeigen die Eschen allerdings bereits entlaubte Äste und Zweige. Vereinzelt scheinen sie bereits die typischen Ersatztriebe auszubilden. © Sebastian Smulka

Unheilbare Pilzerkrankung breitet sich aus

Die Krankheit ist nicht wirklich heilbar, auch wenn es Bäume zu geben scheint, die sich als wehrhaft oder gar immun erweisen. Ausgelöst wird sie durch einen Pilz, der sich in der Rindenstruktur des Baums einnistet und diese abtötet. Damit unterbricht er den Flüssigkeit- und Nährstofftransport im Baum. Hinter den befallenen Stellen sterben die Blätter ab. Damit ist der Stoffwechsel des Baumes gestört.

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Die Bäume kämpfen um ihr Überleben

Einige Eschen reagieren darauf, in dem sie neue Triebe bilden. Aber auch diese können befallen werden. „Ob sie mit ihren Sekundärkronen überleben können, werden wir erst in einigen Jahren sagen können“, erklärt Förster Matthias Müller.

Auch die Verbreitung des Eschensterbens hat etwas mit dem Klimawandel zu tun. Dürre und ein Absinken des Grundwasserspiegels scheiden aber als direkte Erklärung aus.

Der auslösende Pilz ist schon seit Jahrzehnten bekannt und belegt, aber die rasante Ausbreitung der Krankheit in den vergangenen Jahren deutet auf irgendetwas hin, das sich seitdem verändert hat. Denkbar ist, dass entweder der Pilz selbst oder seine Überträger bessere Lebensbedingungen vorfinden als noch vor ein paar Jahren.

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Erinnerungen an das Ulmensterben

Die Situation erinnert an das Ulmensterben in den 1970er-Jahren, das die Bestände dieser Baumart stark dezimiert hat. Auch für diese Krankheit war ein Pilz verantwortlich, der durch den Ulmensplintkäfer rasant verbreitet wurde.

In Unna gilt die Ulme als praktisch ausgestorben. Bekannt ist ein einzelnes Exemplar, das der Heimatverein in Mühlhausen/Uelzen am geografischen Mittelpunkt der Stadt nahe der Twiete gepflanzt hat. Als Solitär scheint sich der Baum dort erst einmal zu behaupten.

Bei Neuanpflanzungen wird auf die Esche verzichtet

Ein ähnliches Schicksal droht in Unna auch der Esche. „Bei Neuanpflanzungen verzichten wir bereits auf sie“, sagt Förster Matthias Müller. Gerade junge Bäume würden bei einem Befall schnell dahingerafft. Und sie würden dem Pilz dann auch als Wirtspflanze dienen. So traurig es klingt: Das wirksamste Mittel gegen die Eschenkrankheit ist es zurzeit, keine Eschen mehr zu haben.

Pilzkrankheit bedroht Bäume im Bornekamp

Zwölf Eschen stehen auf einem Grünstreifen an der Bornekampstraße. Anwohner sind in Sorge um ihren Zustand. © Sebastian Smulka

Stadtbetriebe beraten über Gegenmaßnahmen

Im Bornekamp machen die Bäume trotz des Befalls noch einen vitalen Eindruck. Die Grünfachleute der Stadtbetriebe wollen nun nach möglichen Maßnahmen suchen, die Eschen in ihrem Kampf gegen den Pilz zu unterstützen. Möglicherweise kann es die Verbreitung des Pilzes verlangsamen, befallene Teile des Baumes zu beseitigen. Wirklich besiegen werden die Bäume ihren Parasiten aber nicht.

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