Das Einkaufszentrum in der Mühle Bremme soll ein Magnet werden. Doch die Menschen, die es anzieht, lasten vorhandene Wege stärker aus. Deshalb will Unna gleich drei Knotenpunkte umbauen.

Unna

, 11.09.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kundenströme eines neuen Einkaufszentrums in der Mühle Bremme würden das Verkehrsnetz im Umfeld überfordern. Um den Neubau dennoch möglich zu machen, plant die Stadt Unna nun weitreichende Eingriffe. Gleich drei wichtige Punkte stehen vor einem Umbau. Betroffen sind Straßen, Rad- und Gehwege.

Pläne für den eigentlichen Anschluss des Einkaufszentrums am Ring und an die Kantstraße sowie für einen Umbau des Fußgänger- und Radfahrerübergangs an der Viktoriastraße legt die Stadt nun in konkretisierter Form vor. Zudem soll aber auch die Unterführung unter den Bahngleisen am Königsborner umgebaut und mit neuen Regeln versehen werden.

Kosten soll all dies nach ersten Berechnungen 1,9 Millionen Euro. Den Löwenanteil muss der Investor des Einkaufszentrums tragen. Für die Stadt blieben 62.000 Euro – auch deshalb, weil sie dem Investor ein kleines Grundstück verkauft und die Einnahmen gegenrechnen kann.

Wann es mit den Umbauten losgeht, hängt auch vom weiteren Genehmigungsweg ab. Im März hatte der niederländische Entwickler Ten Brinke einen Bauantrag gestellt. Die Lösungsvorschläge für die Verkehrslage sind ein Teil davon. Vorgeschlagen wird im Einzelnen dies:

So verändern die Pläne für die Mühle Bremme den Verkehr in Unna

Zunächst mit provisorischen Mitteln waren Fußgänger und Radfahrer in einem Verkehrsversuch gezwungen worden, die Viktoriastraße in einem größeren Abstand zum Kreishauskreisel zu überqueren. Weil dies tatsächlich die Rückstaus auf der Kantstraße gemindert haben soll, wird die Regelung nun dauerhaft umgesetzt. © Sebastian Smulka

Kreishauskreisel

Damit das neue Einkaufszentrum leistungsfähig genug an den Verkehrsring angebunden werden kann, zielte der Gutachter gewissermaßen „von hinten durch die Brust ins Auge.“ Das Problem der langen Rückstaus, die vom Kreishauskreisel über die Kantstraße bis in den Ringtunnel reichen können, wollte er durch eine Optimierung des Verkehrsflusses im großen Kreisel lösen.

Sein Konzept, dafür den Fußgänger- und Radfahrerübergang über die Viktoriastraße vom Kreisel fortzurücken und mit einer Ampel zu versehen, war und ist umstritten. Ein Verkehrsversuch schien dem Gutachter dann aber recht zu geben. Nun soll das Provisorium aus mobilen Ampeln, gelben Linien und Baustellenabsperrungen abgelöst und die neue Regelung dauerhaft hergestellt werden. Für diesen Umbau veranschlagt das Rathaus insgesamt 346.000 Euro an Kosten, die sich Stadt und Investor hälftig teilen.

So verändern die Pläne für die Mühle Bremme den Verkehr in Unna

Über die Poststiege – hier im Hintergrund – wird das Einkaufszentrum an den Ring angebunden. Von der Kantstraße aus soll es künftig eine Linksabbiegespur direkt zum Mühlengelände geben. Geregelt wird der Verkehr dann von einer neuen Ampel. © Udo Hennes

Kantstraße/Ring/Poststiege

Die eigentliche Zufahrt zum Einkaufszentrum wird über die Poststiege erfolgen, die kurz hinter dem Ringtunnel vom Stadtring abzweigt. Der Umbau des Knotenpunktes bezieht aber auch die Kantstraße mit ein und ist vergleichsweise komplex.

Aus Königsborn kommend wird der Zubringer zum Stadtring eine Linksabbiegespur bekommen. Scheinbar führt sie in den Gegenverkehr des Rings, tatsächlich aber auf kurzen Wege zum Einkaufszentrum. Die „Königsborner“ sollen nicht erst um den ganzen Ring fahren müssen, um auf dem Mühlengelände einzukaufen.

Um Chaos und gefährliche Situationen zu vermeiden, muss an der Poststiege eine Ampelanlage gebaut werden. Für Durchreisende vom Ring in Richtung Kreisel/Königsborn kann sie einen zusätzlichen Zwischenhalt bedeuten. Umbaukosten von vermutlich 1,25 Millionen Euro muss der Investor allein tragen.

So verändern die Pläne für die Mühle Bremme den Verkehr in Unna

Die Unterführung am Königsborner Tor soll auf der Rathausseite umgebaut werden und eine neue Regelung erhalten: Trennbügel und Terrassenstufen fallen weg. Die künftige Rampe wird auf voller Breite zum Gehweg erklärt, den Radfahrer aber vorsichtig mitbenutzen dürfen. © Udo Hennes

Königsborner Tor

Damit das neue Einkaufszentrum den Passanten in der Innenstadt sein Gesicht zeigen kann, soll der Vorplatz des heute ziemlich versteckt gelegenen Bürogebäudes auf dem Mühlengelände geöffnet werden. Das erfordert einen Umbau der Unterführung unter den Bahngleisen am Königsborner Tor: Die „Böschung“ vor der Mühle wird durch eine breite Freitreppe ersetzt. Zwei große Kastanien müssen dafür gefällt werden.

Weil sich dadurch auch die Laufwege der Fußgänger verändern werden, soll es aber auch der eigentliche Weg unter den Gleisen hindurch umgebaut und neu geregelt werden: Heute gibt es von beiden Seiten eine Trennung von Fahrrad- und Fußgängerweg. Radfahrer rollen eine Rampe hinab, Fußgänger überwinden den Höhenunterschied über eine Folge von kleinen Terrassen.

Künftig aber sollen diese Stufenflächen auf der Rathausseite entfallen: Dort würde es dann nur noch eine breite Rampe geben, die ohne Trennbügel als nur ein breiter Gehweg mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“ ausgewiesen wird. Radfahrer und Fußgänger müssten sich den Verkehrsraum dort rücksichtsvoll teilen. Auf der Nordseite bliebe es bei der derzeitigen Regelung und Bauform.

Eckdaten der Pläne

Einkaufen im neuen „Mühlencenter“

  • Der niederländische Projektentwickler Ten Brinke hat die Mühle Bremme gekauft, um dort nach dem Abriss fast aller Gebäude – mit Ausnahme der denkmalgeschützten Villa – ein Einkaufszentrum zu bauen.
  • Für einen Edeka-Markt, eine Drogerie und eine Reihe von kleineren Läden reservieren die Planer rund 3900 Quadratmeter Verkaufsfläche. 1200 Quadratmeter sind für Gastronomiebetriebe vorgesehen. Zudem soll es ein Fitnessstudio auf 1175 Quadratmetern geben.
  • Auf den Parkplatzflächen sollen 327 Autos und 150 Fahrräder Platz finden.
  • Gut 15 Meter hoch soll das Gebäude über das Bodenniveau ragen. Dafür wird eine Befreiung vom Bebauungsplan angestrebt, der die Gebäudehöhe eigentlich auf zwölf Meter begrenzt.
  • Der Name „Mühlencenter“ scheint sich als Arbeitstitel einzubürgern. Offiziell gesetzt ist er aber noch nicht.

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