Die Stadt Unna muss ihre Jugend vor allem beteiligen

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Da es „die“ Jugend nicht gibt, ist auch die Suche nach „dem“ passenden Freizeitangebot schwierig. Fazit einer Diskussion ist: Jugendliche sollten Chancen bekommen, ihre Stadt zu gestalten.

Unna

, 15.11.2018, 13:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder des Kulturzentrums Lindenbrauerei gehen seit rund einem Jahr intensiv der Frage nach, was Jugendliche wünschen. Geschäftsführerin Regina Ranft berichtete bei einer Diskussionsveranstaltung dazu kürzlich, wie sie selbst einst ein Jugendcafé gegründet habe und dass sie seitdem nicht mehr auf dem aktuellen Stand sei, was junge Menschen in ihrer Freizeit tun, was sie brauchen oder auch vermissen.

Ein Fachreferent versuchte sich an Antworten, die allerdings nicht direkt auf Unna übertragbar sind. Prof. Dr. Ulrich Deinet, früher aktiv in der Jugendarbeit, heute Kindheits- und Jugendforscher, berichtete etwa von Jugendbefragungen, die in „Shopping Malls“ wie dem Oberhausener Centro durchgeführt wurden, an Orten also, die von Jugendlichen sehr gern in der Freizeit aufgesucht würden. So etwas hat Unna nicht. Eine Erkenntnis kann aber gut auch auf Unna zutreffen. Streetworker träfen Jugendliche gar nicht mehr dort an, wo sie sie früher antrafen.

Zeitlich befristete Projekte

Was man sich unter „öffentlichem Raum“ vorstellt, müsse inzwischen neu gedacht werden, so Deinet. Konkrete Antworten darauf, was sich Jugendliche wünschen, konnte der Wissenschaftler auch auf Nachfrage aus dem Publikum nicht geben, wie er ehrlich gestand. Sinnvoller als ein bestimmter Platz oder eine Einrichtung als Treffpunkt wären aber seiner Meinung nach zeitlich befristete Projekte, an deren Gestaltung die Jugendlichen beteiligt werden.

Räume im herkömmlichen Sinne fehlen Jugendlichen aber auch. Ein Vertreter der Jungen Union berichtete von Schwierigkeiten bei der Suche nach Partyräumen für 18. Geburtstage. Lindenbrauerei-Chefin Ranft kennt dieses Problem. Sie habe schon Räume für Privatpartys angeboten – und schlechte Erfahrungen gemacht mit Sachbeschädigungen. Seitdem gilt das Thema für die Lindenbrauerei als „schwierig“.

Die Diskussionsveranstaltung, an der auch Ratsvertreter und Verwaltungsmitarbeiter teilnahmen, brachte weitere Vorschläge und Anknüpfungspunkte hervor. Denn so offen, wie die Frage nach den Wünschen Jugendlicher derzeit erscheint, müsse sie nicht bleiben. Eine Teilnehmerin schlug eine Sozialraumanalyse vor und nannte mit den Fachleuten an Unnaer Berufskollegs auch direkt Einrichtungen, die man damit beauftragen könnte.

Kinderrat als gutes Beispiel

Was die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen angeht, ist die Stadt Unna allerdings auch nicht untätig. So erinnerte Heike Gutzmerow, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, an den noch jungen Kinderrat, in dem Grundschüler Projekte vorschlagen und beraten und dank eines kleinen Budgets sogar umsetzen lassen können. Zudem gebe es mit dem Kinder- und Jugendbüro eine zentrale Anlaufstelle, und auch Befragungen unter Jugendlichen seien den Verantwortlichen nicht fremd.

Die Angebote, die es gibt, zu sammeln und bekannter zu machen, könne auch ein Weg sein, um vermeintliche Lücken zu schließen, schlug ein Jugendarbeiter aus einer Nachbarstadt vor. „Vor allem sollten wir nicht nur über Kinder und Jugendliche reden, sondern mit ihnen.“

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