Einfühlsam und gewaltig lässt Unnas Kantorei den unsterblichen „Elias“ erklingen

dzEvangelische Stadtkirche

Minutenlang stehender Applaus! Am vergangenen Samstagabend machte die Philipp-Nicolai-Kantorei mit Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ den Hörenden wie sich selbst das schönste Geschenk.

von Rainer Ehmanns

Unna

, 10.11.2019, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine gefüllte Stadtkirche, eine opulente Festschrift zum 70. Jubiläum der Kantorei und des doppelt so alten Posaunenchors, ein groß besetztes Höchberger Kammerorchester, ein exzellentes Solistenquartett und eine bestens disponierte Kantorei unter der souveränen KMD Hannelore Höft: Das sind die Zutaten des Abends für „das“ Oratorium des 19. Jahrhunderts.

Die Bilder und Szenen des Alten Testaments erzählen in zwei Teilen sechs Episoden aus dem Leben des Propheten Elias. Mit dessen Dürrefluch noch vor der Ouvertüre beginnt sein leidenschaftlicher Kampf gegen Baal und seine Anhänger. Er rettet den Sohn einer Witwe, bezwingt die Baalspriester, lässt nach drei Jahren Dürre den Regen wiederkehren. Er streitet mit Ahab und Isebel, flieht vor ihnen in die Wüste, wo er Gott begegnet, der ihn abermals zu den wankelmütigen Israeliten schickt und am Ende seines Lebens in den Himmel erhebt.

Diesen Szenen verleihen die Aufführenden eine beeindruckende Gestalt. Da ist zunächst eine vorzüglich einstudierte Kantorei, deren Stimmkraft und Präsenz bis zum Schlussakkord nie nachlassen, deren A-Capella-Terzett „Hebe deine Augen auf“ und Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ himmlisch schön klingen, deren Turba-Chöre dramatisch flehen, wütend toben, emphatisch lobpreisen und deren Choräle göttlich trösten.

Ebenso ausgesucht die Solistinnen und Solisten! Der strahlend klare Sopran Joo-Anne Bitters erklingt etwa in der Arie der Witwe mit unangestrengt scheinender Kraft, Dorothee Rabschs Mezzosopran korrespondiert dazu wunderbar in den Rezitativen wie zuletzt in der Arie „Sei stille dem Herrn“ mit Klang gewordenem Trost. Daria Burlaks Sopransolo als Knabe fügt sich da harmonisch ein. Und Robert Bartnecks Tenor überzeugt in den Rezitativen mit kraftvoller Dramatik ebenso wie in den lyrischen Passagen seiner Arien.

Thomas Laske singt den Elias nicht nur, er ist es! Sein wandlungsfähiger Bariton lässt das Temperament des Propheten stimmgewaltig aufleuchten, ob beim Dürrefluch, beim Spott der Baalspriester oder im Zorn mit den Israeliten hadernd: immer ist sein Ton glaubwürdig, authentisch.

Nicht zuletzt gelingt es den Höchbergern kongenial, das dramatische Geschehen plastisch zu gestalten und die Rezitative und Arien sensibel zu begleiten. 70 Jahre Kantorei - Musik zur Ehre Gottes - an diesem Abend ein machtvolles, bewegendes Bekenntnis! Herzlichen Glückwunsch!

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