Sie sind bis 20 Stundenkilometer schnell und scheinen eine gute Alternative zum Auto zu sein: E-Scooter sind gerade im Kommen. Die Unnaer Polizei klärt auf - bevor es zu Unfällen mit den ungewohnten Fahrzeugen kommt.

von Sebastian Pähler

Unna

, 03.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den ersten Blick scheinen E-Scooter für viele eine gute Alternative zum Fahrrad, wenn es darum geht, umweltschonend kurze Strecken zurück zu legen. Besser als das Auto zum Brötchenholen oder auf dem Weg zum Bahnhof zu benutzen, scheinen sie allemal. Aber „E-Scooter sind keine Spielzeugroller, sondern versicherungspflichtige Kraftfahrzeuge“, betonte der Verkehrsdienst der Polizei jetzt bei einer Informationsveranstaltung in Unna. Mit Anschauungsmaterialien und gut informierten Beamten als Ansprechpartnern stand der Verkehrsdienst vor dem Rathaus bereit, um allgemeine und spezielle Fragen zum Thema zu beantworten.

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Information ist am wichtigsten

Über den Sinn und Unsinn von Elektrorollern als Verkehrsmittel lässt sich lange debattieren. Generell betrachten Experten Elektro-Tretroller eher kritisch. So gibt es mit Klappfahrrädern und herkömmlichen Rollern bereits eine Reihe von Alternativen, die den elektrisch motorisierten Kleinstfahrzeugen vorzuziehen sind. Die muskelbetriebenen Varianten sind nicht nur gesünder, sondern auch besser für die Umwelt, da die Herstellung von Akkus in der Regel den Einsatz von viel Energie und problematischer Rohstoffe bedarf.

Unfälle passieren schnell, da der E-Roller unterschätzt wird

Auch Unfälle mit E-Rollern können schnell passieren und drastische Folgen haben, da viele Nutzer die hohe Beschleunigung der Elektromotoren unterschätzen.

In Unna hat es noch keine schlimmen Unfälle gegeben, aber man wolle lieber informieren, bevor etwas passiert ist, erklärte Thomas Stoltefuß. Auch wolle man den Bürger die Rechtslage erklären, so der Leiter des Verkehrsdienstes. „Es geht uns nicht darum, Strafen zu verteilen“, sondern man wolle die Sicherheit für alle Teilnehmer im Verkehr gewährleisten.

„E-Scooter sind keine Spielzeugroller, sondern versicherungspflichtige Kraftfahrzeuge. Fehlender Versicherungsschutz ist eine Straftat.“
Thomas Stoltefuß, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Unna

Die wichtigste Regel ist, sich vorab genau zu informieren, denn im Zweifel schütze Unwissenheit vor Strafe nicht. Und die können empfindlich sein. Denn auch wenn sich die Elektro-Tretroller nach wenig mehr als Spielzeugen anfühlen, gelten sie als Kraftfahrzeuge und sind als solche Versicherungspflichtig. „Fehlender Versicherungsschutz ist eine Straftat“, ermahnte Stoltefuß, und eben keine Ordnungswidrigkeit.

Nur wenige E-Roller sind Legal

Wie ein ordnungsgemäßer E-Scooter aussehen kann demonstrierte Michael Jahn vom Verkehrsdienst der Polizei. Für die Informationsveranstaltung hatte er seinen privaten Tretroller gegen ein elektrisches Modell getauscht. „Es gibt noch nicht viele auf dem Markt, die der Verordnung entsprechen“, betonte er. Dafür sind im Handel unzählige Modelle, meist von chinesischen Herstellern, die eben nicht gestattet sind.

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Maximal 20 Stundenkilometer sind erlaubt

Nach der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung darf ein E-Scooter maximal 20 km/h schnell fahren. Er braucht zwei voneinander unabhängige Bremsen, Beleuchtung und seitlich angebrachte gelbe Rückstrahler, so wie eine Klingel.

Darüber hinaus benötigt der E-Roller auch eine Betriebserlaubnis. Um die muss der Besitzer sich nicht selbst kümmern, sie wird vom Hersteller für das konkrete Modell eingeholt. Das eine solche vorhanden ist erkennt man am Fabrikschild mit der Aufschrift „Elektrokleinstfahrzeug“.

Zu beachten ist hierbei, dass jede Veränderung den Roller technisch gesehen zu einem anderen Fahrzeug macht. Wer beispielsweise über ein Chiptuning mehr Geschwindigkeit rausholt, ist nicht nur mit einem ungenehmigten Fahrzeug unterwegs, sondern macht sich eventuell sogar des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig.

Schließlich braucht ein E-Scooter auch noch eine Haftpflichtversicherung, die man in der Regel bei allen Versicherern abschließen kann. Die Versicherungsplakette wird hinten an dem Roller befestigt.

E-Scooter: Die Polizei Unna setzt auf Prävention

Michael Jahn vom Verkehrsdienst demonstriert einen der wenigen E-Scooter, die nach dem neuen Gesetz legal in Betrieb sind. Ganz wichtig ist die Versicherungsplakette hinten am Fahrzeug. © Sebstian Pähler

Wie und wo man fahren darf

Grundsätzlich gilt ein Mindestalter von 14 Jahren. Fahren ist nur auf Radwegen und wenn keiner vorhanden ist, auf der Straße genehmigt. Gehwege, und damit auch die Fußgängerzone, sind tabu.

Eine Fahrerlaubnis ist nicht erforderlich. Wie beim Fahrrad besteht keine Helmpflicht, das Tragen eines Helmes ist aber aufgrund der starken Beschleunigung und der Sturzgefahr dringend empfohlen.

Wer alkoholisiert fährt, gefährdet seinen Führerschein. Denn wer mit 0,5-1,09 Promille ein Kraftfahrzeug führt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. In der Regel bedeutet das 500 Euro Bußgeld und einen Monat Fahrverbot, so wie zwei Punkte in Flensburg. Wer darüber hinaus alkoholbedingte Auffälligkeiten zeigt, wie etwa das Fahren von Schlangenlinien, ist schon ab etwa 0,3 Promille im Bereich einer Straftat unterwegs.

Viele Sonderfälle

Bei der Infoveranstaltung waren die Beamten auch mit einigen Sonderfällen konfrontiert. So sind sogenannte „Onewheels“, die wie Skateboards mit nur einem großen Rad in der Mitte aussehen, zwar coole Sportgeräte, aber nicht genehmigungsfähig. Rollern Marke Eigenbau fehlt die Betriebsgenehmigung, selbst wenn sie allen Auflagen gerecht werden. Eine solche kann zwar eingeholt werden, die Prüfung ist aber sehr teuer und lohnt sich für Privat in der Regel nicht. Manche älteren Elektroroller gelten gesetzlich als Mofas und sind wie ein solches zugelassen.

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