Der literarische Notdienst der Buchhandlung Hornung, hier mit Michael Sacher, kann den normalen Verkauf nicht ersetzen. Das galt schon im ersten Lockdown, im zweiten aber umso mehr. © Marcel Drawe (Archiv)
Coronavirus

Der zweite Lockdown trifft den Buchhandel deutlich härter

Die Zeichen stehen auf Öffnung: Buchhandlungen sollen wieder Kunden empfangen können – und das nicht mehr nur vor, sondern auch im Laden. Bei Hornung in Unna sorgt das für Erleichterung.

Der Tisch im Eingangsbereich der Buchhandlung Hornung am Markt in Unna trennt Kunden und Mitarbeiter. Er ist aber auch die Verbindung, die geblieben ist in der Zeit des Lockdowns. Schon während der ersten Zwangsschließung bot Hornung einen „Literarischen Notdienst“ an – und auch jetzt können Bücher, Kalender und andere Waren vor dem Eingang abgeholt werden.

Die politischen Signale deuten darauf hin, dass Hornung sich schon bald wieder von seinem Notdienst verabschieden und stattdessen Kunden auch wieder im Laden empfangen kann – natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Spontankäufe fallen fast komplett weg

Michael Sacher, gemeinsam mit Gordon Friese Geschäftsführer der Buchhandlung, ist erleichtert. Der zweite Lockdown, so sagt er, habe Hornung wesentlich stärker getroffen als der erste. Das sei wohl ein Trend in der gesamten Branche, hat er etwa von Mitarbeitern von Verlagen erfahren. Dazu beigetragen hat wohl auch das schlechte Wetter im Januar. Das wäre ohnehin ein schlechter Monat geworden, mutmaßt der Buchhändler.

„Natürlich trifft uns der Lockdown nicht so sehr wie etwa Bekleidungsgeschäfte“, weiß Sacher die Lage einzuordnen. Bücher sind weder Saisonware, noch verderblich. Und dennoch sind die Verkaufszahlen mit dem Lockdown eingebrochen. Und das liegt vor allem daran, dass sich Kunden nicht im Geschäft inspirieren lassen können. So werde nur das gekauft, was quasi auf dem Einkaufszettel stehe, aber nicht etwa ein weiteres Buch oder ein schöner Kalender.

„Beim Kalenderverkauf haben uns die zwei wichtigsten Wochen gefehlt“, berichtet Sacher. Kunden hätten sich Kalender nicht wie gewohnt angucken können. „Im Geschäft haben sie die Größe vor Augen und sehen, ob der an eine bestimmte Stelle passt“, weiß Sacher.

Sorgen auch um kleinere Verlage

Der Buchhändler sorgt sich aber nicht nur um sein Geschäft. Insbesondere kleine, besondere Verlage hätten es schwer. Die großen seien mit Bestsellern präsent, aber etwa die Empfehlung von Mitarbeiterinnen im Geschäft für bis dahin unbekannte Bücher falle im Lockdown fast komplett weg.

Auf die sich andeutende Öffnung ist Hornung vorbereitet. Schon vor dem Lockdown durfte maximal ein Kunde pro 10 Quadratmeter den Laden betreten. „Das Problem ist halt, dass die sich nicht gleichmäßig verteilen“, setzt Sacher auf die Rücksicht der Kunden. Notfalls müsse man eben auch mal mit Abstand einen Moment warten. Das aber ist sicher besser als ein Verkauf an der Ladentür.

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Redaktion Unna
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