Entsetzen über Missbrauch löst Kooperation aus: Bürger helfen, Kinder zu schützen

dzBürgerstiftung und Kinderschutzbund

Auch in Unna werden Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch. Entsetzen über Fallzahlen löst jetzt eine vielversprechende Kooperation aus. So können Bürger helfen, Kinder zu schützen.

Unna

, 18.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich nicht wie der Kinderschutzbund (KSB) regelmäßig mit diesen Zahlen beschäftigt, den erschrecken sie: mehr als 30 Mädchen und Jungen in Unna wurden 2019 Opfer sexueller Gewalt. Aus Entsetzen wird Hilfsbereitschaft: Die Bürgerstiftung unterstützt den Kinderschutzbund bei der Präventionsarbeit.

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Allein in Unna 84 Fälle für den Kinderschutzbund 2019

Werner Overwaul vom Vorstand der Bürgerstiftung war wie viele andere bedrückt, als er über den Jahresbericht des Kinderschutzbundes in der Zeitung las. Demnach hat der Verein 2019 allein in Unna insgesamt 84 Kinder betreut. Sie waren Opfer sexueller oder körperlicher Gewalt geworden, litten unter Vernachlässigung, Mobbing oder Cybermobbing. Und dies sind nur die Fälle, die dem Kinderschutzbund bekannt geworden sind.

Overwaul berichtet, er sei auch von anderen Mitgliedern der Bürgerstiftung angesprochen worden: Mit der Frage, wie die Stiftung hier helfen kann, wandte er sich an den Kinderschutzbund.

Spende ermöglicht Projekt für Kitas

8800 Euro, die Stifter und Spender aus Unna aufgebracht haben, übergab Overwaul nun an den Verein. Der Kinderschutzbund steckt das Geld direkt in Präventionsarbeit. Die Stundenzahl einer Mitarbeiterin werde nun aufgestockt, berichtet KSB-Geschäftsführer Frank Zimmer. Die Kollegin werde ein Konzept für Früherkennungs- und Präventionsarbeit in Kindergärten aufstellen und mit der Umsetzung starten. Allen 28 Kitas in Unna soll das Projekt angeboten werden.

Immer noch für viele ein Tabuthema

Nach Einschätzung des KSB sei in vielen Einrichtungen schon eine Menge bewegt worden, was die Sensibilisierung für das Thema angeht. „Aber es sind immer noch viele Erzieherinnen und Erzieher verunsichert, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Gerd Steiner, Vorsitzender des Kinderschutzbunds im Kreis Unna. In der Erzieherausbildung spiele sexueller Missbrauch fast keine Rolle. „Man ist manchmal erschrocken, wie wenig Mitarbeiterinnen vorbereitet sind“, sagt Steiner. „Das Thema lähmt immer noch.“

Werner Overwaul vom Vorstand der Bürgerstiftung Unna (v. r.) übergab einen Scheck, der viel Hilfe möglich macht: Nina Nitzrath, Frank Zimmer und Gerd Steiner vom Kinderschutzbund planen ein Aufklärungsprojekt für Unnas Kindergärten.

Werner Overwaul vom Vorstand der Bürgerstiftung Unna (v. r.) übergab einen Scheck, der viel Hilfe möglich macht: Nina Nitzrath, Frank Zimmer und Gerd Steiner vom Kinderschutzbund planen ein Aufklärungsprojekt für Unnas Kindergärten. © Raulf

Was gehört zu einer normalen Entwicklung bei Kleinkindern? Wo hört Doktorspiel auf, wo fängt bei Kindern Verhalten an, das bei Betreuungskräften einen Alarm auslösen muss? „Wir haben es meistens mit sehr unklaren Situationen zu tun“, erklärt Zimmer. An welchem Punkt ist es richtig, Beobachtungen zu melden, im Zweifel auch Eltern anzuzeigen? „Der Schritt, ins Handeln zu kommen, ist immer der schwierigste“, sagt Zimmer. Alle Kindergartenmitarbeiter in Unna sollen die Möglichkeit bekommen, sich zu diesen und vielen anderen Fragen fortzubilden. Sie sollen sicherer werden, um letztlich die Kinder noch besser schützen zu können.

Infos und Kontakt

Kinderschutzbund und Bürgerstiftung Unna

  • Der Kinderschutzbund im Kreis Unna: www.kinderschutzbund-kreisunna.de; Märkische Straße 9 in 59423 Unna, Tel. (0 23 03) 1 59 01; E-Mail: info@kinderschutzbund-kreisunna.de
  • Die Bürgerstiftung Unna: buergerstiftung-unna.de; c/o Sparkasse Unna-Kamen, Bahnhofstraße 37 in 59423 Unna, Tel. (0 23 03) 104 10 23; E-Mail: info@buergerstiftung-unna.de

Kinder müssen lernen, sich abzugrenzen

Denkbar ist auch ein Projekt, das sich an Kinder richtet. Sie müssten lernen, sich abzugrenzen, auf ihre Gefühle zu vertrauen und ein Gespür zu entwickeln, wie viel Nähe sie zulassen wollen und dürfen, erklären die Fachleute vom Kinderschutzbund.

Bürgerstiftung hilft vor Ort

Bürger und Unternehmen aus Unna vertrauen der Bürgerstiftung Unna Geld an, damit diese Projekte für sozial Benachteiligte, für Kultur und Umwelt initiieren oder fördern kann. Erträge aus gestiftetem Kapital, vor allem einzelne und regelmäßige Spenden ermöglichen viel Hilfe, die in Unna ankommt. Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit in diesem Jahr war die Unterstützung bedürftiger Menschen mit Einkaufsgutscheinen. Dringender Bedarf war schon im Frühjahr dadurch entstanden, dass die Lebensmittelausgabe der Tafel wegen Corona erhebliche Schwierigkeiten bekam.

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