2500 Euro und Ehering weg: Vermeintliche Dachdecker zocken Rentnerehepaar ab

dzHandwerkertrick

Erwin und Helga Mohns aus Königsborn sind froh, als vermeintliche Dachdecker spontan ihr Hausdach sanieren wollen. Viel zu spät realisieren sie, dass sie sich auf ein krummes Geschäft eingelassen haben.

Unna

, 27.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erwin und Helga Mohns aus Unna-Königsborn können noch immer nicht richtig glauben, was ihnen passiert ist: Die beiden Rentner sind falschen Handwerkern auf den Leim gegangen. 2500 Euro haben sie für Arbeiten an ihrem Hausdach bezahlt, die nicht oder nur stümperhaft durchgeführt worden sind.

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Dachdecker klingeln an der Haustür

„Es ging alles so schnell“, sagt Erwin Mohns, als er erzählt, wie er und seine Frau auf die augenscheinlichen Betrüger reingefallen sind: An einem Nachmittag im November klingelt es an der Haustür des Ehepaars. Zwei Handwerker in typischer Kleidung geben vor, am gegenüberliegenden Mietshaus Dachdeckerarbeiten durchgeführt zu haben. Dabei sei ihnen aufgefallen, dass am Reihenhaus der Mohns einzelne Dachziegeln locker seien. Gegen eine Entschädigung von 20 Euro wären die Handwerker bereit, diese wieder zu richten, so ihr Angebot. „Da hätte ich schon merken müssen, dass etwas nicht stimmt“, sagt Erwin Mohns jetzt.

„Ich war wie unter Hypnose und konnte meinen eigenen Willen nicht durchsetzen.“
Erwin Mohns, Rentner

Im November ist aber das Gegenteil der Fall: Der Rentner willigt ein, bittet die Handwerker aufs Dach – und lässt sich ein weiteres Angebot unterbreiten. Für einen Preis von 2500 Euro würden die Dachdecker das komplette Dach sanieren. Auf die Arbeiten erhalte das Ehepaar Mohns dann zehn Jahre Garantie und spare die Mehrwertsteuer, sofern es direkt in bar bezahle.

Ein besonderes Glück der Handwerker: Die Rentner planen zufällig tatsächlich, ihr Dach zu sanieren, haben für die Finanzierung sogar extra einen Kredit aufgenommen. „Das Projekt war zwar erst für 2020 angedacht, aber weil die Dachdecker wie gerufen vor der Tür standen, haben wir sie machen lassen“, sagt Helga Mohns.

2500 Euro und Ehering weg: Vermeintliche Dachdecker zocken Rentnerehepaar ab

Erwin Mohns wünscht sich, dass das Dach seines Reihenhauses im neuen Jahr tatsächlich saniert wird. Dafür fehlt jetzt aber das Geld. © Marcel Drawe

Ein Fehler, der die Mohns 2500 Euro kostet – und den Verlust von Erwin Mohns Ehering, der in der Küche lag. Dass dieser weg ist, fällt den Rentnern erst auf, nachdem sie die Handwerker für ihre Arbeiten bezahlt haben und diese mit dem Geld verschwunden sind. Was bleibt, ist eine Rechnung. Ohne Firmenadresse, ohne Namen, ohne detaillierte Auflistung der Arbeiten. Dass diese gar nicht oder nur stümperhaft durchgeführt worden sind, stellt eine andere Dachdeckerfirma erst später bei einem Gutachten fest. Erwin Mohns entscheidet sich daraufhin, Anzeige wegen Betrugs zu erstatten.

„Im Zweifel müssen sich die Betroffenen besser informieren, Preise vergleichen und sich am besten nicht auf Haustürgeschäfte einlassen.“
Volker Eggenstein, Polizei Unna

„Rechtlich gesehen keine Straftat“

Die Aussicht, das Geld zurückzuerhalten, sei aber gering, wie Volker Eggenstein von der Polizei Unna erklärt: „Vermeintliche Handwerkerarbeiten sind rechtlich gesehen keine Straftat, sondern zivilrechtliche Handlungen. Wenn sich zwei Parteien auf Leistung und Preis verständigen und der Kunde dafür zahlt, ist das Eigenverschulden“, sagt er. „Im Zweifel müssen sich die Betroffenen besser informieren, Preise vergleichen und sich am besten nicht auf Haustürgeschäfte einlassen.“ Denn genau das nutzen die Täter aus: Dass die Opfer sich überrumpelt fühlen, spontanen Leistungen zustimmen und im Affekt somit anders handeln, als sie es nach reiflicher Überlegung tun würden.

„Wie unter Hypnose“

So beschreibt auch Erwin Mohns seinen Zustand: „Ich war wie unter Hypnose und konnte meinen eigenen Willen nicht durchsetzen“, sagt er. Besonders ärgerlich für den Rentner: Er halt selbst jahrelang als Polizeibeamter gearbeitet, ist mit Tricks von Betrügern und krummen Geschäften eigentlich vertraut. „Aber im Alter wird man langsamer, da reagiert man nicht mehr so schnell“, sagt er.

Das wurde dem Ehepaar jetzt zum Verhängnis. Ob es das Dach im neuen Jahr wie geplant sanieren lässt, steht noch in den Sternen. Denn das dafür vorgesehene Geld ist erstmal weg - und die Mohns noch immer fassungslos.

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