Eine ausgemergelte Kuh liegt in der Viehsammelstelle, die vorläufig geschlossen ist, am Boden. Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. © Soko Tierschutz e.V.
Meinung

Die Tierquäler-Bilder aus Werne sind nichts Besonderes

Die Bilder aus Werne zeigen nur exemplarisch, wie Mensch Tier behandelt. Konsequenzen daraus ziehen müssen nicht nur die Betreiber, sondern auch die kauenden Massen, meint unser Autor.

Die Bilder aus der Viehsammelstelle in Werne sind nichts Besonderes – leider. Die Aufnahmen, die in den vergangenen Tagen so viel Entsetzen hervorgerufen, so viele Menschen berührt haben, sind furchtbar, nur schwer zu ertragen, man möchte wegschauen. Und das tun auch viele, schon lange. SOKO Tierschutz deckt seit Jahren Fälle wie diesen auf. Das betrifft nicht nur Viehsammelstellen, in denen ausrangierte Milchkühe zu Hundefutter werden, sondern Betriebe, die Fleisch für den menschlichen Verzehr verarbeiten. Wer sich selbst überzeugen will: soko-tierschutz.org. Immer wieder ist das lokale Entsetzen groß und immer wieder setzt das große Vergessen ein.

Es ist nicht damit getan Mitarbeiter zu entlassen, die auf den Videos zu sehen sind. Es ist nicht damit getan, sich als Betreiber mit Transparenz-Versprechen an die Öffentlichkeit zu wenden, es ist nicht damit getan Betroffenheit zu äußern, egal von welcher Seite. Es hilft leider nur Hinsehen und nicht mehr Wegsehen, nie mehr. Solange sich mit Tierleid Geld verdienen lässt, solange wird sich nichts ändern. Solange die kauenden Massen diese Zustände schweigend hinnehmen, solange wird sich nichts ändern. Mit vollem Mund spricht man nicht, doch am Ende entscheidet der Verbraucher, wie Mensch mit Tier umgeht.

Wer jetzt mit den Augen rollt, hat nicht verstanden, worum es mir geht. Ich will nicht Veganismus predigen, will nicht bekehren, will nicht belehren. Ich möchte nur meine Meinung äußern. Diese besagt, wer jetzt von den Bildern tief betroffen ist, sich aber nächste Woche wieder den Zehnerpack Schinkengriller für 2,99 Euro auf den Rost kippt oder den Liter Milch für 60 Cent in den Kühlschrank stellt, der macht sich zu einem Teil dieses Systems. Schweigend und kauend. Wem bei dem Anblick dieser Bilder nicht das Billigfleisch im Halse stecken bleibt, der muss ohnehin einen anderen Bezug zu Tieren haben, als ich zu verstehen vermag.

Ich bin fast davon überzeugt, dass an dieser Stelle eh fast niemand mehr mitliest, der sich nicht sowieso schon damit auseinandersetzt, was er isst und wo und wie es produziert wird, oder gar ganz auf tierische Produkte verzichtet. Dem Stück Fleisch, der Wurst, dem Ei, der Milch sieht man im Supermarkt nicht an, wie sie entstanden sind. Das ist natürlich Absicht. Vielleicht ist aber genau jetzt der Moment gekommen, genau das zu hinterfragen, sich bewusster damit auseinanderzusetzen, was auf dem Teller landet, woher es kommt und welcher Weg dahinter steckt.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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