Die Hochschule in Massen sieht sich zur Abschottung gezwungen. Neue Schilder irritieren Anwohner. Hintergrund sind Ordnungsprobleme in einer schwierigen Nachbarschaftslage zwischen Altanliegern und Flüchtlingen.

Massen

, 03.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wieso kann ich jetzt mit meinem Hund nicht mehr hier hergehen?“, fragt eine Anwohnerin aus der Siedlung östlich der Buderusstraße in Massen-Nord. An mehreren Stellen im Umfeld der Hochschule sind neue Hinweisschilder aufgetaucht, die neben den Tafeln mit „Willkommen am Hochschulcampus Unna“ widersprüchlich erscheinen mögen: „Privatgelände, Betreten für Unbefugte verboten!“ Auch in englischer Sprache und in Form von Zeichen ist das Verbot dargestellt. Auch Hunde sollen den Hochschulcampus nicht betreten. Warum, das zeigen weitere Schilder, die das Hinterlassen von Hundehaufen verbieten.

Die schwierige Nachbarschaft in Unna-Massen

„Betreten für Unbefugte verboten“: Dass Anwohner hier immer noch vorbeigehen dürfen, wenn sie zum Beispiel zum Rewe wollen, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. © UDO HENNES

Seit Jahren gewohnte Spazierwege könne sie nun nicht mehr nutzen, sagt die Anwohnerin. „Auch wenn wir jetzt zum Rewe oder zum Fahrradgeschäft wollen, müssen wir riesige Umwege gehen.“

Tatsächlich hat die Hochschule die neue Beschilderung veranlasst.

Jetzt lesen

„Wir mussten diese Maßnahme ergreifen“, bestätigt Prof. Dr. Mark Harwardt, der Campusleiter. Zwischen den Hochschulgebäuden rund um Wellersbergplatz und Emscherstraße gebe es viele Grünflächen und Bänke. „Und die werden rege genutzt von Anwohnern und Flüchtlingen“, sagt Harwardt. Er berichtet von „viel Hektik und Trubel“, die nicht förderlich seien für einen Hochschulcampus. Die Privathochschule ist vor allem eine Fernuniversität. Es gibt aber regelmäßige Präsenzphasen. Und während Vorlesungen sei es störend, wenn sich immer wieder Menschen auf dem Gelände aufhielten.

Unappetitliche Spuren

Zumal einige dieser Besucher unappetitliche Spuren hinterließen. Der Hausmeister sei sehr oft damit beschäftigt, das Gelände säubern zu lassen, sagt Harwardt. Leere Flaschen und Picknick-Abfälle hätten entsorgt werden müssen. Und es sei sogar schon vorgekommen, dass Menschen draußen ihre Notdurft verrichten. Da die Studierenden Gebühren zahlen, hätten sie gewisse Erwartungen an das Umfeld ihrer Hochschule, so Harwardt. Es ist kein Geheimnis, dass der Hochschulcampus um einen guten Ruf bemüht ist. Harwardt ist nicht der erste Campusleiter in Massen, der die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Privatuni zum Ziel erklärt. Der Hochschulcampus soll in der Wirtschaft bekannter und für Studierende interessanter werden, wie der Leiter kürzlich vor dem Start des aktuellen Wintersemesters erklärte.

Jetzt lesen

Das Aufstellen der Schilder sei eine Maßnahme, die die Hochschulbetreiber mit denen der Erstaufnahmeeinrichtung und der Stadt abgestimmt hätten. Man hofft, dass sich die Ordnungsprobleme erledigen, wenn nun deutlicher zu erkennen ist, dass es sich um Privatgelände handelt.

Anwohner dürfen passieren

Den Weg zum Supermarkt oder zum Briefkasten wolle die Hochschule aber niemandem verwehren, betont Harwardt. „Da haben wir keine Bedenken und es gibt keine Einschränkungen.“ Der Campusleiter lädt ausdrücklich dazu ein, sich bei ihm zu melden, wenn jemand Fragen oder Kritik zu diesen oder anderen Maßnahmen hat.

Ordnungsprobleme, die vergleichbar sind, hatte es in der Vergangenheit schon gegeben. In Gesprächsrunden mit Anwohnern wurden diese thematisiert. Auch jetzt signalisiert Stadtsprecher Oliver Böer, dass die Verantwortlichen in der Erstaufnahme ebenso wie das Rathaus für Kritik oder Anfragen erreichbar seien.

Jetzt lesen
Hellweger Anzeiger Kommentar zur Hochschule

Gemeinsam auf der Insel

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen