Rot, bis jemand über den Anforderungskontakt fährt – so sollte die neue Ampel an der Kamener Straße von Colonie und Gewerbegebiet aus aussehen. Doch tatsächlich scheint der Verkehr der Hauptstraße immer noch unnötig aufgehalten zu werden. Die WFG schickt eine Firma raus. © Marcel Drawe
Verkehr

Eine Ampel im Nichts und ein Radweg in Stereo

Mehr Platz für Betriebe verspricht das neue Gewerbegebiet am Hallohweg. Doch die Verkehrsanbindung wirft Fragen auf: Was eigentlich regelt die neue Ampel? Und warum fahren Fahrradfahrer stereo?

Wer eine Piste zum Rollschuhlaufen sucht, ist im Norden von Königsborn gerade an der richtigen Stelle. 350 Meter tief reicht eine neue Stichstraße in das Gebiet, das einmal die Süderweiterung des Interkommunalen Gewerbegebietes Unna/Kamen werden soll. Makelloser Asphalt und ein großer Wendehammer versprechen ein angenehmes Fahrerlebnis. Kraftverkehr hat derzeit nicht viel zu suchen auf der Straße, weil es halt nichts zu finden gibt. Neue Betriebe werden irgendwann einmal dort entstehen. Die Durchfahrt bis Woolworth versperren zwei Poller.

Umso fragwürdiger erscheint manchen Autofahrern, dass die Ampel am Anschluss an die Kamener Straße schon in Betrieb ist. Seit einigen Wochen bereits gibt es auf der langen Ortsdurchfahrt von Unna nach Kamen einen weiteren Haltepunkt. Aber wer dort bei Rot stehen muss, erlebt selten, dass die Grünphasen rechts und links genutzt würden. Das Gewerbegebiet ist noch unbesiedelt. Und aus der kurzen Sackgasse Colonie kam der Anwohnerverkehr auch bislang gut ohne Ampel auf die Kamener Straße.

Fragen nach dem Sinn der Ampel haben unsere Redaktion in zurückliegender Zeit mehrfach erreicht. Präzise fragen sie nicht danach, warum die Ampel überhaupt da ist. Sie fragen, warum die Ampel jetzt schon angeschaltet sei, bevor der neue Stich ins Gewerbegebiet überhaupt eine verkehrliche Bedeutung bekommt.

Die Ampel ist durchaus notwendig – aber eben noch nicht jetzt

Antworten zu suchen, fällt nicht leicht. Die Stadt vermutet, dass es angesichts bevorstehender Bauarbeiten durchaus Sinn haben könnte, verweist aber ansonsten auf den Kreis.

Der Kreis hingegen verweist darauf, dass der Umbau des Knotenpunktes im Auftrag der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft durch die Stadt Unna erfolgt ist.

Und die WFG betont, dass immerhin drei der angeschlossenen Kreuzungsarme – zweimal die Kamener Straße, einmal die Colonie – bereits Verkehr führen, aber sich auch in die neue Stichstraße immer wieder Fahrzeuge verirren, die dann ja auch wieder rauskommen müssen.

Erste Bautätigkeit vielleicht Mitte 2021

Wann in dem Gebiet die Bauarbeiten für eine erste Neuansiedlung anlaufen, ist derzeit noch nicht bekannt. Bevor das Gebiet richtig angebunden ist, konnte es kein Baurecht geben, erklärt WFG-Geschäftsführer Dr. Michael Dannebom. Erst jetzt könne die Vermarktung anlaufen. Erste Gespräche stimmen Dannebom allerdings zuversichtlich, diese Flächen gut besetzen zu können. Vielleicht gebe es Mitte 2021 Bautätigkeit und dafür entsprechenden Fahrzeugverkehr.

Die WFG verweist aber auch auf eine vertragliche Vereinbarung mit Straßen NRW, in der die Details der Anbindung geklärt sind. Für den kommenden Dienstag ist der Abnahmetermin für den Straßenneu- und -umbau anberaumt. Und dann will Straßen NRW eben auch sehen, dass die Ampel funktioniert. „Dass man manchmal dort steht und sich fragen muss, warum man gerade steht, haben wir alle schon erlebt“, sagt Dr. Dannebom. „Ich auch.“

Ein Radweg, auf dem Radler gar nicht fahren sollen

Mag die Ampel zum neuen Gewerbegebiet lediglich etwas Zeit brauchen, bis sich ihr Sinn für alle erschließt, so wirft die neue Regelung für den Radverkehr nachhaltige Fragen auf. Augenscheinlich gibt es in Richtung Kamen nun zwei Radwege, die zur Stadtgrenze führen: Einen oberhalb der Bordsteinkante und einen darunter.

Dieses Bild zeigt einen Radweg – und zwar am rechten Rand auf dem Bürgersteig. Der vermeintliche Fahrradschutzstreifen schützt Radfahrer nicht, in der er ihnen eine Fahrspur bietet, sondern in dem er eine Abstandsbereich ausweist, den keine Kraftfahrzeuge befahren dürfen.
Dieses Bild zeigt einen Radweg – und zwar am rechten Rand auf dem Bürgersteig. Der vermeintliche Fahrradschutzstreifen links schützt Radfahrer nicht, indem er ihnen eine Fahrspur bietet, sondern in dem er einen Abstandsbereich ausweist, den keine Kraftfahrzeuge befahren dürfen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Auch das hat Fragen aufgeworfen, die in unserer Redaktion gelandet sind: Soll der Radfahrer jetzt anstelle des sicheren Fahrradweges den Suggestivstreifen nutzen und damit praktisch im Autoverkehr mitschwimmen? Nein, stellt der Kreis Unna hierzu klar. Und er ergänzt: Im Grunde darf es der Radler nicht einmal – was die Streifen mit den Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn vollends verwirrend macht.

„Der Streifen dient in erster Linie einem Sicherheitsabstand zwischen Radfahrern und Kraftfahrzeugen“, erklärt Kreissprecher Volker Meier. Fahren dürfen und sollen die Radfahrer weiterhin auf dem kombinierten Geh- und Radweg, dessen Beschilderung dem Kenner sogar eine Benutzungspflicht anzeigt.

Der „Fahrstreifen ist dort aber etwas schmal“, sagt Volker Meier. „Deshalb ist der Streifen auf der Fahrbahn zusätzlich angebracht worden.“ Denn auch auf dem Bauwerk oberhalb der Bordsteinkante sollen Radfahrer die motorisierten Fahrzeuge nicht unmittelbar neben sich spüren. Der neue Fahrradstreifen in Königsborn dient den Radfahrern daher eher indirekt: Nicht als eine Spur, auf der Radfahrer fahren sollten, sondern als eine Spur, auf der Kraftfahrzeuge nicht fahren dürfen.

Ausnahmen dabei: Wenn es der Verkehr erfordert und Radfahrer weder gefährdet noch behindert werden, darf ein Auto kurzzeitig auf einen der Fahrradschutzstreifen ausweichen. Radfahrer dürften diesen Streifen ebenfalls in einem Sonderfall benutzen: Wenn der eigentliche Radweg blockiert wäre, was auch durch eine ungeräumte Schicht Schnee oder Eis passieren kann, dürften Radfahrer auf die Straße ausweichen. Dort fahren sie dann wegen des Rechtsfahrgebotes automatisch auf dem Schutzstreifen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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