Dieser Lifestyle-Müll ist ärgerlich und überflüssig

dzKommentar der Redaktion

Verdreckte Bahnhöfe vermiesen nicht nur Berufspendlern den Tag: Es müsste besser saubergemacht werden. Der Müll, der hier für Ärger und Kosten sorgt, ist allerdings an sich schon ein Grundübel - ein völlig überflüssiges. Ein Kommentar.

Unna

, 01.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Mülleimer überquellen und Abfall achtlos weggeworfen wird, dann ist eigentlich klar: Hier müssen sich Menschen besser kümmern. Am Bahnhof braucht es Personal vor Ort, das regelmäßig nach dem Rechten sieht. Auch die viel beschworene Erziehung spielt eine Rolle: Man wirft Müll nicht einfach weg. Das lernen schon kleine Kinder eigentlich. Doch diese beiden Stellschrauben müssten eigentlich gar nicht gedreht werden: Der Müll gehört gar nicht erst in die Gesellschaft.

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Wer braucht Coffee-to-go-Becher?

Es ist ja nicht so, als würden hier die Packungen von Blutkonserven oder von Grundnahrungsmitteln weggeworfen: Wer sich die übervollen Abfalltonnen einmal ansieht, der entdeckt darin fast ausschließlich die Überreste überflüssiger Lifestyle-Produkte. Wer braucht Coffee-to-go-Becher? Niemand. Wir alle glauben, sie zu brauchen, weil es so gemütlich und bequem ist, sich mal eben einen Kaffee zu holen, um damit auf den Zug zu warten. Man sieht damit auch schick aus. Gerade diese Becher, die in aller Regel nicht wiederverwertet werden können, türmen sich zu gigantischen Müllbergen auf. Die hohen Entsorgungskosten muss auf irgendeinem Weg die Allgemeinheit tragen. Dasselbe gilt für die Schachteln und Tüten von Burgern und Pommes, die aus dem Fastfood-Restaurant mitgenommen werden: vollkommen verzichtbar.

Unnötige „Kippen“

Die ekligen Zigarettenkippen sind genauso unnötig. Wie kann es sein, dass in Deutschland nach wie vor Zigaretten und die Werbung dafür praktisch an jeder Ecke verfügbar sind? Die „Kippe“ in der Hand zu haben - und nachher ob neben oder in den Aschenbecher auf Kosten aller zu entsorgen - ist immer noch für viele jüngere wie ältere Menschen „cool“. Dass Rauchen aufgrund seiner gesundheitlichen Folgen noch um ein Vielfaches teurer ist für die Gesellschaft als die Entsorgung der Glimmstengelreste, wird auch kein vernunftbegabter Mensch mehr bestreiten.

Menschliche Unvernunft siegt

Denken wir uns diese Müllsorten einmal weg, weil sie nicht mehr da sind: Niemandem würde etwas fehlen. Raucher, die aufgehört haben, genießen ihre neue Freiheit und Gesundheit. Kaffee an der Ecke lässt sich auch in wiederverwertbare Becher füllen. Und wer ihn einfach zu Hause trinkt, dem geht es auch nicht schlechter. Doch es gibt keinen Gesetzgeber, der sich trauen würde, konsequent gegen diese Dinge vorzugehen. Hier und da diskutieren Menschen halbherzig darüber, es gibt die ersten Versuche mit Pfandbechern. Das Rauchverbot in Kneipen hat leider Kneipen geschadet, zum Glück viele Menschen entwöhnt, aber geraucht wird immer noch. Der Mensch handelt unvernünftig, gegen sein eigenes, besseres Wissen - genau wie beim Thema Klimakrise. Und deswegen werden auch weiterhin Mülleimer am Bahnhof überquellen.

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