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Mit einem neuen Bürokomplex soll nach langem Stillstand die Entwicklung der Viktoria-Brache angestoßen werden. Nun wird die Planung auch Anlass, ein Verkehrsproblem in der Nähe anzugehen: Wo Höingstraße und Hellweg die Bahngleise unterqueren, müsste schon jetzt eine Ampel den Verkehr regeln.

Unna

, 14.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Ein Bürogebäude mit fünf Etagen soll am Westrand der Brachfläche hochgezogen werden, die zwischen der Viktoriastraße und den Bahngleisen liegt. In einer Bürgerversammlung erläuterten die vom Investor beauftragten Planer weitere Details zu dem Projekt.

Sie zeigten auch Grafiken, die vielversprechend wirken. Im Entwurf lockern viele Fensterflächen die weiße Fassade des Gebäudes auf. Es soll vom Grundriss her wie ein „H“ angeordnet werden. Die Darstellungen zeigen auch schon das Logo eines potenziellen Nutzers der Immobilie. „Urlaubsguru“ steht an der Fassade. Es ist die Kernmarke des Startup-Unternehmens „Uniq“. Die Firma, gegründet in Unna und derzeit ansässig in Holzwickede, vermittelt unter anderem sehr erfolgreich Reisen und plant einen Umzug. „Uniq“ selbst aber hatte sich reserviert gezeigt, als die Stadt und der Eigentümer der Viktoriabrache den Beginn der Planungen bekannt gegeben hatten. Nach wie vor erklärt das Unternehmen, dass es mehrere Möglichkeiten für einen neuen Sitz prüfe, von denen Unna eine ist. Bis Ende des Jahres 2018 soll eine Entscheidung fallen. Ob das junge Online-Unternehmen sich wie von vielen erhofft für Unna entscheidet oder nicht – Planungsrecht für dieses Gebäude soll auf jeden Fall jetzt geschaffen werden.

Wieder Tunnel-Idee

Für den Standort Unna spräche die Nähe zum Bahnhof, wie ein Mitarbeiter des Planungsbüros Planquadrat im Rathaus erklärte. Das Bürogebäude ist für 250 Mitarbeiter konzipiert. Viele würden wohl mit der Bahn pendeln. Deswegen wird auch wieder oder noch über einen neuen Tunnel nachgedacht: Die Unterführung im Bahnhof könnte nach Norden verlängert werden, sagte Planungsamtsleiter Uwe von Hofen. Die Idee war auch im Zusammenhang mit einem anderen Projekt aufgekommen: Zwischen den Gleisen und der Viktoriabrache soll ein futuristisches Gastronomiegebäude entstehen. Dessen Vorhabenträger hatte vor eineinhalb Jahren erklärt, eine Tunnelverlängerung dafür sei erst sinnvoll, wenn sich auf der großen Brache im Norden etwas entwickelt. Und das passiert jetzt.

Platz für 130 Autos

Sicher wäre es utopisch, alle Mitarbeiter in dem Büroneubau planerisch mit dem Zug fahren zu lassen. Deswegen wird auch ein Parkplatz mit derzeit 130 Stellplätzen geplant. Verkehrsplaner, die bereits an dem Projekt rechnen, gehen davon aus, dass 75 Prozent der Fahrzeuge von Westen kommen beziehungsweise dorthin abfahren. Diese Fahrten sollen teils nördlich über die Hammer Straße erfolgen, teils westlich durch den großen Kreisverkehr am Kreishaus. Dieser ist allein schon wegen der Mühle-Bremme-Planung Gegenstand von erneuten Untersuchungen.

Die Zukunft der Brache an der Viktoriastraße

Auf der Fläche zwischen Bahngleisen, Hammer- und Viktoriastraße soll der neue Bürokomplex gebaut werden. Die Planer rechnen damit, dass etwa jedes vierte Mitarbeiterauto nach rechts Richtung Höingstraße abbiegt beziehungsweise von dort kommt. Das brächte noch mehr Belastung zum Tunnel Hellweg/Höingstraße. Dort wäre eine Ampel nötig. Karte: Stepmap.de

Ampel am Nadelöhr

Aber auch der östliche Verkehr bereitet den Verkehrsexperten Kopfzerbrechen. Die Fahrten über die Achse Viktoriastraße-Höingstraße würden die Bahnunterführung zum Hellweg zusätzlich belasten. Dort seien die Wartezeiten schon jetzt lang, wie die fraktionslose Ratsfrau Bärbel Risadelli anmerkte. Der Verkehrsplaner bestätigte das. Schon jetzt wäre dort eine Ampelregelung angezeigt, bei Umsetzung der Viktoria-Pläne umso mehr. Vielleicht ergäbe die Ansiedlung eines modernen Unternehmens aber auch die Chance, moderne Mobilitätskonzepte umzusetzen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Charlotte Kunert, eine der wenigen Besucher der jüngsten Bürgerversammlung, regte an, dass die städtische Mobilitätsmanagerin früh an den neuen Planungen beteiligt wird.

Die Zukunft der Brache an der Viktoriastraße

Südlich des H-förmigen Bürogebäudes ist eine Sporthalle für die Mitarbeiter geplant. Dazwischen liegen nach derzeitigem Planungsstand 130 Stellplätze für Autos. Die zu überplanende Fläche auf der Viktoria-Brache umfasst rund 1,4 Hektar.Visualisierung: Drahtler Architekten © \376\377\000t\000r\000a\000u\000

Anregung: Bau im Osten, Parkplatz im Westen

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Viktoria-Planung bringt sich der Königsborner Dr. Jürgen Vollradt mit einer Anregung ein. Er schlägt vor, den geplanten Bürokomplex in die östliche Hälfte der Viktoriabrache zu verlegen. Auf der westlichen Hälfte, wo der Neubau nach bisherigem Stand entstehen soll, könnte stattdessen ein „partiell begrünter, riesiger Parkplatz“ angelegt werden. Eine Untertunnelung der Gleise soll Arbeitnehmern im Rathaus leicht Zugang verschaffen zu dieser Parkfläche, auch Angestellten anderer Arbeitgeber der nördlichen Innenstadt wie Postbank, AOK, Sparkasse oder Volksbank. Auf diese Weise, so Vollradt, könnten diese Unternehmen und die Bahn ihre jetzigen Parkplätze frei machen für Nutzer von Süden. Der große Parkplatz wiederum könnte auch Bewohnern des Unnaer Nordens zur Verfügung stehen. So könne auch die inzwischen kritisierte Situation am Königsborner Tor mit der Durchfahrtsperre für Autofahrer wieder entschärft werden. Vollradt könnte sich auch vorstellen, dass diese Variante die Verkehrsanbindung des neuen Einzelhandelsstandorts auf dem Gelände der Mühle Bremme erleichtern würde.

Die Zeitplanung, die das Rathaus bekannt gab, sieht vor, dass sich der Stadtentwicklungsausschuss nach den Ferien im Sommer oder Herbst mit dem Projekt beschäftigt. Der Bebauungsplan für den Bürokomplex soll Ende dieses Jahres oder Anfang 2019 fertig sein. Für die Überplanung der Fläche muss auch der Flächennutzungsplan der Stadt an dieser Stelle geändert werden. Auch dieses Verfahren ist angelaufen. Die Unterlagen dazu können ab dem 18. Juli im Rathaus eingesehen werden. Sie werden dort bis 20. August ausgelegt. Das Material ist auch im Internet abrufbar auf der Internetseite der Stadt Unna.
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