Ein Appell an die Unnaer, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen

dzPogromgedenken

Vor 80 Jahren zerstörten in Unna Männer Schaufenster. Sie vertrieben jüdische Bürger und zündeten die Synagoge an. Bürgermeister Werner Kolter weiß, dass es auch heute Ausgrenzungen gibt.

Unna

, 09.11.2018, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Gedenkveranstaltung 80 Jahre nach der Reichspogromnacht hat Unna am Freitagvormittag ein Zeichen gesetzt gegen Fremdenhass und Antisemitismus und für ein tolerantes Miteinander. Bürgermeister Werner Kolter und der Historiker Dr. Frank Ahland erinnerten in der Schwankhalle im ZIB an die Verantwortung, die sich auch für die Unnaer aus der Historie ergibt.

Männer in dunkler Kleidung

„Nicht weit von hier, 50 Meter vom Kino entfernt, trafen sich in jener Nacht dunkel gekleidete Männer. Sie zogen über die Massener Straße, zerschlugen Schaufenster, forderten Juden auf, die Stadt zu verlassen. Sie wurden beobachtet von Bürgen und Polizisten, die nicht eingriffen“, zeichnete Kolter das Bild der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Unna.

„Die Erinnerung ist die einzige Brücke zwischen dem Gestern und dem Morgen.“
Bürgermeister Werner Kolter

Die mit Eisenstagen bewaffneten Männer zogen damals auch über die Bahnhof-, Gerhart-Hauptmann- und Schäferstraße und setzten schließlich die Synagoge in Brand. Kolter rief die Bürger auf, aufmerksam und sensibel zu sein. In Unna würden auch heute Menschen ausgegrenzt und tätlich angegriffen. „Das darf aber kein Alltag sein!“

Vor Feinden der Demokratie warnen

Hauptredner war der Historiker Dr. Frank Ahland. Er machte deutlich, dass in der deutschen Geschichte immer auch rechtes Gedankengut eine Rolle gespielt hat. Er verwies etwa auf die gescheiterte Deutsche Revolution 1848/49, auf die Geschichte der Alldeutschen und schließlich auch auf die jüngsten Geschehnisse in Chemnitz und die Rolle der AfD. Gefährlich für die Demokratie seien nicht nur die antisemitischen Strömungen, die es in der Partei auch gebe, sondern vor allem die Struktur der AfD. An einer Stelle gab es sogar Zwischenapplaus. Ahland hatte erklärt, Lehrer müssten die demokratischen Grundsätze vermitteln. Dazu gehöre es auch, vor Feinden der Demokratie zu warnen. Aktuell gibt es Berichte, die AfD entwickle Druck auf Lehrer, die Partei nicht zu kritisieren.

Kollektive Verantwortung

Ahland erklärte, Gegnern der Demokratie fehle die Fähigkeit, Schuld einzugestehen – „selbst wenn es nicht die persönliche Schuld ist“. Es gehe um eine kollektive Verantwortung, die sich für die Deutschen aus der Historie ergebe. Symbolisch legte Kolter am Denkmal für die Opfer des Naziregimes in Unna einen Kranz nieder. Der Bürgermeister freute sich, dass die Gedenkveranstaltung auf großes Interesse stieß.

Die Unnaer Jusos erinnern heute Abend (Freitag, 9. November) mit einer anderen Aktion an die Opfer der Nazis. Gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Düsberg unternehmen sie einen Rundgang, bei dem sie jeden Stolperstein besuchen. Treffpunkt ist am Alten Markt um 17 Uhr. Alle Interessierten sind eingeladen.
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