Ein Wunsch der Tafel zum Geburtstag: Kinder sollen nicht mehr in der Schlange stehen

dz15 Jahre Unnaer Tafel

Ihren Geburtstag feierte die Unnaer Tafel mit einem Tag der offenen Tür. Und die Verantwortlichen äußern Geburtstagswünsche. Einer davon ist ein Bauwagen, weil Kinder nicht in der Schlange stehen sollen.

Königsborn

, 15.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Das ist das Schlimmste, dass es für Kinder selbstverständlich wird, hier anzustehen“, sagt Ulrike Trümper. Sie hat die Tafel in Unna vor 15 Jahren mit Martina Fuchs gegründet und ist nach wie vor die Vorsitzende des Vereins. Mit Sorge beobachtet sie, wenn Familien mit Kindern vor der Ausgabestelle stehen und warten, an die Reihe zu kommen. Kinder sollten sich nicht daran gewöhnen, in diesem Pulk zu stehen, meint Trümper. Eine Lösung für das Problem hätte sie.

Suche nach einem Bauwagen-Spender

Die Tafel feierte am Samstag mit einem Tag der offenen Tür inklusive Trödelmarkt und Tombola am Zentralstandort Dorotheenstraße in Königsborn.

Ein Wunsch der Tafel zum Geburtstag: Kinder sollen nicht mehr in der Schlange stehen

Wo sonst günstige Lebensmittel verkauft werden, gab es am Samstag zahlreiche schöne Gewinne. Auch Sigrid Michnik-Srol und ihr Mann Lothar Michnik freuten sich über Tombola-Preise. © Raulf

Dort steht dem Verein ein weiträumiges Außengelände zur Verfügung. Der Verein hält einen Teil der Fläche in Schuss, das meiste aber ist ungenutzt. Trümper schwebt nun ein Bauwagen vor. Darin könnten sich Kinder aufhalten, während ihre Eltern Lebensmittel einkaufen. Ehrenamtliche, die die Kleinen dort auch beschäftigen würden, fänden sich, da ist sich Trümper sicher. Es könnte zum Beispiel jemand Kindern vorlesen oder sie beim Malen begleiten, so ihr Plan. „Es müsste nur jemand einen Bauwagen spenden. Fertig machen würden wir den.“

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Wünsche zum Geburtstag

Mit einem Tag der offenen Tür mit Flohmarkt feierte die Tafel in Königsborn am Samstag ihr 15-jähriges Bestehen, und der Bauwagen ist ein Geburtstagswunsch, den der Vorstand im Gespräch mit unserer Zeitung äußerte. Ein zweiter Wunsch ist mehr festes Personal. Die Warenabholung, -sortierung und -ausgabe leisten vor allem Ein-Euro-Jobber und Ehrenamtliche. Was der Vorsitzenden Trümper vorschwebt, ist eine „stabilere Mitte“. So leiste ein Mann allein die ganze Büroarbeit. „Wenn der krank ist, ist es vorbei“, sagt Trümper.

Ein weiteres Thema sind Spenden. Diese sind die wichtigste Einnahmequelle der Tafel, die keine Finanzmittel von der öffentlichen Hand bekommt. „Wir haben ein paar Großspender. Das ist toll. Aber ob das für immer hält, weiß man auch nicht“, sagt der Co-Vorsitzende Roland Lutz. „Das Spendenaufkommen auf mehr Schultern zu verteilen, wäre ein Wunsch.“

Junge Menschen mit Ideen willkommen

Trümper und Lutz schweben auch neue Strukturen der Mitarbeit vor. „Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Menschen hierhin kommen und sich für die Tafelarbeit engagieren.“ Die „Alten müssten irgendwann gehen und seien mit der Zeit auch „betriebsblind“, so Trümper. Junge Menschen brächten sicher auch neue Ideen und Vorschläge zur Umsetzung. Ganz ohne Ideen ist die Tafel-Gründerin aber auch nicht: So könnte sich zum Beispiel jemand für Kochkurse engagieren, um allen Kundengruppen die Vielfalt der Lebensmittel näherzubringen. Andere Tafeln böten so etwas an. So könnten zum Beispiel Flüchtlinge aus Syrien mit Rhabarber überhaupt nichts anfangen. Kurse, in denen Lebensmittel verarbeitet werden, könnten das ändern.

Idee: Flüchtlinge als Helfer

Flüchtlinge wiederum, meint Lutz, könnten auch auf der anderen Seite der Ausgabetheke stehen. „Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Integration und sicher auch eine Kommunikationserleichtung.“ Menschen mit Migrationshintergrund könnten vielleicht besser verstehen, was ihre Landsleute mögen und was nicht, und sie könnten auch übersetzen. „Zum Nulltarif“, so Lutz, wäre allerdings der Anreiz gering. „Das müsste sich natürlich auch ein bisschen lohnen.“ Lutz erklärt, er wolle im Laufe des Jahres mit dem Jobcenter sprechen, ob es Möglichkeiten gibt, bei der Tafel geflüchtete Menschen zu beschäftigen.

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