Einblicke in die Geheimnisse des neuen jüdischen Gotteshauses in Unna

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Endlich hat die jüdische Gemeinde haKochaw eine Synagoge nach ihren Vorstellungen. In dieser Woche wurde sie eröffnet und am Sonntag lud die Gemeinde zu einem Tag der offenen Tür ein.

von Sebastian Pähler

Massen

, 08.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist gar nicht so lange her, da hatten sich viele nicht träumen lassen, dass die kleine, jüdische Gemeinde in Unna einmal ihre eigene Synagoge haben wird, wie die Vorsitzende Alexandra Khariakova sich erinnerte. Und es war ein langer Weg von der ehemaligen evangelischen Kirche, über die Situation als jüdisches Gemeindehaus, bis schließlich mit dem Einzug der Tora-Rolle das Gebäude den Status als Synagoge erhielt. Was noch fehlte war, aus dem Gebäude etwas Eigenes zu machen. Wie das Ergebnis dieses Prozesses am Ende aussah, wollten zahlreiche Besucher beim Tag der offenen Tür am Sonntag sehen.

Einblicke in die Geheimnisse des neuen jüdischen Gotteshauses in Unna

Auf den ersten Blick ein offener, heller Raum, doch steckt die Gestaltung der Synagoge voller versteckter Symbolik. © Sebastian Pähler

Versteckte Symbolik

Auf den ersten Blick ist es ein großer und heller Raum, genau das Richtige, um zusammenzukommen und zu sich und zueinander zu finden. Doch die augenscheinlich schlichte Gestaltung der Synagoge steckt voller Symbolik, wie Designer Matthias Hauke bei einem Vortrag über seine Arbeit erläuterte. So stehen etwa die zwölf farbigen Elemente im Tora-Schrein für die zwölf Stämme Israels, die jeweils mit einem eigenen Edelstein assoziiert sind. Ein Motiv, das sich auch in den farbigen Fenstern wiederfindet.

Einblicke in die Geheimnisse des neuen jüdischen Gotteshauses in Unna

Die Namen von Holocaust-Opfern auf der einen, die von verstorbenen Gemeindemitgliedern stehen auf der anderen Seite, doch Teile der Gedenktafel erschließen sich erst bei einem Blick in den Spiegel.

Viel Aufmerksamkeit erweckte auch die Gedenktafel im Vorraum der Synagoge. Ein blauer Himmel und ein Baum des Lebens sind dort zu sehen. Auf den Scheiben vor dem Himmel stehen in Weiß die Namen der Verstorbenen. Zur Rechten sind die Namen verblichener Gemeindemitglieder zu lesen, während die linke Seite zunächst irritiert. Denn hier stehen die Namen von Opfern des Holocaust, aber nicht einfach lesbar, sondern in Spiegelschrift. Man muss sich umdrehen und in einen Spiegel schauen, um sie normal sehen zu können. „Sie sind ein Leben entfernt“, erläuterte Hauke. „Man sieht sich selbst und sieht, ich lebe noch“, erklärte Alexandra Khariakova die Idee hinter dem Gedenken an jene, für die nicht gebetet wurde.

An der Gedenktafel wurde zudem Zedernholz verarbeitet, heute sehr teuer, aber in biblischen Zeiten das gebräuchlichste Holz in Israel.

Einblicke in die Geheimnisse des neuen jüdischen Gotteshauses in Unna

Architekt Thomas Schmidt berichtet über den Umbau der ehemaligen Kirche zur Synagoge. © Sebastian Pähler

Architekt Thomas Schmidt erläuterte bei einer Führung die Gestaltung des Außenbereiches und berichtete über die Schwierigkeiten beim Umbau. So wurden sowohl Asbest als auch Reste krankmachender Farbe im Altbau gefunden und mussten aufwendig entfernt werden.

Ein seltener Blick auf die Heilige Schrift

Zur Feier des Tags gewährte die Gemeinde schließlich den Gästen auch einen Blick auf die Tora-Rollen. Normalerweise wird der Schrein nämlich nur bei Gottesdiensten geöffnet.

Zum Abschluss spielte schließlich das Nodelmann-Quartett klassische und jüdische Musik.

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Zur Feier des Tages gewährte die Gemeinde einen Blick auf die beiden Tora-Rollen. © Sebastian Pähler

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