Einkaufen in Unna hat auch „offline“ noch viel Sinn

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Leerstände sind auch in einer funktionierenden Innenstadt üblich – wenn sie von überschaubarer Zahl und Dauer sind. Der schnelle Übergang von P&C zu Nachfolger Sinn ist für Unna ein gutes Zeichen.

Unna

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Optimismus gehört für Thomas Schäfer zum Beruf. Doch die schnelle Nachfolgelösung für P&C am Nordende der Unnaer Innenstadt hat auch den Handelsfachmann überrascht. „Ich habe schon damit gerechnet, dass da was Neues reinkommt“, erklärt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen-Münsterland. „Aber so schnell und dann noch Sinn, das ist wirklich erfreulich.“

Leerstände zurzeit noch nicht dramatisch

Die Modekette Sinn verbindet ihren Schritt nach Unna mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zum stationären Einzelhandel vor Ort. Es scheint ein Signal zur rechten Zeit zu sein. Denn in der Innenstadt gibt es derzeit durchaus ein paar Abgänge. Schuh Meyer und die Modekette Gerry Weber am Alten Markt, der Schreibwarenladen McPaper und die Boutique Bonita an der Bahnhofstraße sind die aktuellsten Geschäftsaufgaben.

An anderer Stelle zeichnen sich Nachfolgelösungen ab. Das frühere Schuhhaus Wibbecke wird für einen Gehörgeräte-Akkustiker hergerichtet. Diese Branche scheint in Unna einen einträglichen Markt zu sehen. Ein Leerstand an der Bahnhofstraße ist dadurch zu erklären, dass Gehörgeräte Kind sich mit einem neuen Ladenlokal gleich nebenan vergrößert hat. Es ist bereits die dritte Adresse dieses Anbieters in der Unnaer Innenstadt.

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Hoffen auf zwei wichtige Neubauten

Leerstände, wie sie sich zurzeit in Unna zeigen, sieht Thomas Schäfer nicht mit Sorge. „Was wir jetzt sehen, ist eigentlich eine relativ normale Entwicklung im Handel. Schlimm wäre es, wenn die Leerstände lange bleiben würden“, erklärt er. Aber gerade danach sieht es nicht aus, wie der Wechsel im großen Modehaus nahe des Rathauses belegt.

Mit Spannung wartet der Handelsfachmann auf die Dinge, die da noch kommen werden in Unna: Nach dem Abriss des ehemaligen Deichmann-Gebäudes bahnt sich ein Ende des lähmenden Stillstandes an, der von dem jahrelang leerstehenden Haus auch ins Umfeld ausstrahlte. Vor allem aber freut sich der Einzelhandelsverband auf eine Belebung der alten Mühle Bremme.

Dort will ein Projektentwickler ein Einkaufszentrum mit bunter Branchenmischung bauen, vom Supermarkt bis zum Elektrofachhandel. Die Lage hat auch eine strategische Bedeutung, besonders im Zusammenhang mit P&C beziehungsweise dem Nachfolger Sinn.

„Wer mit dem Zug nach Unna kommt, erlebt diesen Bereich als Tor zur Stadt“, sagt Schäfer. Entsprechend wichtig sei es, dass auch der Bereich vor der eigentlichen Fußgängerzone belebt ist und bleibt. Ein neues Kaufhaus auf dem Mühlengelände würde zudem eine Ecke der Innenstadt ausleuchten, die derzeit als recht unfreundlich wahrgenommen wird.

Einkaufen in Unna hat auch „offline“ noch viel Sinn

Als fotorealistischen Entwurf gibt es das neue Kaufhaus auf dem Mühlengelände schon. Es wäre eines der größten Gebäude in der Innenstadt. © Architekturbüro Deterding

Unna hat das Zeug, um sich zu behaupten

Derlei Ecken sind selten in Unna, und auch das nährt den Optimismus von Thomas Schäfer. „Unna hat gute Voraussetzungen, sich zu behaupten, auch als Mittelstadt in der Nähe einer Großstadt wir Dortmund. Vieles, was immer wieder in Studien als wichtig beschrieben wird, hat die Stadt bereits.“

Eine Schlüsselrolle habe etwa das Ambiente. Wer sein Geld noch persönlich in eine Innenstadt trägt, sucht dort das Flair, das ihm der Online-Einkauf nicht vermitteln kann. Bummeln ist heute eher Freizeitgestaltung als Bedürfnisbefriedigung. Das spiele einer Stadt mit so sehenswerten Gebäuden in die Hände. Unna sei klein und überschaubar, aber doch attraktiv. Damit benennt Schäfer zugleich die Instrumente, die die Stadt bedienen muss, um erfolgreich zu bleiben. Stadt und private Eigentümer müssen investieren.

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