Die Musik ganz zu begreifen, ist eine Lebensaufgabe

dzKlaviertage Unna

Junge Pianisten aus aller Welt haben Unna als ein Zentrum für neue Impulse für ihr Spiel entdeckt. Bei den „Klaviertagen Unna“ lernen sie viel und schenken den Bürgern im Gegenzug wundervolle Klänge.

von Sebastian Pähler

Unna

, 30.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit Donnerstag wirkt das Nicolai-Viertel wie aus der Zeit gerissen, wenn die Klänge großer Musikschaffender wie Chopin oder Bach zwischen den historischen Gebäuden zu hören sind. Quelle der fabelhaften Musik ist das Nicolaihaus, wo derzeit 14 talentierte Musikstudenten sich bei den „Klaviertagen Unna“ von Pianistin Elena Margolina-Hait intensiv unterrichten lassen.

Bei den offenen Proben konnten Musikinteressierte einen Eindruck davon gewinnen, was vom musikalischen Nachwuchs erwartet werden kann.

Die Musik ganz zu begreifen, ist eine Lebensaufgabe

„Musik ist mein ganzes Leben und wird es immer sein“, erklärte Simon Staub bei den Musiktagen Unna. © Sebastian Pähler


Den Noten Leben einhauchen

Technisch sind die Studierenden von Margolina-Hait ohne Zweifel ausgezeichnet. Sie alle studieren Klavierspiel und viele von ihnen haben bereits in frühster Kindheit damit angefangen. Um zur Meisterschaft zu gelangen braucht es aber noch ein gewisses Quäntchen mehr, das ihnen die Unnaer Pianistin mit Professur an der Musikhochschule Detmold während der Klaviertage vermitteln möchte.

Nicht alles, was Musik ausmacht ist in den Noten zu finden. Darin besteht die größte Schwierigkeit, wie interessierte Bürgerinnen und Bürger bei den offenen Proben erfahren konnten. Etwa am Freitag, als der 19-jährige Simon Staub aus Paderborn neben Margolina-Hait am Konzertflügel saß und an einer Sonate von Beethoven arbeitete. „Leider steht bei Beethoven keine dynamische Anweisung“, erläuterte die Professorin. Das ist aber auch von Vorteil, gibt es dem Musiker doch die Freiheit zu entscheiden, wie er das mit „Abwesenheit“ betitelte Stück interpretieren möchte. Das Ziel sei es, das menschliche Leben mit der Musik nachzuempfinden. Darum sei die Aufgabe eines Pianisten nicht einfach nur die Noten nachzuspielen, sondern die Komposition zu begreifen. „Wir möchten Verstehen, das ist unser Ziel. Die Antwort findest du nie zu 100 Prozent, denn wir können Beethoven nicht mehr fragen.“ Die Beschäftigung mit der Frage, das Spielen mit den Möglichkeiten, helfe aber bei der Entwicklung seines Könnens. „Das ist künstlerische Reife“, so Elena Margolina-Hait.

Die Musik ganz zu begreifen, ist eine Lebensaufgabe

Für Buseong Ha hat Unna viel mit Weimar gemein. Für ihn ist Musik eine Lebensaufgabe. © Sebastian Päher


Musik ist eine Lebensaufgabe

Für die Musikstudenten, die an der Meisterklasse teilnehmen ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse. „Ich habe hier ein lustiges Wort gelernt“, berichtete Buseong Ha. „Es heißt Lebensaufgabe“, so der 26-jährige Südkoreaner. Für ihn ist das Wort so lustig, da es so treffend beschreibt, dass man als Pianist in einem Monat ein neues Stück lernen kann, aber viele Jahre darauf verwenden kann, es wirklich zu begreifen. Die Klaviertage sind daher für ihn eine großartige Gelegenheit, seine „Lebensaufgabe“ voranzutreiben. Als er mit sechs Jahren mit dem Klavierspiel anfing, hatte er nicht gedacht, wie wichtig das einmal für ihn werden würde, denn eigentlich wollte er nur mehr Zeit mit einem Kindergartenfreund verbringen, dessen Mutter Klavierlehrerin war. Aber neben dem Unterricht gefällt ihm auch die Stadt Unna. Sie erinnere ihn an Weimar, wo er eine Zeit gelebt hat.

Nicht zum ersten Mal bei den Klaviertagen dabei war auch Esfira Ter-Tatshatyan. Die Atmosphäre einer kleineren Stadt wie Unna sei gut für die Musik, sagte die gebürtige Armenierin. Sie sei in Großstätten aufgewachsen und die sind einfach viel zu hektisch, um sich auf klassische Musik konzentrieren zu können. Der besondere Wert der Klaviertage sei aber auch, dass man sich komprimiert einige Tage nur mit der Musik beschäftigen kann - ein Luxus, den das Musikstudium nicht immer gewährt. „Ganz wichtig für uns Pianisten ist auch, anderen beim Unterricht zuhören zu können“, so die 22-Jährige.

Die Musik ganz zu begreifen, ist eine Lebensaufgabe

Alle Musiker „singen“ mit ihren Instrumenten. Das zu erkennen hilft, um die Musik lebendig werden zu lassen, erklärte Esfira Ter-Tatshatyan. © Sebastian Pähler

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