Ein Mann, ein Baum und ganz viel Kunst

dzSummertime

Eine Dosis Realität gewürzt mit skurriler Performance und hoher Schauspielkunst präsentierte Peter Trabner in seinem Stück „Der Tod des Empedokles“ in der Summertime auf dem Platz der Kulturen.

von Sebastian Pähler

Unna

, 30.08.2019, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seinem Stück „Der Tod des Empedokles“ befasst sich Friedrich Hölderlin mit dem Leben, dem Werk und dem Freitod des antiken, griechischen Gelehrten Empedokles. Auf Sizilien befasste dieser sich mit allen Fragen der Natur, vor allem mit der Entstehung der Welt und welche Rolle der Mensch in ihr spielt. Er gilt als Vordenker der Vier-Elemente-Lehre, der zufolge alles aus Feuer, Wasser, Erde und Luft zusammengesetzt ist. Schließlich soll sich Empedokles in den Ätna gestürzt haben. Nicht, weil er der Welt überdrüssig war, sondern weil er davon ausging, dass alles unvergänglich und der Tod nur der Übergang in einen anderen Seinszustand sei.

All das sagt nichts und zugleich auch irgendwie alles über das assistierte Ein-Mann-Spektakel, das Peter Trabner am Donnerstag auf den Platz der Kulturen brachte.

Der Mann und der Baum

Peter Trabner ist aus Theater, Film und Fernsehen bekannt. So spielte er etwa in diversen Tatorten und anderen Fernsehkrimis mit. Dabei begann er eigentlich mit einer Ausbildung zum Mechaniker. Seine Liebe zum Schauspiel entdeckte er in den 90ern, er war als Clown, Pantomime und Performancekünstler unterwegs. Dabei arbeitete er oft, wie auch mit seinem Projekt „Der Tod des Empedokles“, im öffentlichen Raum.

Die zweite „Rolle“ in seinem Stück übernahm einer der Bäume auf dem Platz der Kulturen. Der Baum als sein einzig verbliebener Freund und Repräsentant der gesamten Natur.

Ein Mann, ein Baum und ganz viel Kunst

Bis an seine körperlichen und seelischen Grenzen ging Peter Trabner in „Der Tod des Empedokles" und nahm das Publikum dabei mit. Einige machte er dabei sogar spontan zu Nebenrollen. © Sebastian Pähler

Ungleiche Welt

Die Umwelt und soziale Ungerechtigkeit standen im Mittelpunkt des Schauspiels, bei dem Trabner Fragmente des Hölderlin-Textes mit Gedanken und Ausführungen über die Lage der Welt mischte. Dabei spielte vieles in den Köpfen des Publikums. So sprach er etwa von einer öffentlichen Probe und schilderte, wie das Bühnenbild einmal aussehen wird, mit zwei Näherinnen aus Bangladesch und Kindern aus Afrika, die zur Förderung seltener Erden gezwungen würden. Er, Trabner, würde dann auf der anderen Seite jonglieren, „und wenn das Blut spritzt, kriegt ihr das gar nicht mit“.

Mit einer sehr eigenen Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit zeigte er dahin, wo sich die Gesellschaft die Finger schmutzig macht, etwa bei der Privatisierung von Wasser durch den „Konzern mit dem Vogelnest“.

Das Publikum folgte ihm bereitwillig, auch aufgrund seines unmittelbaren, schroffen und doch nahbaren Umgang mit seinen Gästen. So band er etwa immer wieder Besucher spontan in das Stück ein oder verwickelte Passanten in Unterhaltungen. Eine beeindruckende Performance.

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