Ein ruhiges „Ton“-Konzert im Freibad Bornekamp: ungewohnt und gut

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Freunde der Open-Air-Kultur erleben in dieser Saison eine Durststrecke. Ein Konzert im Freibad Bornekamp brachte eine willkommene Abwechslung - eine ungewohnt ruhige.

von Sebastian Pähler

Unna

, 19.07.2020, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ungewohnt leise und gemütlich präsentierte sich der Ton e.V. bei seinem Konzert am Samstag im Freibad Bornekamp. Während sonst eher Rock, Punk und Heavy Metal zu hören sind, gehörte die Bühne diesmal vor allen jungen Liedermacherinnen und Liedermachern. Diese verstanden es aber nicht weniger, Stimmung zu machen, wenn auch eine gänzlich andere, in einem ziemlich ungewöhnlichen Jahr.

Rares Gut in diesem Jahr

Es hatte eigentlich fast schon keiner mehr damit gerechnet, ein Konzert wie das „Open Air“ im Bornekamp in diesem Jahr noch zu erleben. „Ich finde es toll, dass wir gerade in diesem Jahr mal so einen Abend haben, an dem wir Musik machen können und ihr auch zuhört. Das ist rar gesät“, stellte etwa Maxi, auch bekannt als „Waste Ground“ fest. Mit seinen Rock- und Pop-Stücken, von Oasis bis Chuck Ragan war der Musikstudent, der gerade an seiner Masterarbeit zum Thema Popliteratur arbeitet, auch schon der wildeste Teilnehmer.

Maxi, alias Waste Ground brachte Rock in ein Programm, das ansonsten von Liedermachern und akustischer Musik geprägt war.

Maxi, alias Waste Ground brachte Rock in ein Programm, das ansonsten von Liedermachern und akustischer Musik geprägt war. © Sebastian Pähler

Bereits die Eröffnung setzte eine eher besinnliche, fast melancholische Stimmung. Akustik-Gitarrist Elia bezauberte Badegäste und Konzertpublikum mit eigenen, instrumentalen Stücken und Improvisationen.

Auch Raja, die nach ihm in die Tasten haute und dazu sang, bevorzugte eher nachdenkliche und melancholische Lieder im Singer-Songwriter-Stil. Dabei mischte die Zwanzigjährige Lieblingslieder und selbstgeschriebene Stücke. „Ich bin sehr froh, dass es hier diese Bühne gibt. Nicht nur für mich selbst, sondern auch weil ich hier die anderen hören kann. Wir sehen uns auch sonst selten über das Jahr“, berichtete die junge Musikerin.

Überraschung aus Hamburg

Mit Liedermacherin Phili kamen gleich zwei Überraschungen auf die Bühne. Sie hatte nicht nur ein paar neue Lieder im Gepäck, mit denen sie gerade eine neue musikalische Richtung beschreitet. Auch hatte sie Musikerkollegen Marius Nitzbon aus Hamburg mitgebracht. Der detailverliebte und melancholische Pianoklang mit Liedern seines neuen Albums „Little Humans“ überraschte das Publikum und lockte wahre Begeisterungsstürme hervor. „Was ich als Musiker kann, meine Geheimwaffe, das ist, Menschen glücklich zu machen“, berichtete Nitzbon. Genau das ist ihm auch gelungen.

Marco, auch bekannt als Mitglied der Band „The Harrison Comparison“ rundete den Auftritt mit Gitarre und Gesang schließlich ab.

Das Publikum war klein, aber begeisterungsfähig. Mit Konzerten wie diesem hatten viele in diesem Jahr nicht mehr gerechnet.

Das Publikum war klein, aber begeisterungsfähig. Mit Konzerten wie diesem hatten viele in diesem Jahr nicht mehr gerechnet. © Sebastian Pähler

Besser als erwartet

„Wir wollten den Termin nicht ungenutzt lassen“, berichtete Tobias Koch vom Ton e.V. Doch erst kürzlich beschlossene Lockerungen der Veranstaltungsauflagen zur Corona-Prävention erlaubten es, am Ende wirklich ein Konzert daraus zu machen. „Es kann gut sein, dass es das einzige Konzert in diesem Jahr bleibt“, so Koch. Schließlich seien andere Auftrittsgelegenheiten wie das Stadtfest oder ein Auftritt in der Lindenbrauerei aufgrund der Pandemie komplett weggefallen. Umso schöner für Koch und die anderen Musiker, dass sie im Freibad Bornekamp noch einmal die Gelegenheit hatten, auch ohne „Spuckwände“ und ähnliche Vorkehrungen auf der Bühne zu stehen.

Freibad vermisst Gäste

Beim Freibad war man mit der Veranstaltung alles in allem zufrieden, auch wenn der Besucherandrang hinter den Erwartungen zurückblieb. Damit lag das Open-Air-Konzert allerdings im Trend mit einer Saison, die bislang schleppend verläuft. Vor allem das unstete Wetter lässt, trotz durchdachtem Sicherheitskonzept, anscheinend nur bei wenigen Lust zum Baden aufkommen, stellte Freibadvereinsvorsitzende Jessica Mense fest.

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