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Ergreifende Hilfe für den entlaufenen Hund Jacky aus Unna-Königsborn

dzSuchaktion

Die Suche nach einem entlaufenen Jack-Russell-Terrier läuft mit System. Und alle Unnaer können helfen: Wer „Jacky“ sichtet, hilft einer Initiative dabei, den Hund in Sicherheit zu führen.

Unna, Kamen

, 04.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Was mit einem mutigen Rettungsversuch nahe der Kamener Autobahnpolizeiwache öffentlich geworden ist, beschäftigt inzwischen ein ganzes Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern. Die Suche nach Jacky, wie der etwa drei Jahre alte Jack-Russell-Terrier heißt, läuft mit System und Sachverstand. Die „Hundesuchhilfe Schwerte und Umgebung“ hat die Mission angenommen, den Rüden wieder nach Hause zu führen. Dieses Zuhause steht in Königsborn. Dort wird Jacky sehnsuchtsvoll erwartet. Hund und Halter haben aus einer schwierigen Situation heraus zueinander gefunden und einander gut getan.

Beim Vorbesitzer hatte Jacky ein hartes Leben

Die Eheleute Karin und Lothar Silwester hatten Jacky in Osnabrück gekauft. Der Vorbesitzer war verstorben. Eine Angehörige bot den Rüden in einer Anzeige zum Verkauf an - verbunden mit einer Frist, nach der sie den Hund im Tierheim abgeben würde, wenn sich niemand meldete. Die Silwesters hatten Mitleid, erfuhren zudem von Jackys bislang harter Lebensgeschichte. Sein erstes Herrchen sei an Aids verstorben, habe das Tier vernachlässigt und geschlagen, erfuhren die Königsborner. „Wir wollten ihm einfach ein schönes Zuhause bieten“, sagt Lothar Silwester. „So ein Hund ist doch auch ein Lebewesen.“ Aber auch der Jacky bereicherte das Leben seiner neuen Familie. „Am Anfang kam er oft tief geduckt zu einem. Aber dann ist er aufgetaut, ein fröhlicher Hund geworden. Wir vermissen ihn sehr.“

Die Haustür schloss nicht richtig, und plötzlich war Jacky weg

Nicht verängstigen

Das richtige Verhalten bei einer Sichtung

  • Wer Jacky sichtet, kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass der Jack-Russell-Terrier wieder nach Hause kommt. Aber:
  • Eigene Einfangversuche sollten in jedem Fall unterlassen werden. Jacky ist ein ausgesprochener „Angsthund“ und würde wild davonsprinten, seine Kräfte verschleißen und vielleicht in einen Unfall verwickelt.
  • Stattdessen sollten Uhrzeit und Ort der Sichtung möglichst präzise notiert und umgehend gemeldet werden.
  • Die Rufnummern dafür: (0177) 2718123, (0170) 9020037 und (01573) 4657702

Der 29. Dezember war der Tag, an dem die heile Welt in Aufruhr geriet. „Wir waren einkaufen. Die Haustür scheint nicht richtig eingerastet zu sein“, berichtet Lothar Silwester. Jacky war weg. Seit einer Woche schlägt er sich nun allein herum. Doch die Hilfsaktion, die inzwischen angelaufen ist, berührt die beiden Königsborner.

Eine Frau aus Dortmund vermittelte den Silwesters Kontakt zur „Hundesuchhilfe Schwerte und Umgebung“. Dahinter steht ein Kreis von vier Frauen, die es sich zum Ziel gemacht haben, entlaufene Hunde wieder nach Hause zu führen. Sie arbeiten ehrenamtlich, aber sehr professionell. „90 Prozent aller Tiere bringen wir wieder zurück“, erklärt Mitglied Taras Schawkert.

„Plakatieren, bis es Ärger mit der Stadt gibt“

Im ersten Schritt geht es darum, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. „Wir hängen Suchmeldungen aus, plakatieren, bis wir Ärger mit der Stadt bekommen“, so Schawkert. Auch im Internet kursieren „Fahndungsfotos“ der Hunde, verbunden mit Verhaltenshinweisen und Telefonnummern der Suchmannschaft.

Meldungen, wo ein Hund gesehen worden ist, helfen dabei, sein Revier einzugrenzen. Die Frauen von der Hundesuchhilfe nehmen sie auf und stecken sie auf einer Karte ab. So wird die bisherige Route des entlaufenen Hundes nachvollziehbar. In Jackys Fall etwa kamen Meldungen aus dem Umfeld der Autobahnpolizeiwache Kamen, vom Stadtring, von der Hertingerstraße und zuletzt von der Krautstraße.

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Jacky ist ein schneller Sprinter, hält sich aber offenbar in einem überschaubaren Bewegungsradius auf. Das könnte die Chancen, ihn zu finden und zu fangen, erhöhen. Ein wichtiger Verbündeter dabei ist im nächsten Schritt der Hunger, den der Hund nach einer Woche ohne die gewohnten Futtergaben haben dürfte. Sind die Laufwege des Hundes ausgemacht, kreuzen die Helferinnen sie mit einer verführerischen Duftspur. Aus Leberwurst und Wasser rühren sie einen Lockstoff an, dem ein Hund mit seiner sensiblen Nase leicht und gerne folgt.

Am Ende dieser Spur findet der Vierbeiner eine Futterstelle vor. An sie darf er sich gewöhnen. Und doch wird seine Kost absichtlich knapp gehalten, damit er einen Grund hat öfters vorbeizuschauen. Stellen die Helferinnen bei der Nachkontrolle fest, dass das Futter angenommen wurde, kann ein Blick auf die Bilder einer nachtsichttauglichen Foto-Falle Gewissheit darüber geben, wer sich da am Futter bedient hat. Ist es der gesuchte Hund, wird ihm eine sanfte Falle gebaut.

Hunde sind so schwer zu fangen wie ein echtes Wildtier

Dafür kann es reichen, die Futterstelle in einem eingezäunten Bereich anzulegen. Manchmal kommt auch eine spezielle Fangapparatur zum Einsatz und nur im ungünstigsten Fall der Betäubungspfeil eines Tierarztes.

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Das Einfangen des Hundes erweist sich tatsächlich als schwieriges Unterfangen. Fangversuche wie der des Mannes, der in Kamen aus dem Auto gesprungen ist, um Jacky zu ergreifen, sind zwar gut gemeint, bewirken aber oft nichts oder verschlimmern die Lage. Jacky gilt durch seine Lebenserfahrungen als ausgesprochener „Angsthund“. Aber ein Tier aus unproblematischen Verhältnissen würde nach kurzer Zeit in der urbanen Wildnis nicht anders reagieren. „Die Tiere fallen in kürzester Zeit zurück in ihre Instinkte. Selbst ihr Herrchen oder Frauchen erkennen sie dann nicht wieder. Jede Annäherung führt dann zur Flucht“, erklärt Taras Schawert. Fangversuche, auf die Tiere zuzugehen oder zuzulaufen, Rufe, Pfiffe - all dies versetze einen entlaufenen Hund in Panik und löse eine Reaktion aus, die seine Chancen auf Rettung verringert. Jede neue Flucht kostet das Tier Kraft und bringt es erneut in Gefahr. Jede überraschende Überquerung einer Straße kann die Hoffnung der Silwesters auf Jackys Rückkehr sofort vernichten.

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