Das Buch „Schätze der Menschheit: Unna Innenstadt“ bringt in Bild- und Textform die beliebten musikalischen Touren der „Höllenhunde“ durch Unnas Innenstadt zurück. © Anna Gemünd
Freizeit

Ein amüsanter Rundgang durch Unnas Innenstadt – ganz coronakonform

Die Beatles waren in Unna? Die Kelly Family durfte nicht in der Innenstadt auftreten? Die Festa Italiana hat einen neuen Veranstaltungsort? Das wussten Sie nicht? Dann wird es höchste Zeit für einen Rundgang durch Unna.

Die Innenstadt von Unna ist dieser Tage meistens ziemlich leer. Die Geschäfte, die sonst zahlreiche Besucher zum Einkaufsbummel in die Fußgängerzone locken, sind durch den verlängerten Lockdown noch bis mindestens 14. Februar geschlossen. Trotzdem gibt es Sehenswertes in Unnas Innenstadt zu entdecken – und dafür muss man sogar noch nicht mal vor die Tür.

„Schätze der Menschheit: Unna Innenstadt“ heißt das Buch, das Jürgen Münstermann der Fußgängerzone gewidmet hat. Und was so simpel wie provokant klingt, hat durchaus das Potenzial, den Blickwinkel auf die Unnaer Innenstadt zu verändern. Münstermann ist einer der „Höllenhunde“, jener Musikergruppe, die ab Herbst 2018 regelmäßig Führungen durch Unnas Innenstadt anbot, um auf diese Weise Spenden für die Sanierung der Stadtkirche zu sammeln.

Eindrücke der beliebten Stadtführungen in einem Buch

Ihre Touren waren begehrt: Die Mischung aus Heimatkunde und Musik, geschickt kombiniert zu launischen Liedern, die stets an den Originalschauplätzen vorgetragen wurden, begeisterte zahlreiche Teilnehmer. Aus dieser Stadtführung der etwas anderen Art hat Jürgen Münstermann zusammen mit Rosa Graßhoff einen unterhaltsamen Bildband zusammengestellt, der die Stimmung dieser Touren wunderbar einfängt.

Der Brunnen vor dem Rathaus soll neben seiner Bedeutung für die Kunst auch eine ganz praktische Funktion haben: Er verhinderte Auftritte der „Kelly Family“ in Unnas Mitte.
Der Brunnen vor dem Rathaus soll neben seiner Bedeutung für die Kunst auch eine ganz praktische Funktion haben: Er verhinderte Auftritte der „Kelly Family“ in Unnas Mitte. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Wer sich auf die literarische Version des Rundgangs begibt, beginnt – natürlich – vor dem Rathaus. Wer sich schon immer gefragt hat, welche Funktion die dortige Brunnenplastik von Carl Ernst Kürten hat, bekommt in dem Buch die Antwort: Sie sollte den Platz vor dem Rathaus füllen und damit Auftritte der Kelly Family in der Unnaer Innenstadt erschweren. Diese Form der Kulturpolitik hat laut Münstermann wunderbar funktioniert: „Die Kellys durften erst 1994 und dann auch nur auf dem Neumarkt abseits der Fußgängerzone auftreten“.

Königsborner Tor kommt zu Ehren

Nicht weit entfernt findet sich der nächste künstlerische Höhepunkt: Als „3-Treppen-Allegorie“ kommt der Treppenabgang zum Bahnhof neben dem Rathaus daher – inklusive Periskop, mit dem sich aus der Innenstadt ganz einfach Königsborn kontrollieren lässt.

Darf auf keinem Rundgang durch Unnas Innenstadt fehlen: Das Treppen-Ensemble zwischen Bahnhof, Rathaus, Katharinenkirche und Katharinenhof.
Darf auf keinem Rundgang durch Unnas Innenstadt fehlen: Das Treppen-Ensemble zwischen Bahnhof, Rathaus, Katharinenkirche und Katharinenhof. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Apropos Königsborn: 27 Meter Dunkelheit muss durchschreiten, wer aus der Unnaer Innenstadt in Unnas größten Ortsteil gelangen will. Dem „Königsborner Tor“ widmen die „Höllenhunde“ ein eigenes Lied: „Glückauf wie es früher hieß, gleich betreten wir das Paradies, es ist von den Jungfrau‘n auserkoren, hinter diesem Tor liegt Bad Königsborn“.

Wer hier hinab steigt, kommt nach 27 Metern in Unnas größtem Ortsteil an: Das Königsborner Tor führt natürlich nach Königsborn.
Wer hier hinab steigt, kommt nach 27 Metern in Unnas größtem Ortsteil an: Das Königsborner Tor führt natürlich nach Königsborn. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Die „Festa“ bald im Klosterviertel?

Wer es lieber etwas neuzeitlicher mag, kann versuchen, auf der Schäferstraße den exakten Punkt zu finden, von dem aus man sechs Nagelstudios, fünf Friseur-Geschäfte und ein Sushi-Restaurant gleichzeitig sehen kann. Hinweise auf diesen Punkt gibt das entsprechende Foto in Münstermanns Buch.

Irgendwo hier liegt er, der Punkt auf der Schäferstraße, von wo aus man sechs Nagelstudios, fünf Friseur-Geschäfte und ein Sushi-Restaurant gleichzeitig sehen kann.
Irgendwo hier liegt er, der Punkt auf der Schäferstraße, von wo aus man sechs Nagelstudios, fünf Friseur-Geschäfte und ein Sushi-Restaurant gleichzeitig sehen kann. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

In unmittelbarer Nachbarschaft der Schäferstraße findet sich jener Ort, der Gerüchten zufolge wohl bald zur Veranstaltungsfläche der beliebten „Festa Italiana“ werden soll: das Klosterwall-Viertel. Warum das größte italienische Fest nördlich der Alpen hierhin verlegt werden soll? Das Münstermann-Buch liefert die Antwort: Es wurde ein Ort gesucht, an dem Menschen wohnen, die ohnehin nicht mehr so gut hören und sehen können und an dem auch das alltägliche Stadtleben nicht merklich gestört wird.

Von wegen London: Das berühmte „Abbey Road“-Plattencover der Beatles entstand Gerüchten zufolge in Unna - und zwar an der Kreuzung zwischen Nicolaischule und Katharinen-Hospital.
Von wegen London: Das berühmte „Abbey Road“-Plattencover der Beatles entstand Gerüchten zufolge in Unna – und zwar an der Kreuzung zwischen Nicolaischule und Katharinen-Hospital. © Archiv/Hennes © Archiv/Hennes

Und auch die legendären „Fab Four“ sind auf diesem Rundgang durch Unnas Innenstadt anzutreffen – zumindest im Geiste. Das weltberühmte Cover der Beatles-Platte „Abbey Road“ entstand nämlich keinesfalls in London. Vielmehr war es die Kreuzung vor dem Krankenhaus und der Nicolaischule und der dortige Zebrastreifen, der den Pilzköpfen als Kulisse diente. Glauben Sie nicht? Dann sollten Sie einen Blick in „Schätze der Menschheit: Unna Innenstadt“ werfen.

Das Buch „Schätze der Menschheit: Unna Innenstadt“ ist in der Pralinothek an der Bahnhofstraße erhältlich. Dies hat als Lebensmittelgeschäft auch im Lockdown geöffnet.

Über die Autorin
Redaktion Unna
Sauerländerin, Jahrgang 1986. Dorfkind. Liebt tolle Geschichten, spannende Menschen und Großbritannien. Am liebsten draußen unterwegs und nah am Geschehen.
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Anna Gemünd
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