Ernst-Oldenburg-Erbin trennt sich von Werken

dzKünstler-Nachlass

Das Werk Ernst Oldenburgs hat in Kessebüren ein Zuhause. Freunde seiner Kunst überkommt die Sorge darüber, wie lange dies noch der Fall ist.

Unna

, 28.12.2018, 14:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er zählt zu den großen Vieren der Gegenwartskunst in Unna, und mit der Begegnungsstatue an der Bahnhofstraße hat er den Menschen ein Werk hinterlassen, dass zu den Wahrzeichen der Innenstadt gehört. Die Arbeiten des 1992 verstorbenen Ernst Oldenburg haben eine Ausstrahlung, die ihren Schöpfer überdauern. Und doch wirft die Pflege seines Nachlasses Fragen auf.

Der „Jahresgruß“, den die Ernst-Oldenburg-Gesellschaft an die Freunde des Vereins gesendet hat, klingt nach Abschied. „Im Fluge sind viele Jahre vergangen. Viel hat man hineingelegt und offene Gedanken bleiben zurück“, schreibt Oldenburgs Tochter Karola Ramas im Namen des Vorstandes. Ein Beiblatt verrät, dass sie nun überdies beginne, sich von Skulpturen, Gemälden und Skizzen ihres Vaters zu trennen. Wenn sich jemand finde, der einem Werk von „E.O.“ einen Rahmen bieten will, sei sie bereit zu verkaufen.

Trotz der Vereinsstruktur steht und fällt die Nachlasspflege Oldenburgs Werke mit seiner Tochter. Die 75-Jährige ist inzwischen von Ratingen fest in das Oldenburg-Haus am Loerweg gezogen. Die alte Dorfschule war von 1967 bis zum Tode Oldenburgs vor bald 27 Jahren Wohnsitz und Arbeitsort des Malers und Bildhauers. Heute ist sie das Museum, indem das Werk Oldenburgs erfahrbar ist. 1500 Arbeiten hat Oldenburg in seiner über sechs Jahrzehnte hinweg laufenden Schaffenszeit vollendet. Und ein erstaunlich großer Teil dieser Werke ist noch dort. Doch die Arbeit wird nicht leichter.

„Eigentlich müsste das Haus längst abgerissen sein“, kommentiert Karola Ramas das Interesse von Immobilienmaklern und -entwicklern, die mit den unterschiedlichsten Ideen an die Oldenburg-Tochter herangetreten sind. Die Telekom weigere sich, eine Festnetzleitung zu legen; wer das Museum besuchen will, muss sich bei Ramas über Mobiltelefon anmelden (Tel. 0172/5959186).

Doch nicht nur das Haus ist in die Jahre gekommen. Einige der Skulpturen fand Ramas beschädigt vor, als sie fest in Kessebüren eintraf. Sie wurden aber inzwischen restauriert. Ein herber Schlag nicht nur für sie persönlich, sondern auch für die Wahrung des Oldenburg-Erbes war der Tod von Karola Ramas’ Ehemann Walter Ramas im Sommer 2017. Er war immer auch eine helfende Hand, wenn es darum ging, Ausstellungen in die Tat umzusetzen.

Aufgeben will Karola Ramas allerdings noch nicht. Das Haus bleibe zugängig, die Sammlung ihres Vaters zu sehen. Weiterhin werde sie neue „Hängungen“ vornehmen, um besondere Akzente des Oldenburg-Werkes in den Vordergrund zu stellen. Was die längerfristigen Perspektiven des Oldenburg-Hauses angeht, setzt Karola Ramas auch auf Impulse von der Stadt. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister sei bereits angefragt.

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