Die große Familienkonferenz der Unnaer Kulturwelt

Entwicklungsprozess

Über Kultur und ihren Stellenwert wird in Unna oft gestritten. Ein von der Stadt angestoßener „Kulturentwicklungsprozess“ beleuchtet das Thema aus neuen Blickwinkeln - ohne Spardiktakt.

20.02.2019, 18:26 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine „Kulturstadt“ ist Unna nicht nur als Veranstaltungsort, sondern auch als Sitz vieler kreativer Projekte. Kooperationen sind dabei üblich. So wird die Theaterarbeit der Volkshochschule („Studiobühne“) von Mitgliedern des Narrenschiffs unterstützt.

Eine „Kulturstadt“ ist Unna nicht nur als Veranstaltungsort, sondern auch als Sitz vieler kreativer Projekte. Kooperationen sind dabei üblich. So wird die Theaterarbeit der Volkshochschule („Studiobühne“) von Mitgliedern des Narrenschiffs unterstützt. © Roman Grzelak

Wie sehr das Kulturwesen in Unna polarisiert, zeigte sich in den zurückliegenden Wochen erst bei den Neujahrsempfängen der Unnaer Parteien. Die Grünen brachen eine Lanze für die Kultur, während die CDU das Angebot als zu üppig für eine Stadt dieser Größe beschrieb. Bürgermeister Werner Kolter erwartet, dass die Kultur auch im nahenden Wahlkampf ein Thema sein werde, mit dem die Parteien ihre Profilbildung betreiben werden. Je nach Sichtweise hat Unna also zu viel Kultur oder zu wenig. Objektiv klären lässt sich das nicht.

Das Rathaus hält sich aus der Spardebatte heraus

Wer im Streit zwischen sparen und nicht sparen auf das Rathaus hofft, wird von der Verwaltung enttäuscht - und zwar absichtlich. Arbeiten an einem „Kulturentwicklungsprozess“ dienten im vergangenen Jahr zumindest als Grund dafür, das Kulturwesen aus der Arbeit einer Sparkommission herauszuhalten. Im neuen Doppelhaushalt stehen der Kulturarbeit weiterhin die gewohnten Mittel zur Verfügung. Und somit kann die Verwaltung auch Wort halten: Trotz eines Hinweises auf schwierige Rahmenbedingungen war der Prozess nicht mit dem Ziel angestoßen worden, Kürzungsmöglichkeiten zu finden. Stattdessen bringt er der Kultur eine Chance, sich neu aufzustellen und mit neuen Ideen zu spielen.

„Die Kultur“ besteht aus verschiedensten Einrichtungen und Köpfen

Wer „die Kultur“ sagt, meint damit in Unna ein buntes Gebilde, das nun in die Arbeit an einem neuen Kulturkonzept einbezogen werden soll: Die Stadtverwaltung mit ihrem Kulturbereich, aber auch der Jugendkunstschule und der Volkshochschule, die Stadtmarketinggesellschaft, das Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei, Kirchengemeinden, Vereine, die Künstler selbst und ihr Publikum machen Unna zur Kulturstadt. Und ein Querschnitt dieser Akteure soll nun an einen runden Tisch geladen werden.

Zukunftskonferenz an zwei Tagen Ende März

Am 29. und 30. März soll im Tanzzentrum Kochtokrax am Südring eine „Zukunftskonferenz“ für die Kultur in Unna tagen. Bis zu 140 Akteure sind eingeladen. Bürger, die daran mitwirken wollen, können sich dafür bewerben. Moderiert wird die Konferenz von einem Beratungsbüro mit dem Namen „Take Part“. Partizipation der Öffentlichkeit sein ein Grundsatz der eigenen Arbeit, erklärt Berater Peter Landmann. Für die Konferenz im März nutze er Methoden, die in der Schweiz bei basisdemokratischen Prozessen zum Einsatz komme. „Wer ein Gutachten bestellt, bei dem das Ergebnis vorher feststeht, ist bei uns an der falschen Adresse“, so Landmann.

„Kultur zukunftsfähig weiterentwickeln“

Forderer von Sparbeiträgen der Kultur mag dies enttäuschen. „Es geht darum, Kultur zukunftsfähig weiterzuentwickeln“, erinnert die zuständige Beigeordnete im Rathaus, Kerstin Heidler. Und in gewisser Weise bleibe Unna sich gerade dabei treu: Viele Neuerungen der Vergangenheit waren ihrerzeit im Miteinander verschiedener Akteure entstanden. Bürgermeister Werner Kolter sieht die Chance auf neue Stadtkulturprojekte, wie sie früher einmal eine Tradition hatten. „Alle Akteure sind jetzt aufgefordert, ihre Position zu reflektieren und sie zu präsentieren, aber auch in einen Dialog mit anderen einzusteigen“, so Kolter.

Das Kulturkonzept soll „von unten“ kommen

Dass die Stadt von einem Kulturentwicklungprozess und nicht von einem -plan spricht, soll das Prinzip veranschaulichen. Am Ende wird es kein Gutachten geben, das sich ein Experte in seinem Büro ausgedacht hat, sondern ein Ergebnispapier, das die Arbeit aus Unna zusammenfasst, also „von unten“ kommt. Die Arbeit der Experten besteht eher darin, die Eingaben zu strukturieren.

Bereits eingesammelt wurden Beiträge zu einer Bestandsaufnahme der Kulturschaffenden. 19 „Akteure“, die das kulturelle Angebot in Unna in besonderer Weise prägen, waren dazu aufgefordert, ihr Angebot, ihre Pubikumsakzeptanz und ihre wirtschaftliche Situation zu beschreiben. Und allesamt haben sie geliefert.

Umfrage unter den Bürgern

In Kürze soll eine Befragung der Bevölkerung anlaufen, für die die Stadt mit der Hochschule in Massen zusammenarbeiten will. Nutzer und Nicht-Nutzer kultureller Angebote und Einrichtungen sollen dabei Auskunft darüber geben, welche Art von Kultur sie in Unna überhaupt kennen, wie sie sie nutzen und was sie sich noch wünschen. Die Ergebnisse der beiden Befragungen sollen erst zur Zukunftskonferenz Ende März veröffentlicht werden.

Was der Prozess am Ende bringt, ist ohne gesetzte Vorgaben offen. „Verbindlich kann das Ergebnispapier zum Schluss auch nur für die Kulturpolitik der Stadt sein“, erklärt Experte Landmann. „Alle anderen bekommen Anregungen.“

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