Corona-Krise trifft das Aluwerk Unna: drei Wochen Betriebsruhe

dzWirtschaft in Unna

Während andere Unternehmen ihren Betrieb wieder hochfahren, stehen im Aluwerk Unna viele Anlagen still. Das Unternehmen hat sich eine dreiwöchige Betriebsruhe verordnet. Statt Kurzarbeit gibt es Werksferien.

Unna

, 03.06.2020, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch das Aluwerk Unna bekommt nun die Folgen der Coronavirus-Pandemie zu spüren. Hatte der eigentliche „Lockdown“ den Betrieb am Uelzener Weg nur wenig beeinträchtigt, so sind es jetzt die wirtschaftlichen Folgen, die das Unternehmen treffen.

Wichtige Abnehmer des Aluwerkes hätten ab April darum gebeten, Liefertermine zu verschieben. Flugzeug- und auch Automobilbau laufen stark reduziert, in den Zulieferpipelines steckt mehr als genug Material. Würde das Aluwerk nun in gewohntem und geplantem Umfang weiterproduzieren, müssten die Erzeugnisse erst einmal eingelagert werden.

Betriebsruhe statt Kurzarbeit

Das Werk hat sich für einen anderen Weg entschieden. In dieser und in den kommenden beiden Wochen gilt eine „Betriebsruhe“, in der wechselnde Teile des Unternehmens den Betrieb einstellen, aber Anlagen gewartet oder überholt werden, um die Zeit der Produktionspause sinnvoll zu nutzen, wie Vorstand Volker Findeisen erklärt.

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In dieser Woche betrifft die Pause Gießerei und Warmpresswerk, ab der kommenden Woche Zieherei, Fertigmacherei und Versand. Etwa 50 der 370 Beschäftigten sind am Standort, um das zu tun, was auch in der Betriebsruhe zu tun ist.

Mitarbeiter verzichten auf Zusatzleistung

Formell befinden sich die Mitarbeiter während der Pause im Urlaub. Das haben Vorstand und Betriebsrat miteinander vereinbart. „Wir haben uns nach Gesprächen mit der Belegschaft gegen Kurzarbeit entschieden, um die damit verbundenen Einbußen zu umgehen“, so Findeisen. Stattdessen „bezahlt“ das Werk die Pause aus einer zusätzlichen Leistung, die der Tarifvertrag der Aluwerker vorsieht.

Neben den regulären Monatsgehältern, dem Urlaubs- und dem Weihnachtsgeld beziehen die Aluwerker auch ein jährliches „Zusatzgeld“, das einmal im Rahmen der Flexibilisierung der Arbeit eingeführt worden ist. Dieses Geld kann in Urlaubstage umgewandelt werden und entspricht je nach Fall sechs bis acht zusätzlichen Tagen, die ein Mitarbeiter für persönliche Anliegen einsetzen kann.

Hintergrund dieser Regelung war einst, Mitarbeitern, die zum Beispiel einen Angehörigen pflegen müssen, etwas mehr Luft zu verschaffen. Nun allerdings setzen die Aluwerker diesen Krisenpuffer zur Bewältigung der Corona-Folgen ein: Das Zusatzgeld wird kollektiv in Urlaub umgewandelt und nun im Juni wahrgenommen. Die Gehälter kommen unvermindert zur Auszahlung.

Findeisen hofft auf sinnvolle Konjunkturmaßnahmen

Aluwerk-Chef Volker Findeisen hofft, dass die dreiwöchige Pause wesentlich dazu beiträgt, den Stau in den Produktionsketten zumindest zu lindern. Dennoch zeigt sich der erfahrene Manager sorgenvoll: „Wir gehen noch nicht davon aus, dass hinsichtlich der Krise bereits das Ende erreicht ist. Vieles wird auch davon abhängen, welche Impulse jetzt politisch gesetzt werden.“

Neben der Aussicht auf eine Belebung der Wirtschaft könne die Diskussion um Konjunkturprogramme aber auch negative Nebenwirkungen haben, verdeutlicht Findeisen: „Wenn alle auf eine Abwrackprämie für die Automobilbranche warten, kauft niemand ein Auto, bevor sie kommt“, so Findeisen. So habe sich die Politik vielleicht selbst unter Zugzwang gesetzt.

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Die aktuelle Krise hat das Aluwerk Unna in einer vergleichsweise starken Phase getroffen. Noch im März sei der Betrieb über den Planungen des Managements gelaufen, und auch April und Mai bewertet Findeisen als „passabel“.

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