Dorfladen für Lünern: Experte berät Bürgerinnen und Bürger, die selbst aktiv werden könnten

dzNahversorgung

Über die Bereitschaft, als Dorfgemeinschaft einen Laden zu betreiben, diskutierte am Freitag die Interessengemeinschaft „Wir in Lünern“ mit Bürgern. Trotz Skepsis besteht Interesse an dem Projekt.

von Sebastian Pähler

Unna

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Sehnsucht nach einem Dorfladen ist groß in Lünern – das wurde bei der Diskussion deutlich. „Wir in Lünern“ hatte zu einem Treffen ins Ludwig-Polscher-Haus eingeladen und sehr viele waren dem Aufruf gefolgt. „Das Thema brennt wohl vielen auf den Nägeln“, stellte Helmut Eichhorst von „Wir in Lünern“ fest. Schließlich fehle mit dem Laden nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein Treffpunkt im Dorf. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessierten sich für die neue Perspektive, die Nahversorgung im Dorf zu verbessern.

Nachdem drei Versuche, ein Lebensmittelgeschäft in Lünern regulär zu betreiben, gescheitert waren, bildete sich ein Arbeitskreis von „Wir in Lünern um dem Problem kreativ zu begegnen. So erwies sich etwa der „Brötchenexpress“, bei dem Ehrenamtliche aus dem Dorf am Wochenende frische Backwaren aus einem Marktwagen heraus verkaufen, als großer Erfolg. „Wenn wir wirklich Erfolg haben wollen, muss sich das Dorf selber aufmachen“, so Gabi Olbrich-Steiner vom Arbeitskreis. Das Konzept des Dorfladens geht in eine ähnliche Richtung, spinnt die Idee aber noch mal ein Stück weiter.

Ein Experte wurde herangezogen, der von seinen Erfahrungen berichtet hat

Wie Nachbarschaften gemeinsam funktionierende Dorfläden betreiben können, erläuterte Wolfgang Gröll vom „Dienstleistungsnetzwerk für Bürger- und Dorfläden in Deutschland“, der als Berater herangezogen wurde. Seit den 90ern hilft er, Nachbarschaftsgeführte Ladenkonzepte für Ortschaften mit schwacher Infrastruktur zu entwickeln.

Ein fertiges Rezept, so erklärte er gleich zu Beginn, könne es nicht geben, da ein sogenanntes „Multifunktionshaus“ immer an die Anforderungen vor Ort angepasst sein muss. So würde man beispielsweise darauf achten, bestehenden Geschäften wie Bäckern oder Postfilialen keine Konkurrenz zu machen, obwohl solche Angebote durchaus in einen Dorfladen integriert sein können.

Ehrenamtlich würde, außer in der Gründungsphase, in einem Dorfladen keiner mehr arbeiten. Das habe in der Vergangenheit nie dauerhaft funktioniert. Stattdessen sei ein solches Geschäft von der Dorfgemeinschaft „Genossenschaftlich“ geführt. So sei etwa eine Ausschüttung von Gewinnen in Form von Gutscheinen denkbar. Sinnvoll sei auch die Integration eines Dorfcafés als Treffpunkt. Alles weitere würde man dann bei der Konkreten Planung erarbeiten.

Vor allem für ältere Bewohner sei die Möglichkeit, im Ort einkaufen zu können, wichtig, um möglichst lange selbstbestimmt leben zu können. Aber am Ende profitiere jeder davon.

Wenn alles nach Plan verliefe, könnte Lünern 2020 einen Dorfladen haben

Einen Ort für ein solches Geschäft hat der Arbeitskreis bereits ausgemacht. Im Bereich der Schule soll eine Containerlösung entstehen. Mit Schule und Stadt ist man bereits im Gespräch. Vorschläge werden aber auch noch entgegengenommen. Wenn die Lünerner Bürger ihre Bereitschaft signalisieren, wird es voraussichtlich im August zu einer Gründungsveranstaltung kommen. Bis September muss dann das Konzept genau erarbeitet werden, da Fristen zum Erhalt von Fördergeldern eingehalten werden müssen. Im Bestfall kann das Projekt so mit bis zu 250.000 Euro gefördert werden, allerdings muss die Gemeinschaft 35 Prozent der Kosten selbst aufbringen.

Die Teilnehmer zeigten sich skeptisch, ob ein solches Projekt zu stemmen ist, aber auch klar interessiert: Wenn alles nach Plan verliefe, so Gröll, könne Lünern Ende 2020 seinen eigenen Dorfladen haben.

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