Statistisch gesehen sind die Unnaer doch gar nicht so selten

dzEinwohnerzahl

Unna hat wieder eine vom Land anerkannte Einwohnerzahl, und plötzlich ist die Schrumpfung der vergangenen Jahre gelindert. 1519 Bürger sind von den Statistikern wiedergefunden worden.

Unna

, 17.07.2019, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

58.633 – das ist die Zahl der Menschen mit Erstwohnsitz in Unna zum Silvestertag 2018. Wer sich an frühere Zeiten und eine Bevölkerung der Größenordnung „60.000+“ erinnern kann, mag sich immer noch die Augen darüber reiben, wo die Leute alle hin sind. Aber: Die Annahmen davon, wie viele Unnaer es eigentlich gibt, lagen auch schon mal weiter unten.

Gegenüber dem Vorjahr hat Unna demnach 1519 Neubürger bekommen. Wie das kommt, lässt sich nur schwer erklären.

Richtig gerechnet mit einer fragwürdigen Zahl

Mit der Datenbank des Einwohnermeldeamtes, in der konkrete Menschen mit einem konkreten Wohnsitz verzeichnet sind, hat der amtliche Wert von IT NRW nicht viel zu tun. Er entsteht aus einer Fortschreibung von Daten, die einmal bei einer Volkszählung entstanden sind. Konkret ist das der Zensus 2011, der dafür in die Kritik gekommen ist, dass seinerzeit mehr gerechnet als gezählt worden ist.

Von diesem Fundament aus rechnet die Datenverarbeitung des Landes mit Zahlen aus dem echten Leben weiter: Sterbefälle und Wegzüge werden vom Ausgangswert abgezogen, Geburten und Zuzüge wieder drauf gerechnet. Die an sich solide Methodik kommt zu unerklärlichen Zahlen, wenn die Ausgangsbasis nicht stimmt.

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2016 gab es gar keine Einwohnerzahl für Unna

Das hatten die Statistiker des Landes zwischenzeitlich anerkannt. Im Jahr 2016 verzichteten sie sogar darauf, für Unna eine Bevölkerungszahl auszuweisen. Erst mit der aktuellen Veröffentlichung gibt es wieder wie für alle anderen NRW-Kommunen einen Wert zum Stichtag des vorherigen Jahreswechsels und gleichzeitig einen Vergleichswert zum Vorjahr.

Mehr Trauerfälle als Geburten

Mit den Geschehnissen des normalen Lebens ist das Bevölkerungsplus nicht zu erklären. Im Gegenteil: Ein negativer Saldo zwischen Geburten und Sterbefällen wird zwar von einem Plus bei den Umzügen gelindert, aber nicht ganz wettgemacht. Unna verliert also tatsächlich Bürger. IT NRW weist aber noch ein Plus von eben 1519 Bürgern als „sonstige Veränderung“ aus.

Es handele sich um eine Korrektur von Datenfehlern, die durch das Kommen und Gehen von Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Massen entstanden sind.

Unklar ist, was es Unna bringen wird. Mit mehr Einwohnern müsste die Stadt auch eine höhere Schlüsselzuweisung vom Land bekommen. Das Rathaus prüft das noch im Konkreten – ebenso wie die Frage, ob denn auch für vergangene Jahre Nachzahlungen zu erwarten sind.

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