Ehepaar aus Unna hadert mit Firmengeflecht um Vermieter

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Ein Ehepaar aus Unna ist von einem Wasserschaden betroffen. Ob der Vermieter für den Schaden aufkommen muss, ist unklar. Nicht nur das: Selbst die Frage, wer der Vermieter ist, ist knifflig.

von Dirk Becker, Jana Peuckert

Unna

, 17.09.2019, 13:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer eine Klage anstrengt, geht immer ein Risiko ein. Ob das zuständige Gericht den Fall so bewertet wie der Kläger, ist unklar. Ein Ehepaar aus Unna musste jetzt die Erfahrung machen, dass ihr Vermieter gar nicht der ist, den sie vermutet hatten. Offensichtlich muss man auch im Fall einer Klage ganz genau in den Mietvertrag schauen, denn Wohnungsgesellschaften stricken oft Firmengeflechte, die den Durchblick erschweren.

Zivilrechtlicher Prozess

Wie wichtig es sein kann, genau zu wissen, wer sein Vermieter ist, zeigt ein Fall, der aktuell einen Zivilrichter im Amtsgericht Unna beschäftigt. Im Fokus steht eine große Wohnungsgesellschaft, die in Unna viele Immobilien besitzt. Kläger ist ein Ehepaar, das ihre vier Wände von genau dieser Gesellschaft gemietet hat – das denken die beiden jedenfalls.

Wasserschaden mit großen Folgen

Grund für den Gang zum Richter ist ein Wasserschaden aus dem vergangenen Jahr. Am 26. Februar 2018, so der Ehemann, hätten sie erstmals gemeldet, dass sich Schimmel in ihrer Wohnung befinde. „In der Küche fing es an, dann war was im Kinderzimmer“, erklärter der Kläger. Zwei Tage später sei jemand gekommen und hätte Feuchtigkeit festgestellt. Anfang März habe es dann mehrere Telefonate mit immer wechselnden Personen der Wohnungsgesellschaft gegeben. Am 10. April seien zwei Monteure gekommen, hätten die Wand geöffnet und auf ein defektes Heizungsrohr getippt.

Umzug in eine Ersatzwohnung

Wie sich später herausstellte, war Quelle des Übels aber ein Rohr an der Abwaschspüle. 14 Tage später sei ihnen mitgeteilt worden, dass sie in eine Ersatzwohnung ziehen müssten, was Anfang Juni auch geschah. Bis dahin habe das Wasser viel Schaden an Möbeln und anderen Gegenständen des Paares angerichtet. Nach dem Rückzug Anfang November seien eine Garderobe, zwei Kleiderschränke, Küchenunterschränke, ein Schuhschrank und ein Mehrzweckschrank zerstört gewesen. Zudem habe er 300 Schallplatten und seine Stereoanlage entsorgen müssen, erklärte der Ehemann.

„Versprechungen nicht eingelöst“

Ihnen sei zugesagt worden, mischte sich der Sohn des Paares ein, während der Zeit in der Ersatzwohnung keine Miete zahlen zu müssen. Tatsächlich habe es aber lediglich für den Monat November eine Verringerung von 557,22 auf 193,47 Euro gegeben. Die restlichen Monate hätten sie voll bezahlt, so das Paar. Sie forderten nun Schadensersatz für die Möbel und Erstattung der abgezogenen Mieten.

Tipps

Genau hingucken

  • Wer eine Klage anstrengen will oder muss, sollte einen genauen Blick in den Mietvertrag werfeen. Dort ist der Vermieter genannt.
  • Gerade bei älteren Mietverträgen kann es Veränderungen geben – etwa weil ein Haus verkauft oder auf ein anderes Unternehmen überschrieben wird. In einem solchen Fall muss der Vermieter den Mieter über die Veränderungen informieren. Entsprechende Schreiben sollten gemeinsam mit dem Mietvertrag aufbewahrt werden.
  • Bestehen Zweifel, wer der Vermieter ist, hilft ein Anruf bei dem Unternehmen, das im Mietvertrag genannt ist. Dieses kann die eigene Vermieterrolle bestätigen oder auf Änderungen verweisen.

Anwalt verweist auf Tochtergesellschaft

Während auf der Klägerseite mit dem Ehepaar und dessen Anwalt drei Personen Platz genommen hatten, wirkte die Seite des Beklagten mit gerade einmal einem Advokaten eher spärlich besetzt. Aus gutem Grund, wie der Anwalt erklärte. Denn, nicht die von den Klägern angeklagte große Wohnungsgesellschaft sei Vermieter, sondern eine ihrer Tochtergesellschaften. Und die, so der Anwalt, stehe für sich selbst.

Zu einer Entscheidung kam es noch nicht. Der Angelegenheit soll nun erst einmal auf den Grund gegangen werden. Zudem müsste die Höhe des entstandenen Schadens ermittelt werden, schloss der Richter die Sitzung.

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