Kinderschicksale berühren Unnaer Schüler in Costa Rica

dzEngagement

Sie haben ein Kinderheim besucht, in einem Ghetto Essen verteilt und mit armen Kindern auf der Straße getanzt: Was elf Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums in den vergangenen fünfeinhalb Wochen gemacht haben, hat nicht viel mit „normalen“ Sommerferien zu tun.

Unna

, 28.08.2019, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der kleine Daniel hat Gloria Kittel am meisten berührt. Der vierjährige Junge aus einem Armenviertel einer Kleinstadt in Costa Rica kuschelte sich mit einem Urvertrauen an ihre Schulter und schlief binnen Minuten tief, fest und ganz offenkundig selig ein. „Da habe ich gemerkt, wie sehr die Kinder dort Aufmerksamkeit und Nähe brauchen“, erzählt die 16-jährige Schülerin des Ernst-Barlach-Gymnasiums (EBG). Zusammen mit zehn weiteren Jugendlichen und Betreuern hat Gloria Kittel ihre Sommerferien in Costa Rica verbracht.

Jetzt lesen

Dass Schüler des EBG in den Sommerferien nach Costa Rica reisen, hat längst Tradition. Jedes Jahr macht sich eine Gruppe auf den Weg nach Südamerika, um dort die durch die Costa Rica-AG gesammelten Spenden der Unnaer Bürger einem Kinderheim und einer Musikschule zukommen zu lassen. Stets verbunden mit dieser Reise ist auch das Pflanzen mehrerer Bäume im „Unna-Wald“ in Costa Rica - der Schülerbeitrag gegen den Klimawandel.

9000 Dollar aus Unna nur für das Kinderheim

In diesem Jahr jedoch war Einiges anders: Weil die Bayer-Stiftung den Einsatz der Costa-Rica-AG im März mit einer Spende in Höhe von 5000 Euro würdigte, konnten die Schüler das von den Unnaern gespendete Geld allein dem Kinderheim geben. „Durch die Spende von Bayer hatten wir die Möglichkeit, dieses Geld für die Baumpflanzaktion zu verwenden und alles andere, nämlich das, was die Unnaer uns beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt gespendet haben, konnten wir dem Kinderheim geben“, erzählt Lehrer Gerald Schulz, der das Projekt seit Jahren betreut und die Gruppen stets begleitet.

Kinderschicksale berühren Unnaer Schüler in Costa Rica

Völlig entspannt schläft der kleine Daniel bei der Unnaer Schülerin Gloria Kittel auf dem Arm. © privat

9000 Dollar waren es daher, die die Unnaer Schüler in das Kinderheim in Costa Ria mitbrachten. Doch viel mehr noch als über das Geld war dort die Freude über die Zeit, die die Unnaer mitbrachten. „Die Kinder kamen sofort auf uns zu, viele wollten auf den Arm genommen werden“, erzählt Fritzi Kiwitt. Noch deutlicher nahm die 16-Jährige diese Sehnsucht nach Aufmerksamkeit wahr, als die Schülergruppe eine Armensiedlung in den Bergen besuchte: „Wir haben mit den Kindern auf der Straße getanzt, das schien für sie fast wichtiger zu sein als die Tatsache, dass wir ihnen Essen mitgebracht hatten.“

Kinderschicksale berühren Unnaer Schüler in Costa Rica

Auf Augenhöhe diskutierten die Unnaer Schüler an einer Schule in Costa Rica mit Gleichaltrigen, die Deutsch lernen. © privat

Vor ihrem Rückflug besuchten die Unnaer Schüler noch eine Schule, an der Deutsch unterrichtet wird und diskutierten mit gleichaltrigen Jugendlichen auf Deutsch und Spanisch. „Das war toll, das war eine Begegnung auf Augenhöhe“, sagt Fritzi Kiwitt. Einen Gegenbesuch der costa-ricanischen Jugendlichen in Unna - dieses Ziel will Lehrer Gerald Schulz jetzt langfristig verfolgen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gerichtsprozess

Casino-Überfall mit Pistole in Unna: Nach sieben Jahren erinnern sich Zeugen kaum

Meistgelesen