Die Stadtwerke verzichten darauf, Ableser in die Haushalte zu schicken. Was akut als Reaktion auf die Corona-Pandemie gilt, war allerdings ohnehin schon in Betracht gezogen worden. © Udo Hennes
Energie

Die Stadtwerke Unna im Strompreisvergleich

Die jüngste Strompreiserhöhung wollen Unnas Stadtwerke lange vor sich her geschoben haben. Doch Geld verschenkt wird beim Kommunalversorger nicht. Es gibt durchaus günstigere Anbieter am Markt.

In den Worten der Stadtwerke Unna war die Strompreiserhöhung zum 1. April längst überfällig. Mehrfach sei sie aufgeschoben worden – mal aus Rücksichtnahme auf die Coronapandemie, mal aus internen Gründen, weil erst der Einstieg ins Trinkwassergeschäft anstand. Jetzt sind die neuen Tarife in Kraft, und so kann sich der Kommunalversorger mit seinen aktuellen Angeboten dem Marktvergleich stellen. Ergebnis: Der günstigste Stromanbieter vor Ort ist er nicht und war er auch nicht vor dem 1. April. Dennoch müssen Sparwillige nicht unbedingt zu einem anderen Versorger wechseln. Denn zumindest an einem Tarifmodell der Stadtwerke scheint sich die Konkurrenz die Zähne auszubeißen.

Fast ein Cent mehr je Kilowattstunde

Mit der Anhebung zum Monatsbeginn ist die Kilowattstunde Strom bei den Stadtwerken über alle Tarife hinweg um 0,984 Cent teurer geworden. Was dies prozentual bedeutet, hängt für die heutigen Kunden von ihrem gewählten Vertrag und vom Verbrauch ab: Wer in der Grundversorgung die 3000 Kilowattstunden abnimmt, die auch die Stadtwerke meist für ihre Beispielrechnungen verwenden, zahlt auf ein Jahr hochgerechnet 2,8 Prozent mehr. Der günstige Tarif „Online-Watt“ aber verteuert sich bei dieser Jahresleistung um 3,38 Prozent.

Die Stadtwerke selbst schlagen unzufriedenen Kunden gerne vor, nicht gleich den Anbieter zu wechseln, sondern lieber nur den Tarif. Doch durch den einheitlichen Aufschlag pro Kilowattstunde fallen die Vorteile dadurch künftig geringer aus. Wer bei den Stadtwerken von der Grundversorgung in den Online-Tarif wechselt, senkt seine Stromkosten für 3000 Kilowattstunden im Jahr gerade einmal um rund 50 Euro, aber dafür bindet er sich für zwölf Monate, während sich ein Grundversorgungsvertrag mit zwei Wochen Vorlauf kündigen lässt.

Preisvergleich ist vom Fall abhängig

Vertragslaufzeiten, Zahlungsrhythmus und etwaige Abschlussprämien sind wichtige Einflussgrößen für den Strompreis. Wer eine der gängigen Tarifsuchmaschinen im Internet benutzt, kann und sollte seine Filter entsprechend einstellen, um passgenaue Ergebnisse zu finden. Die Datenbank von Verivox spuckt für die meisten Tarife der Stadtwerke Alternativen aus, die teils deutlich günstiger sind. So kommt ein 3000-Kilowattstunden-Abnehmer in der Grundversorgung der Stadtwerke auf Jahreskosten von 1047,45 Euro. Der Anbieter ESWE bietet diese Menge Energie laut Verivox für 973,10 Euro an – in einem Vertrag, der innerhalb eines Monats gekündigt werden kann. Wer sich langfristig binden will, bekommt beim Anbieter „Q-Cells“ einen Zwei-Jahres-Vertrag, der im ersten Jahr nur 917,12 Euro kostet. Was dann im zweiten Jahr passiert, kann für Ernüchterung sorgen.

Vergleichsportale wie das von Verivox helfen bei der Orientierung auf dem Energiemarkt. Aber die Filtereinstellungen sollten sorgsam gesetzt sein!
Vergleichsportale wie das von Verivox helfen bei der Orientierung auf dem Energiemarkt. Aber die Filtereinstellungen sollten sorgsam gesetzt sein! © Verivox.de © Verivox.de

Dass auch die Stadtwerke bei ihrer Preisfindung einen Blick auf die Kampfpreise der Internet-Anbieter werfen, wird klar, wenn man das Mustermann-Szenario für ihr eigenes Sparangebot „Online-Watt Plus“ durchrechnet: Man kommt auf knapp 915 Euro, muss dafür aber ebenfalls einen 24-Monats-Vertrag abschließen.

Von Laufzeiten und Bonuszahlungen

Ein Konzept, dem die Stadtwerke nichts entgegensetzen, ist der Kundenfang mit Bonuszahlungen. Neukunden oder Rückkehrer bekommen bei einigen Anbietern nennenswerte Abschlussprämien für einen Vertrag. Wer sie in die Gesamtrechnung einbezieht, bekommt seinen Strom deutlich günstiger. Das bereits erwähnte Angebot von „Q-Cells“ vergünstigt sich dadurch nochmals auf 746,98 Euro – aber nur für das erste Jahr, wie das Vergleichsportal Verivox ausweist. Im zweiten kosten die 3000 Kilowattstunden Strom dann schon 1038,80 Euro, was nicht sehr weit vom Grundversorgungspreis der Stadtwerke entfernt ist.

Verbraucherschützer raten daher zur Vorsicht beim Umgang mit Vertragsprämien, und in den meisten Vergleichsdatenbanken lässt sich mit einem „Häkchen“ wählen, ob sie eingerechnet oder ausgeblendet werden soll. Klug ist es vermutlich, beide Berechnungen durchlaufen zu lassen und dann bei einem Anbieter, den man auch ohne Bonus genommen hätte, gerne einen einzustreichen, wenn es ihn gibt. Die Finger lassen sollte man von Verträgen, die langfristige Vorauszahlungen verlangen. Geht der Anbieter pleite, ist dieses Geld weg.

Vorsicht vor dem „Vertrags-Hopping“

Sparfüchse, die jeden Vertrag zur Mindestlaufzeit kündigen, um danach gleich den nächsten Bonus einzustreichen, kommen zwar rechnerisch am günstigsten davon, erleben aber bisweilen auch Überraschungen: Viele Stromanbieter lassen Vertragsbewerber von Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa überprüfen. Es ist nicht ganz klar, welche Daten dabei verwendet werden, aber bisweilen bekommen auch schuldenfreie Verbraucher selbst von großen Versorgern Absagen mit Verweis auf diese Bonitätsprüfung. Eine Anfrage unserer Redaktion in einem auch uns vorliegenden Fall war allerdings von der Pressestelle eines großen Stromkonzerns nicht beantwortet worden.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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