Ein Rosinenbrötchen als Abendmahl-Ersatz: Neue Wege in der Paul-Gerhardt-Kirche

dzAlternative Gottesdienste

Weil das Abendmahl in den Kirchen derzeit wegen Corona nicht möglich ist, hat sich die Paul-Gerhardt-Kirche eine Alternative überlegt. Sie boten ihren Besuchern Rosinenbrötchen zum Mitnehmen an.

von Sebastian Pähler

Königsborn

, 21.06.2020, 14:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Proviant, spirituell wie im wörtlichen Sinne, gab Pfarrerin Kristin Busch-Zimmermann am Sonntag den Gemeindegliedern in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche mit auf den Weg. Statt Brot und Wein in der Kirche gab es ein Rosinenbrötchen zum Mitnehmen. Anlass für die ungewöhnliche Interpretation von Brot und Wein in Form des süßen Gebäcks und der Rosinen, also getrockneter Weintrauben, boten die Hygieneregeln, mit denen auch Kirchengemeinden weiter den Corona-Virus bekämpfen.

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Ersetzen soll das Brötchen-To-Go das gewohnte Abendmahl freilich nicht. „Wir können nicht miteinander essen und trinken“, erklärte Busch-Zimmermann im Gottesdienst, „aber wir können uns miteinander erinnern“.

Gemeinschaft stärken

Um eine bibelgetreue Durchführung des Abendmahls ging es ausdrücklich nicht. „Man kann natürlich auch theologisch darüber streiten, ob das ein richtiges Abendmahl ist, wenn es nicht hier gegessen, sondern mitgenommen wird“, erläuterte Dietrich Schneider. „Aber man kann auch darüber diskutieren, ob das im Augenblick ein richtiger Gottesdienst ist. Manche Diskussionen sind eben nicht sinnvoll“, so der Diakon. Vielmehr geht es eben darum, die Bräuche der Gemeinde in Erinnerung zu halten und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Die Kirchengemeinde versuchte sich damit an einer Neuinterpretation des Abendmahls, das aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen derzeit nicht durchgeführt werden kann.

Die Kirchengemeinde versuchte sich damit an einer Neuinterpretation des Abendmahls, das aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen derzeit nicht durchgeführt werden kann. © Stefan Milk

Entstanden ist die Idee, als das Gemeindeteam festgestellt hat, das ein Abendmal eigentlich in dem Gottesdienst vorgesehen wäre. Zunächst erwog man, es ausfallen zu lassen, da andere Lösungen, etwa mit Wein im Tetra Pack, nicht überzeugen konnten. In der Planung kam man auf das Rosinenbrötchen und wollte den Ansatz zumindest einmal ausprobieren.

Angebot nicht nur für Gottesdienstbesucher

80 Stück waren extra für den Gottesdienst gebacken und hygienisch einzeln verpackt worden. Zusammen mit einem Teelicht und einer Karte mit den Einsetzungsworten „Nehmt und esst…“ wurden diese nicht nur an die knapp 20 Gottesdienstbesucher verteilt, sondern standen auch vor der Kirche als Angebot für Gemeindeglieder bereit, die sich derzeit noch nicht in Menschenansammlungen wagen.

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In beiden Fällen kam der Einfall gut an. „Das ist eine super Idee“, stellte etwa Gerd Klose fest. „Meine Frau ist nicht mehr mobil und daher kann sie nicht in den Gottesdienst“, berichtete er, so aber konnte er ein Stück des Gemeindelebens mit nach Hause nehmen.

Mit dem kleinen Proviantpaket passte die Aktion gut zur Predigt, in der es um das ging, was uns auf unseren Wegen begleitet, und zur Tageslosung: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

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