Einbruch in Kirche in Massen: Blutspur reicht nicht aus, um Täter zu überführen

dzDiebstahl

Bibeln, die aus dem Regal gerissen wurden und Hostien, die auf dem Kirchenboden lagen: Der Einbruch in die Neuapostolische Kirche in Massen ist zwei Jahre her – der Täter ist jedoch nicht so leicht zu identifizieren.

von Jana Peuckert

Massen

, 14.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

An einer Stelle ein falscher Tatort, falsches Diebesgut, fehlerhafte Berechnung beim einzuziehenden Wertersatz. Kurzum: Die Anklageschrift, die dem Richter im Amtsgericht Unna vorlag, strotzte vor Ungenauigkeit und Fehlern. Laut Vorwurf war der angeklagte Dortmunder in der Zeit vom 14. bis zum 15. Dezember 2017 in die Neuapostolische Kirche am Koppelweg in Unna-Massen eingebrochen.

An der Rückseite des Gotteshauses soll er das Fenster eines Wirtschaftsraumes eingeschlagen und sich dadurch Zutritt ins Innere des Gebäudes verschafft haben. Drinnen soll er einen Receiver und einen Laptop eingesteckt und mitgenommen haben.

Bibeln und Hostien lagen verstreut in der Kirche

Ein Gemeindemitglied hatte am Morgen des 15. Dezember das kaputte Fenster bemerkt und den damaligen Kirchenleiter verständigt. Der fand ein Chaos in der Kirche vor. Sowohl Hostien, als auch Bibeln lagen verstreut herum, erklärte der 67-Jährige im Zeugenstand. Bei dem Diebesgut handelte es sich aber nicht, wie in der Anklageschrift aufgezählt, um einen Receiver, sondern um einen Beamer, so der 67-Jährige.

Gesehen habe er am Tatort niemanden. Eine Blutspur an der Fensterscheibe führte die Ermittler letztlich zum Angeklagten. Der bestritt, zur Tatzeit an der Kirche gewesen zu sein: „Ich habe das nicht gemacht. Ich kann mir nicht erklären, wie meine Spuren an den Tatort gekommen sind.“

Blutspur an der Fensterscheibe nicht „zu 100 Prozent“ vom Angeklagten

Eine 100-prozentige Sicherheit, dass das Blut vom Angeklagten stammte, gebe die DNA-Analyse nicht her, bemerkte der Richter. Dafür sei die Einholung eines Gutachtens nötig. Und: „Bei der Anklage ist einiges im Argen“, stellte der Richter fest. Zwar war am Anfang des Textes Unna als Tatort genannt, als es dann jedoch um den konkreten Vorwurf ging, war Hamm als Standort der Kirche angegeben.

Außerdem unterlagen laut Anklageschrift 1000 Euro der Einziehung. 600 Euro Wert des Diebesgutes plus 400 Euro für den an der Scheibe entstandenen Schaden. Der, so erklärte eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Gericht, dürfe aber gar nicht eingerechnet werden.

Und dann noch die Sache mit dem Receiver, der eigentlich ein Beamer ist. Kurzum: „Die Anklage ist nicht konkret genug“, stellte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft schließlich fest. Zudem gebe es ein weiteres Verfahren, wonach der 50-Jährige in Wickede in eine Reitanlage eingebrochen sein soll. Im Hinblick darauf stellte das Gericht das hiesige Verfahren vorläufig ein.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neuer Todesfall
Coronavirus: Altenheim-Bewohnerin in Werne gestorben – 26 Neuinfektionen im Kreis Unna
Meistgelesen