Niemand sollte ungebetene Besucher in seine Wohnung lassen. © picture alliance / dpa
Telefonwerbung

Energieberater rufen weitere Opfer an – Königsborner dreht den Spieß um

Weitere Telefonopfer der verdächtigen Energieberatung wenden sich an die Öffentlichkeit. Eine alte Dame ist in die Falle getappt. Ein anderer Angerufener allerdings drehte den Spieß um.

Nach und nach werden weitere Fälle bekannt, in denen Unnaer ungebetene Anrufe hatten von angeblichen „Energieberatern“. Eine ältere Dame ist tatsächlich zum Opfer geworden, in einem anderen Fall allerdings haben sich die Anrufer den Falschen ausgesucht.

Der Fall einer 82-jährigen Unnaerin zeigt, wie schnell es doch passieren kann, dass man überrumpelt wird. Wie andere Unnaer erhielt die Frau einen Anruf einer Unbekannten. Die fremde Person schlug der Dame eine kostenlose Beratung zum Energiesparen vor.

„Kostenlose Energieberatung“

Die Angerufene wiegelte zunächst ab, erklärte, in ihrem Alter wolle sie nichts mehr am Haus verändern. Doch die Anruferin blieb hartnäckig. Letztlich ließ sich die Unnaerin auf einen Termin mit einem Berater bei sich zu Hause ein. Das Stichwort „Energiesparen“ habe sie dann doch neugierig gemacht, erklärte die Seniorin. „Sonst hätte ich den gar nicht kommen lassen.“

Wie üblich in solchen Fällen war der Termin kurzfristig: Schon tags darauf kam ein Mann, um das Haus der Unnaerin gründlich unter die Lupe zu nehmen. Er sei aus Wuppertal, seine Firma sitze in Köln, erfuhr die Frau. Auf seiner Suche nach einer baulichen Schwachstelle wurde der Fremde im Keller schließlich fündig. Die Außentür müsse dringend erneuert werden. Es dringe schon Feuchtigkeit ins Gebäude, erklärte er.

Gezögert und trotzdem unterschrieben

An einem mitgebrachten Computer schrieb der Mann direkt ein Angebot für eine neue Tür und hielt den Ausdruck der Dame zum Unterschreiben hin. Sie wolle lieber erst mit ihrem Sohn darüber sprechen, entgegnete die Unnaerin. Ob sie immer erst ihren Sohn fragen und nichts mehr selbst entscheiden könne, fragte der Mann.

Es war eine Situation, die Opfer von Betrugsmaschen oft schildern: Alles geht schnell, und irgendwie lässt man sich überrumpeln. Der Mann erhielt letztlich, weswegen er gekommen war. Mit der Unterschrift seines Opfers auf dem Auftrag verschwand er. Der Betrag für die neue Tür: 4800 Euro.

Beim zweiten Besuch kam Fremder nicht mehr herein

Erst im Nachhinein sei sie nachdenklich geworden, berichtete die Unnaerin später. Sie habe umgehend den Auftrag widerrufen, schriftlich per Einschreiben. Schon am nächsten Tag habe der Fremde wieder an der Tür geklingelt. „Ich habe ihn durch die Scheibe gesehen, aber nicht aufgemacht“, sagt die Unnaerin. Als er dann anrief, um nachzufragen, ob alles in Ordnung sei, reagierte die Dame selbstsicher. Der Auftrag sei widerrufen, sagte sie, und legte auf. „Ich habe mich aber selbst geärgert, dass ich überhaupt unterschrieben habe.“

In Königsborn den Falschen angerufen

Der Fall sollte hoffentlich erledigt sein für die ältere Dame. Wie viel Erfolg die „Energieberater“ mit anderen Opfern in Unna hatten, ist unbekannt. Bekannt ist allerdings, dass die unbekannte Telefonberaterin in diesen Tagen auch Prof. Dr. Jürgen Vollradt angerufen hat. Wer den Königsborner kennt, weiß: Er vertritt selbstbewusst seinen Standpunkt und tut dies auch etwas ausführlicher.

„Angebot“: Beratung für den Berater

Wie Vollradt unserer Redaktion verschmitzt berichtete, habe er der Unbekannten am Telefon erklärt, er werde einen Energieberater gern selbst beraten, und zwar zu den wahren Hintergründen der Energieversorgung. Vollradt hat lange in der Energiewirtschaft gearbeitet und 17 Jahre lang Vorlesungen gehalten, wie er selbst sagt. Der Ex-Stromwirtschaftler gehört zu denen, die die Energiewende kritisch betrachten. Die Dame am anderen Ende der Leitung habe seinen Ausführungen erst einmal interessiert zugehört, berichtet Vollradt amüsiert. Dann habe sie selbst das Gespräch beendet.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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