Seit 50 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Unna und Waalwijk. Der Austausch ist vielfältig und lebendig, vor allem aber ist er herzlich.

Unna

, 08.12.2018, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal reicht auch ein kurzes Hallo, um die Freundschaft zu pflegen. Einfach mal kurz nach Unna fahren, das war 2008 auch das Ziel des Tour Fiets Club aus Waalwijk. Fiets? Richtig, das heißt Fahrrad. Die Radsportler aus Unnas Partnerstadt in Holland spulten an diesem Tag rund 500 Kilometer auf ihren Rädern ab, um dabei Geld für ein Hospiz zu sammeln. Kurz vor Mitternacht aufbrechen, mittags im Unnaer Rathausrestaurant Nudeln tanken, dann wieder zurück. Waalwijk-Unna-Waalwijk in 24 Stunden mit dem Fahrrad. Warum das Ganze? Weil es geht.

Begegnungen zwischen Waalwijk und Unna sind oft von einer Portion Unernst geprägt. Davon zeugen noch heute etwa die Musikbeiträge der Niederländer zu den Festen in Unna. Ob sie nun im Schottenrock mit dem Dudelsack durch Unna marschieren oder als radelndes Orchester mit militärischer Präzision das Aufstiegs- und Anfahrmanöver auf einem Sechser-Tandem exerzieren: Die Holländer fallen auf.

Die deutsch-holländische Freundschaft darf auch mal unernst sein

Schotten aus Holland spielen in Westfalen: Die Clan Lamont Pipe Band aus Waalwijk gehört zu den regelmäßigen Gästen beim Stadtfest in Unna. © Archiv

Dabei hat manches, was als spleenige Besonderheit im Austausch der beiden Städte in die Annalen einging, durchaus auch einen ernsten Hintergrund. Camping im Kurpark, das ließ natürlich auch Schmunzeln zu über ein Nachbarvolk, das seine Behausung konsequent am Auto hinter sich her zog. Andererseits war die jährliche Freigabe des Kurparks als Zeltwiese einfach eine gute Lösung der Unterkunftsfrage, bevor sich die persönlichen Freundschaften so weit gebildet hatten, dass die Gäste aus Waalwijk auch privat in Unna unterkamen.

Die deutsch-holländische Freundschaft darf auch mal unernst sein

Camping im Kurpark war über Jahre hinweg ein festes Angebot in der Partnerschaftsarbeit. Gäste aus Holland schlugen in der Grünanlage ihre Zelte auf und wurden von den Unnaern dort umsorgt. © Archiv

Am Anfang der Partnerschaft dürfte es durchaus noch Reserviertheit gegeben haben. Die Partnerschaft mit Waalwijk war die erste überhaupt, die die Unnaer eingingen. Ähnlich wie ein Jahr später in der Partnerschaft mit Palaiseau war die Aussöhnung nach dem Krieg ein Thema. „Wir mögen die Deutschen, solange nicht zu viele kommen“, war in jener Zeit ein geflügeltes Wort, das darauf anspielte, wie die Wehrmacht 1940 über das Königreich der Niederlande hinweggerollt war.

Themen der Partnerschaft unterlagen danach aber einem stetigen Wandel. Nach der Phase Aussöhnung gewann das Lernen vom Partner an Bedeutung. Auch die aktuelle Neuauflage der Partnerschaftserklärung knüpft daran an: Die Digitalisierung und der wirtschaftliche Strukturwandel sind Schwerpunktthemen, die die Städte auf der politisch-administrativen Ebene gemeinsam durchdenken wollen.

Die deutsch-holländische Freundschaft darf auch mal unernst sein

Eine Säule der Begegnung ist der Sport. Eine feste Freundschaft unterhalten etwa die Radsportvereine aus Unna und Waalwijk. Aber auch im Fußball gibt es Begegnungen. © Archiv

Lebendig allerdings wird eine Partnerschaft durch die Begegnung von Menschen. Und gerade die Partnerschaft mit der 45.000-Einwohner-Stadt in Noord-Brabant hat viele solcher Anknüpfungspunkte: Sportvereine, Schulen, Künstlergruppen, die Jugendfeuerwehr, aber eben auch private Freundschaften, die sich aus den bisherigen Begegnungen heraus gebildet haben, sind die Bindeglieder zwischen Unna und Waalwijk.

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