Eichenprozessionsspinner: Unna soll „Hype“ um Bekämpfungsmaßnahmen nicht mitmachen

dzSchädling

Die giftigen Raupen des Eichenprozessionsspinners haben im Sommer auch in Unna für Aufregung gesorgt. Mit Vorsorgemaßnahmen wollen sich die Verantwortlichen aber zurückhalten. Teuer war das Insekt allerdings 2019.

Unna

, 21.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Schädling hat 2019 derart für Aufsehen gesorgt wie der Eichenprozessionsspinner. Der Falter bevorzugt Eichen als Brutstätte und Nahrungsquelle. Seine Raupen durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien. Und in einem haben sie unzählige feinste Haare. Diese führen zu teils heftigen allergischen Reaktionen, wenn sie mit menschlicher Haut in Berührung kommen. 2019 traten diese Raupen in Unna und zahlreichen anderen Orten im Land gehäuft auf.

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Behörden veranlassten, dass betroffene Bäume so abgesperrt wurden, dass niemand mit den Tieren beziehungsweise ihren Nestern in Kontakt kam. So wurden zwischenzeitlich Wege oder Plätze gesperrt oder Warnschilder installiert. Dann wurden Raupen und Nester von Fachkräften in Schutzanzügen mit speziellen Saugern entfernt. Rund 50.000 Euro habe die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners im vergangenen Jahr an städtischen Bäumen in Unna gekostet, berichtet Ralf Calovini von den Stadtbetrieben. Sie sind für städtische Bäume verantwortlich und beauftragten jeweils spezielle Schädlingsbekämpfer, wenn Spinnerraupen gesichtet wurden.

Dampf, Schaum, Duftfallen und Meisen

In anderen Kommunen will man für das kommende Jahr Vorsorgemaßnahmen ergreifen. Über die Bekämpfung mit Wasserdampf oder Schaum und das Installieren von Duftfallen wird in Werne nachgedacht. Auch in Bergkamen haben die Verantwortlichen entschieden, verschiedene Dinge auszuprobieren - auch auf die Gefahr, dass sie nicht erfolgreich sind.

Wie in Werne gehören dazu auch Nistkästen. Idealerweise brüten darin Meisen. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners stehen in einem bestimmten Entwicklungsstadium auf dem Speisezettel dieser Vögel. Meisen fangen besonders viele Raupen, wenn sie ihren Nachwuchs großziehen.

Schädlingsbekämpfung: Ein gutes Geschäft

Und in Unna? „Ich laufe nicht jedem Hype hinterher“, sagt Ralf Calovini. Er kennt Bekämpfungsmethoden, die in anderen Orten erprobt werden. „Da tun sich auch Märkte auf“, deutet er an. Abgesehen davon, dass die Maßnahmen wiederum Geld kosten und ihre Wirksamkeit nicht erwiesen ist, sieht Calovini auch Nachteile.

Skepsis gegenüber „Hype“-Maßnahmen

Beispiel Schaum: „Ich muss nicht mit Chemie in die Natur gehen“, sagt Calovini. Und Wasserdampf müsse erst einmal durch das Erhitzen von Wasser erzeugt werden. „Dafür verbraucht man auch wieder Ressourcen.“ Mit dem Absaugen habe man in Unna eigentlich gute Erfahrungen gemacht und auch das Anlegen neuer Nester verhindern können. Können Nistkästen für die Förderung raupenfressender Meisen helfen? Calovini: „Da warten wir mal auf die Erfahrungen in anderen Orten.“

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