Jüngste Ideen, wie es an Unnas Kreishauskreisel rund gehen kann, wirken in sich schlüssig. Doch bevor zu Testzwecken ein Fußgängerüberweg verlegt wird, bremst der ADFC die Erwartungen.

Unna

, 19.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Instrumente der Fahrradfreunde sind kein Spezialgerät: Eine Haushaltsleiter, eine Videokamera und eine Uhr mit Stoppuhrfunktion waren die Werkzeuge, mit denen sie den Gedankengang des Verkehrsgutachtens für die Mühle Bremme nachvollziehen wollten. Was der Fachmann mit Zähldaten berechnet hat und ein Feldversuch im neuen Jahr überprüfen soll, schauten sich Mitglieder der ADFC-Ortsgruppe Unna nach einer Stichprobe auf dem Bildschirm an. Was sie dort sahen, könnte die Hoffnungen der Autofahrer auf einen besseren Verkehrsfluss am Kreisel dämpfen.

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Es ging in ihrem Experiment um die These, dass sich der Rückstau auf der Kantstraße verringern ließe, wenn der Fußgänger- und Radfahrerüberweg über die Viktoriastraße etwa 50 Meter weiter nach Osten verlegt würde. Mit einer Leiter postierte der ADFC eine Kamera so, dass sie den Überweg an der Viktoriastraße, die Kantstraße und den Kreiselabschnitt dazwischen im Bild hatte. Zwischen 15.45 und 16.45 Uhr filmte der ADFC eine Spitzenstunde am Nachmittag, wie sie auch im Verkehrsgutachten für das Einkaufszentrum auf dem Mühlengelände herangezogen wird. Danach wertete der ADFC das Filmmaterial aus: Jeder Stopp eines Kraftfahrzeuges vor einem Fußgänger oder Radfahrer am Überweg wurde gezählt und vermessen.

Die Daten des Gutachters kann der ADFC bestätigen

In einem Punkt decken sich die Beobachtungen des ADFC mit den Daten des Gutachtens: Die Zahl der Querungen von Rad- und Fußgängern ist in Gutachten und Realität nahezu identisch. Allerdings sind die Auswirkungen andere. Dass Autos bei der Ausfahrt vom Kreisel zur Viktoriastraße halten müssen und mit ihrem Heck den Kreisel blockieren, komme zwar vor, sei aber nicht die Regel, fasst Ortsgruppensprecher Helmut Papenberg die Auswertung des ADFC-Filmmaterials zusammen.

Fußgänger „huschen“ zwischen Autos durch

Meistens seien Begegnungen zwischen Kraftfahrzeugen und schwachen Verkehrsteilnehmern eher kurz. Dass Fußgänger und Radfahrer eher kleckerweise über die Straße gehen, wie es der Gutachter beklagt, scheine sogar dem Verkehrsfluss zu nützen. Meistens müssten Autos nicht einmal anhalten, sondern nur kurz die Fahrt verzögern, damit ein Fußgänger über den Zebrastreifen kommt. Bevor der Passant die Mitte der Straße erreicht hat, beschleunigen die Fahrzeuge bereits aus dem Rollen heraus durch.

Ampel könnte Wartezeiten für Autofahrer verlängern

Mussten Autos doch einmal zum Stehen gebracht werden, drückte der ADFC die Taste der Stoppuhr. Insgesamt hielten Autos vor dem Überweg gut viereinhalb Minuten lang während der 60-minütigen Stichprobe. „Das entspricht einem Anteil von etwa acht Prozent“, so Papenberg. Feiner aufgebrochen in ein Zeitraster ergeben sich dabei deutliche Schwankungen. In Zeitblöcken zu je fünf Minuten maß der ADFC im schlimmsten Fall für die Autofahrer Wartezeiten von 57 Sekunden, im günstigsten jedoch nur fünf Sekunden. „Wartezeiten vor einer Ampel können Autofahrer durchaus mehr Zeit kosten“, merkt Uwe Schmidt von der ADFC-Ortsgruppe an.

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