Ein Platz für Lebensqualität, gerne mit Fahrradständern, ungern auch mit Autos

dzPlatz am Morgentor

Architekten sind sich weitgehend einig: Mobilität in der Stadt muss und wird sich verändern. Der neue Platz am Morgentor gilt als ein wichtiger Baustein dafür in Unna. Im März sollen erste Teile fertig sein.

Unna

, 25.09.2019, 14:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) Dortmund-Hamm-Unna diskutierte in Unna über die Zukunft von Mobilität und Stadtplanung. Das Motto lautete „Stadt in Bewegung – ökologisch, mobil, lebenswert“, und der Ort des Austauschs war gleichzeitig Teil des Themas. Man traf sich, auch mit Bauverantwortlichen der Stadt und weiteren interessierten Bürgern, am Morgentor. Dort plant die Stadt Unna ein Stück Zukunft. Unter dem Stichwort „Shared Space“ soll die Verkehrssituation umgestaltet werden.

Raum für Menschen aufwerten

„Shared Space“ steht wörtlich für „geteilten Raum“. Der Grundgedanke: Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich die Fläche und nehmen gegenseitig Rücksicht aufeinander. Die heutige Vorherrschaft des Autos soll hier beendet werden. Der öffentliche Raum soll für die Menschen aufgewertet werden, Überregulierung will man zurückfahren, erläuterte Jens Toschläger, Technischer Beigeordneter im Rathaus. Zu hundert Prozent könne diese Idee am Morgentor allerdings nicht umgesetzt werden. So soll weiterhin eine Ampel an der Ring-Zufahrt in Betrieb sein.

Ein Platz für Lebensqualität, gerne mit Fahrradständern, ungern auch mit Autos

Der Unnaer Architekt Christian Weicken vom Vorstand des BDA Dortmund-Hamm-Unna fungierte als Gastgeber und moderierte die Diskussion über künftige Stadtentwicklung. © Marcel Drawe

Auto kann nicht ganz verbannt werden

Einige Detailfragen dazu brennen den Menschen allerdings unter den Nägeln, wie beim BDA-Diskussionsabend deutlich wurde. Etwa diese: Ist es sinnvoll, Autoverkehr weiterhin über diese Fläche zu führen? Vorgesehen ist, dass Autos vom Ostring her wie bisher über die Morgenstraße in Richtung Innenstadt fahren, aber direkt rechts abbiegen auf den Parkplatz. Wer dort nicht parkt, kann weiterfahren ins Burgviertel und letztlich über die Morgenstraße bergab wieder auf den Ring steuern. Ganz zu verbieten seien Fahrzeuge nicht, meint Toschläger. Er erinnert an den Parkplatz der Sparkasse am Museum, einige Arztpraxen und nicht vermeidbaren Lieferverkehr im Viertel. Ein Zuhörer schlug eine Zeitlösung vor: Bis 16 Uhr könnte motorisierter Verkehr zugelassen werden, damit danach mehr Ruhe ins Viertel einkehrt. Apropos Ruhe: Wäre es vielleicht sinnvoll, das Tempo auf dem stark befahrenen Verkehrsring zu drosseln? Auch diese Anregung kam aus der Zuhörerschaft.

Mehr Lebensqualität durch mehr Radverkehr

Als leuchtendes Beispiel für eine Stadt, die mehr Lebensqualität durch weniger Auto- und mehr Radverkehr erreicht hat, wurde das niedersächsische Nordhorn diskutiert. Dort liege der Radverkehrsanteil bei 40 Prozent, wie Nordhorns Stadtbaurat Thimo Weitemeier erklärte. In Unna will man den Anteil von derzeit elf bis zum Jahr 2025 auf gerade einmal 25 Prozent anheben. Und der Weg dorthin erscheint vielen Kritikern der Unnaer Radverkehrspolitik noch sehr weit. Jüngster Ansatzpunkt für Kritik ist die scheiternde Umwidmung der Platanenallee zu einer Fahrradstraße.

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Nordhorn ist aufgrund seiner Struktur und Geschichte nur bedingt mit Unna vergleichbar. Manche Konzepte von dort erscheinen allerdings auf Unna übertragbar. So sind an zwei Stellen Fahrradstellplätze mit Bügeln zum Anschließen auf dem neuen Platz am Morgentor geplant. Könnte das nicht störend sein für das Ambiente zwischen Biergärten und Café-Terrassen? Der Nordhorner Baufachmann Weitemeier geht vom Gegenteil aus und ermunterte die Unnaer, mutig zu planen. Fahrräder, gut sortiert vor Gaststätten, trügen gerade zur gewünschten Atmosphäre bei.

Südabschnitt des neuen Platzes ab März 2020 fertig

Ein Teil dieses Ambientes soll ab März 2020 erlebbar sein. Die Stadt Unna bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass der südliche Abschnitt des Plans mit mehreren neuen Außengastronomie-Terrassen bald gebaut werde und im kommenden Frühjahr fertig sein soll.

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